ALS MUSLIM LEBEN

Von Sayyid Abul A'la Maududi

 

1. DIE NOTWENDIGKEIT VON WISSEN ......................... 8

Allahs grš§tes Geschenk ....................................... 8

Wird man Muslim durch Geburt?........................... 9

Kein reines Lippenbekenntnis ............................... 9

Kein Islam ohne Wissen....................................... 10

Gefahren von Unwissenheit ................................ 10

Der Erwerb von Wissen........................................ 11

2. ZWISCHEN ISLAM UND KUFR.................................. 12

Muslime und Kuffar ............................................. 12

Wissen und Taten ................................................ 13

Warum werden die Muslime heutzutage erniedrigt?......................... 14

Drang nach Wissen ............................. 16

3. WIE DIE MUSLIME DEN KORAN BEHANDELN ....... 17

Mi§brauch und Mangel an Ehrerbietung ............ 17

WidersprŸche ... ............................. ...................... 18

Die Folgen ...... ............................. ....................... 19

Kein Islam ohne den Koran .................................. 19

4. DIE WAHRE BEDEUTUNG DES IMAN...................... 21

Das Glaubensbekenntnis und seine Auswirkungen .......................... 21

Ein Vertrag mit Allah........................................... 23

Die FŸhrung durch den Propheten (s) ................. 24

Pflichten, die sich aus dem Bekenntnis ergeben .. 25

Unser Verhalten.... ............................... 26

5 WARUM DAS GLAUBENSBEKENNTNIS EINZIGARTIG IST....... 26

Das Gleichnis vom Baum..................................... 27

Zwei Arten von BŠumen....................................... 27

Eigenschaften der Kalima Tayyiba ....................... 28

Eigenschaften der Kalima Khabitha..................... 29

Unterschiedliche Ergebnisse ................................. 29

Warum haben die AnhŠnger des Glaubensbekenntnisses keinen Erfolg?........ 30

Haben die Glaubensverweigerer wirklich Erfolg? .................................... 31

6. WOZU DAS GLAUBENSBEKENNTNIS?................... 32

Erfolg im Jenseits . ............................. .................... 32

Diesseits und Jenseits ........................................... 32

Erfolg im Diesseits. ............................. ................... 33

Der Zweck des Glaubensbekenntnisses................ 34

Was lehrt uns die Kalima? ................................... 34

Taten und Wissen mŸssen Ÿbereinstimmen.......... 35

 

KAPITEL II ISLAM............ 36

7. DIE FALSCHEN G…TTER .......................................... 36

Kufr und Islam... ............................. ..................... 36

Islam - vollstŠndige Hingabe................................ 37

Drei Ursachen des Abirrens .................................. 38

Die Lage der Muslime heute ................................. 40

8. SIND WIR WIRKLICH MUSLIME?.............................. 42

Der wahre Muslim............................. ............................... 42

Die Zeichen der Heuchelei ................................... 42

Wahrer Glaube .. ............................. ..................... 44

Der Weg zu Gottes Wohlgefallen .......................... 46

Die Muslime heute. ............................. .................. 47

9. SIND WIR WAHRE MUSLIME?.................................. 47

Zwei Formen von Islam........................................ 48

Zwei Arten von Muslimen .................................... 49

Welche Art von Muslimen wŸnscht Gott? ............ 50

GŠnzliche Treue gegenŸber Allah ........................ 51

Wo stehen wir?........ 51

10. WARUM GOTT GEHORCHEN? ............................... 52

Unser Wohlergehen 53

Gehorsam gegenŸber anderen au§er Allah.......... 53

Die einzig wahre FŸhrung ................................... 55

Wie erlangt man Gottes Rechtleitung? ................. 55

Kein blinder Gehorsam......................................... 56

11. DER UNTERSCHIED ZWISCHEN DIN UND SCHARI'A........... 57

Die Bedeutung von Din ........................................ 57                       

Die Bedeutung von Schari'a ................................. 59

Das Wesen des Unterschieds zwischen Din und Schari'a........ 59

Unterschiede zwischen den Rechtsschulen.......... 60

Folgen von Intoleranz .......................................... 61

Sektiererei ... ............................. ............................ 62

12 DER WAHRE SINN VON 'IBADA.............................. 63

Die Bedeutung von 'Ibada.................................... 63

Falsches VerstŠndnis von 'Ibada .......................... 64

'Ibada - Dienen das ganze Leben hindurch.......... 66

KAPITEL III SALAH................................................ 68

13 BEDEUTUNG UND SEGEN DES GEBETS............... 68

Sich an Gott erinnern........................................... 68

Der Segen des Gebets............................................ 69

Eine stŠndige Erinnerung .................................... 69

PflichtgefŸhl ........... 70

Im Bewu§tsein Gottes ........................................... 71

Wissen um Gottes Gesetz ...................................... 72

Gemeinschaftliches Leben.................................... 72

14 DIE GEBETSTEXTE .... 73

Der Gebetsruf (Adhan) und seine Wirkung.......... 73

Die Gebetswaschung (Wudu') ............................... 74

Die Absicht (Niyya). 75

Lobpreisung (Tasbih) ........................................... 75

Zuflucht (Ta'awwud) ............................................ 75

Bismillah - Im Namen Allahs............................... 75

Preis und Dank (Hamd) ....................................... 76

Das Lesen des Korans........................................... 76

Verbeugung (Ruku')............................................. 78

Niederwerfung (Sudschud) ................................... 79

Sitzen (Dschalsa) ............................. ..................... 79

Der Segenswunsch fŸr den Propheten (s)............. 79

Das Schutzsuchen... 80

Der Friedensgru§ (Salam) ................................... 80

Das Qunut-Bittgebet ............................................. 80

Charakterformung. ..... ........................................... 81

15. DER SEGEN DES GEMEINSCHAFTSGEBETS ...... 82

Persšnlicher Gottesdienst..................................... 82

Der Ruf zur Versammlung ................................... 83

Gegenseitiges Kennenlernen................................ 84

Kameradschaft ............................. ......................... 84

Ein gesegneter Zweck ........................................... 84

BrŸderlichkeit ......... 85

Einheitlichkeit in den Gebetshaltungen................ 85

Einheitlichkeit in den Gebetstexten ...................... 86

Leitung des Gebets.. 86

Wesen und Art der Leitung ................................... 87

16: HAT DAS GEBET SEINE KRAFT VERLOREN? ..... 89

Das Gleichnis von der Uhr ................................... 89

Das Ziel der muslimischen Gemeinschaft ............ 90

Ganzheit der islamischen Lehre............................ 91

Sinnentstellung ....... 91

Gottesdienst ohne Auswirkungen......................... 92

Die bedauerliche Lage der Muslime ..................... 93

 

KAPITEL IV DAS FASTEN.................................. 93

17. BEDEUTUNG UND SEGEN DES FASTENS............ 93

Ein Leben erfŸllt mit Gottesdienst ........................ 94

Ein Leben voller Anbetung ................................... 94

Fasten und Persšnlichkeitsentwicklung ............... 95

Wo sind die Ergebnisse?....................................... 97

18. DAS WAHRE WESEN DES FASTENS .................... 98

Sinn und Zweck ...... 98

€u§ere Handlungen und innerer Sinn................. 98

Falsche Auffassung von Gottesdienst ................... 99

Fasten: ein Schritt zur Fršmmigkeit..................... 99

Voraussetzungen fŸr richtiges Fasten ................ 100

KAPITEL V ZAKAT........ 102

19. DIE WICHTIGKEIT DER ARMENABGABE............ 102

Bedeutung von Zakat.......................................... 102

Zakat - ein PrŸfstein........................................... 102

Ursprung der Zakat ............................................ 103

Eine klare Anweisung......................................... 104

Das Zeichen wahren Glaubens ........................... 105

Aufbau der Umma  105

Bedingungen fŸr Gottes Hilfe ............................. 106

Eine Warnung an die Muslime ........................... 106

Verweigerung der Armenabgabe........................ 107

20 DIE BEDEUTUNG DER ARMENABGABE.............. 107

Gottes Freunde werden....................................... 108

Gott prŸft den Menschen.................................... 108

Die wirkliche PrŸfung ........................................ 113

21 ZAKAT - EINE SOZIALE EINRICHTUNG................ 114

Allahs GŸte ........... 114

Menschliche Selbstsucht .................................... 115

Folgen eigensŸchtigen Verhaltens...................... 116

Wohlergehen des Einzelnen und der Gemeinschaft................ 117

Was ist die Lšsung?............................................ 118

22. ALLGEMEINE RICHTLINIEN F†R DIE ZAKAT ..... 118

Gedenken an Allah ............................................. 118

Spenden auf dem Wege Allahs............................ 119

Voraussetzung der Rechtleitung ......................... 120

23 GENAUERE ANWEISUNGEN ZUR ZAKAT............ 123

ErnteertrŠge.......... 124

Reichtum und Vermšgen.................................... 124

EmpfŠnger der Zakat.......................................... 126

Weitere Richtlinien............................................. 128

Gemeinschaftliche Entrichtung der Zakat ......... 129

KAPITEL VI HADSCH.... 130

24. URSPRUNG UND BEDEUTUNG DER HADSCH... 130

Leben und Aufgabe des Propheten Abraham..... 130

Das Zeitalter Abrahams...................................... 131

Abrahams Liebe zur Wahrheit ............................ 132

Kummer und Unheil ........................................... 132

Abrahams Auswanderung ................................... 133

Erziehen einer neuer Generation........................ 133

Die grš§te PrŸfung Abrahams ............................ 134

Die weltweite islamische Bewegung.................... 134

Der Bau der Ka'ba 135

Abrahams Gebete.. 136

25 DIE WIEDERHERSTELLUNG DER WAHREN HADSCH... 137

Gštzenanbetung in Mekka .................................. 137

Der Niedergang der Hadsch............................... 138

Wiederherstellung der Hadsch............................ 139

Wichtigkeit der Hadsch ...................................... 143

26 GEISTIGE ERNEUERUNG ...................................... 144

Die Reise ............... 144

Tugend und Ehrfurcht ....................................... 145

Das Ihram und seine Bedingungen .................... 145

Talbiyya................. 147

Das Umschreiten (Tawaf)................................... 147

Der Lauf zwischen Safa und Marwa (Sa'i) ........ 148

Der Aufenthalt in Mina, 'Arafat und Muzdalifa (Wuquf) ........ 148

Das Steinigen der SŠulen (Rami Dschimar)....... 149

Auswirkungen der Hadsch................................. 150

Hadsch - ein gemeinsamer Gottesdienst ............. 150

27. ERNEUERUNG DER GESELLSCHAFT................. 151

Aufbruch der Pilger............................................ 151

Eine Zeit des Wiedererwachens .......................... 152

Eingebung durch Einheit ................................... 152

Bewegung fŸr den Frieden................................. 153

Mittelpunkt von Frieden und Gleichheit ............ 154

Mangel an WertschŠtzung.................................. 155

Vollen Nutzen aus der Hadsch ziehen ................ 156

Der erste Schritt .... 160

Ursprung korrupter Herrschaft.......................... 160

Gottes Oberherrschaft Ÿber die Menschen......... 161

Macht korrumpiert ............................................. 162

Rituale als †bung . 162

Gerechte Regierungen........................................ 163

29 DIE BEDEUTUNG DES DSCHIHAD......... 164

Din, Schari'a und 'Ibada.................................... 164

Kann man zwei Religionen folgen? .................... 165

Jede Ordnung strebt nach Macht........................ 166

Der Din des Islam. ...........................................167

Dschihad im Islam ...........................................168

Der wahre GlŠubige......................................... 169

Keine Erneuerung ohne Kampf .......................... 169

 

Vorwort zur ersten Auflage

Als ich im Jahr 1938 (1357 n. H.) zum ersten Mal in den Pandschab kam, um in Darul-

Islam (bei Pathankot im Osten des Pandschab) zu leben, begann ich, Freitagsgebete zu

organisieren und den Dorfbewohnern den Islam zu erklŠren.

Dieses Buch ist eine Sammlung dieser Ansprachen, die ich damals fŸr diese

Freitagsgebete vorbereitet habe. Die Zuhšrer waren hauptsŠchlich Bauern, die aus dem

Pandschab stammten und deren Muttersprache nicht Urdu war. Aus diesem Grund

musste ich eine Sprache und Ausdrucksweise wŠhlen, die von diesen einfachen

Menschen leicht verstanden werden konnte. Auf diese Weise ist die vorliegende

Sammlung entstanden, die insha-Allah nŸtzlich ist, den Islam breiten

Bevšlkerungsschichten nahe zu bringen.

Die Grundlegenden Glaubensinhalte des Islam habe ich bereits ausfŸhrlich in meinem

Buch ãWeltanschauung und leben im IslamÒ dargelegt. Darin bin ich auch kurz auf die

SchariÕa eingegangen. Das vorliegende Buch behandelt nun ausfŸhrlich zwei weitere

Themenbereiche:

Die Bedeutung und den Geist des Islam, sowie den Gottesdienst.

Ich hoffe, dass diese Freitagsansprachen zusammen mit dem oben erwŠhnten Buch, mit

der Barmherzigkeit Gottes, dem Leser seinen Weg zum VerstŠndnis des Islam

hinreichend beleuchten.

Verwendet man die einzelnen Kapitel diese Buches als Freitagsansprachen beim gebet,

so sollte man sie mit den Worten eršffnen, die uns durch den Propheten Muhammad (s)

dargelegt worden sind. Dann kann man jede beliebige Ansprache verwenden, aber sie

sollte auf Arabisch gehalten werden.

 

Lahore, 15. Ramadan 1359 n.H. (November, 1940)

Abul AÕla

 

KAPITEL I

IMAN

1.Die Notwendigkeit von Wissen

Allahs grš§tes Geschenk

Geschwister im Islam! Wir Muslime glauben aufrichtig daran, dass der Islam die grš§te

Wohltat Allahs in dieser Welt ist. Wir sind dankbar, dass Er uns zu Mitgliedern der

Umma des Propheten (s) gemacht hat und uns diese einzigartige Gnade verliehen hat.

Allah selbst bezeichnet dies als sein grš§tes Geschenk an Seine Diener:

Heute habe Ich euren Din [eure religišse Lebensweise] fŸr euch vollendet

und Meine Gnade an euch erfŸllt, und es ist Mein Wille, da§ der Islam euer

Glaube ist. (Sure 5:3)

Um wirklich dankbar zu sein fŸr diese gro§e Gnade, mŸ§t ihr Allah gegenŸber eure

Pflicht erfŸllen. Tut ihr das nicht, so habt ihr euch zweifellos undankbar gezeigt. Welche

Undankbarkeit wŠre schlimmer, als zu vergessen, was man Gott schuldig ist!

Nun fragt ihr vielleicht, wie man diese Schuld begleichen kann. Da Allah so gŸtig war,

euch in die Umma von Muhammad (s) aufzunehmen, ist die beste Form, seine

Dankbarkeit zu zeigen, ein ehrlicher und hingebungsvoller AnhŠnger des Propheten (s)

zu werden. Es gibt darŸber hinaus keine andere Mšglichkeit. Da er euch zu einem Teil

der muslimischen Gemeinschaft gemacht hat, m٤t ihr eure Aufrichtigkeit als Muslime

unter Beweis stellen. Tut ihr es nicht, wird die Strafe fŸr eure Undankbarkeit so gro§

sein, wie es Allahs Geschenk an euch war. Mšge Allah uns alle vor dieser gro§en Strafe

bewahren!

Ihr werdet nun fragen: "Wie kšnnen wir Muslim im eigentlichen Sinne des Wortes

werden?" Ich werde euch in meinen folgenden Ansprachen diese Frage genauer

erlŠutern; heute aber wollen wir einen Punkt von au§erordentlicher Wichtigkeit

betrachten, ohne den wir nicht die Bedeutung des wahren Glaubens verstehen kšnnen.

Dies ist der erste wichtige Schritt auf dem Weg, ein wahrer Muslim zu werden.

Wird man Muslim durch Geburt?

Bitte Ÿberlegt, was das Wort "Muslim", das wir alle so oft benutzen, eigentlich bedeutet!

Kann ein Mensch Muslim durch Geburt werden? Ist man nur deshalb Muslim, weil man

ein Sohn oder ein Enkel eines Muslims ist? Wird man als Muslim geboren, genauso wie

der Sohn eines hinduistischen Brahmanen als Brahmane und der Sohn eines

Deutschen als Deutscher geboren wird? Ist es das gleiche wie bei einem Wei§en,

dessen Nachkomme als Wei§er oder bei einem Afrikaner, dessen Sohn als Afrikaner

zur Welt kommt? Sind die Muslime eine Rasse, eine NationalitŠt oder eine Kaste?

Gehšren die Muslime der islamischen Umma an, so wie Arier zur arischen Rasse

angehšren? Oder ist ein Muslim nur deshalb ein Muslim, weil er in einem muslimischen

Land geboren ist, so wie ein Japaner, nur weil er in Japan das Licht der Welt erblickt

hat?

Sicherlich werdet ihr dies verneinen. Man wird nicht dadurch wirklich zum Muslim, weil

man einfach als Muslim geboren ist. Muslim ist man nicht deshalb, weil man einer

bestimmten Rasse angehšrt, sondern nur deswegen, weil man den Islam befolgt.

Verleugnet der Mensch den Islam, so hšrt er auf, Muslim zu sein. Jeder, ganz gleich ob

Brahmane oder Radschpute, Deutscher oder Japaner, wei§ oder schwarz, wird durch

die Annahme des Islam ein vollwertiges Mitglied der muslimischen Gemeinschaft,

wŠhrend jemand, der in einem muslimischen Elternhaus aufgewachsen ist, aus dem

Islam ausgeschlossen wird, wenn er aufhšrt, sich danach zu richten - auch dann, wenn

es sich um einen Nachkommen des Propheten, einen Araber oder einen TŸrken

handelt.

So in etwa werdet ihr auf meine Frage antworten. Dies zeigt, da§ das grš§te Geschenk

Allahs, dessen ihr euch erfreut, die Tatsache darstellt, da§ ihr Muslime seid; und da§

dies nicht etwas ist, das ihr automatisch von euren Eltern erbt und worauf ihr euer

ganzes Leben hindurch ein Anrecht habt, und zwar ungeachtet eurer Ansichten und

eures Verhaltens. Es ist ein Geschenk, fŸr das ihr euch stŠndig verdient machen mŸ§t,

wenn ihr es behalten wollt Wenn ihr euch dem Geschenk gegenŸber gleichgŸltig

verhaltet, wird es euch entzogen werden, was Gott verhindern mšge.

Kein reines Lippenbekenntnis

Ihr stimmt zu, da§ man nur durch die Annahme des Islam Muslim wird. Was aber

bedeutet diese Annahme? Bedeutet es, da§ jeder ein echter Muslim wird, der

die folgenden Worte verkŸndet:

"Ich bin Muslim" oder "Ich habe den Islam angenommen"? Oder bedeutet es, da§,

genauso wie ein Brahmane, der einige Worte in Sanskrit rezitiert, ohne sie zu verstehen,

Brahmane wird, jemand Muslim wird, indem er einige arabische SŠtze ausspricht, ohne

ihre Bedeutung zu kennen? Was werdet ihr hierauf antworten? Ihr kšnnt nur antworten,

da§ die Annahme des Islam bedeutet, da§ ein Muslim willentlich und bewu§t das

annimmt, was der Prophet Muhammad (s) lehrte, und entsprechend diesen Lehren

handelt. Wer dies nicht tut, ist kein Muslim im eigentlichen Sinne.

 

Kein Islam ohne Wissen

Der Islam besteht demnach erstens aus Wissen und zweitens aus dem Umsetzen

dieses Wissen in die Praxis. Ein Mensch kann wei§e Hautfarbe haben, ohne Wissen zu

besitzen. Nur wird er, weil er wei§ ist, auch wei§ bleiben. Genauso wird ein Deutscher

nur aufgrund seiner Geburt ein solcher bleiben, auch wenn er kein Wissen davon

besitzt. Niemand aber kann wahrhaftig Muslim werden, ohne die Bedeutung des Islam

zu kennen, denn er wird nicht durch Geburt Muslim, sondern durch Wissen. Wie kann

man dann an den Propheten (s) glauben und entsprechend seinen Vorschriften

handeln, bevor man nicht seine unerlŠ§lichen und grundlegenden Lehren erfahren hat?

Wie kann man dann ein wahrer Muslim werden, wenn man aber nicht mit all seinen

KrŠften bewu§t und willentlich an den Propheten (s) glaubt?

Es ist unmšglich, Muslim zu werden und es zu bleiben, wenn man sich in einem Zustand

der Unwissenheit befindet. Es reicht nicht, in einem muslimischen Haus geboren zu

sein, einen muslimischen Namen zu tragen, sich wie ein Muslim zu kleiden und sich

selbst Muslim zu nennen. Wahre Muslime wissen, wofŸr der Islam steht, und glauben an

ihn in vollem Bewu§tsein.

Der eigentliche Unterschied zwischen einem Kafir (der Gottes Rechtleitung verleugnet

und Ihm gegenŸber undankbar ist) und einem Muslim ist nicht sein Name, ob er

Schmidt, Kam Lal oder Abdullah hei§t. Niemand ist Ka§r oder Muslim wegen seines

Namens oder deswegen, weil er eine Krawatte bzw. einen Turban trŠgt. Der eigentliche

Unterschied zwischen beiden liegt im Wissen. Ein Ka§r versteht nicht die Beziehung

Gottes zu ihm selbst und die Beziehung, die er zu Gott hat. Da er nicht den Willen

Gottes kennt, ist er sich des rechten Weges, den er in seinem Leben zu befolgen hat,

nicht bewu§t. Wenn ein Muslim ebenso ohne Kenntnis von Gottes Willen aufwŠchst,

welchen Grund gibt es dann, ihn weiterhin Muslim und nicht Ka§r zu nennen?

Gefahren von Unwissenheit

Achtet nun genau auf den folgenden Punkt: Es ist unerlŠ§lich zu verstehen, da§ es

hauptsŠchlich vom Wissen abhŠngt, ob ihr das grš§te Geschenk Allahs, fŸr das ihr so

Ÿberaus dankbar seid. behaltet oder es verwirkt. Ohne Wissen kšnnt ihr Sein Geschenk,

den Islam, nicht wirklich erhalten. Ist euer Wissen so gering, da§ ihr nur einen kleinen

Teil dieses Geschenks erhalten habt, so lauft ihr Gefahr, auch diesen zu verlieren. Dies

geschieht, wenn ihr euch nicht andauernd gegen Unwissenheit zur Wehr setzt.

Eine Person, die sich des Unterschieds zwischen Islam und Kufr (Leugnen der

Rechtleitung Gottes und Undankbarkeit) und der Unvereinbarkeit von Islam und Schirk

(Mitgštterei) nicht bewu§t ist, Šhnelt einer Person, die in vollstŠndiger Dunkelheit einen

schmalen Pfad entlang lŠuft. Sehr wahrscheinlich werden seine Schritte abkommen

oder ihn auf einen anderen Pfad fŸhren, ohne da§ er sich bewu§t wird, was passiert.

Vielleicht wird er sich durch die wohlklingenden Worte des Teufels tŠuschen lassen, der

ihm zuflŸstert: "Du hast deinen Weg in der Dunkelheit verloren, komm und la§ mich dich

an dein Ziel geleiten." Der arme Wanderer, der mit seinen eigenen Augen den richtigen

11

Weg nicht erkennen kann, wird nach der Hand des Teufels greifen und irregeleitet

werden. Er ist diesen Gefahren ausgesetzt, da er selbst kein Licht besitzt und

daher unfŠhig ist, die Wegemarkierungen zu erkennen. WŸrde er Ÿber Licht verfŸgen, so

wŸrde er weder von seinem Wege abkommen, noch von anderen irregeleitet werden.

Dieses Beispiel zeigt, da§ die grš§te Gefahr fŸr euch in der Unkenntnis der islamischen

Lehre und dessen, was der Koran lehrt, und was der Prophet (s) an Rechtleitung

hinterlassen hat, liegt. Seid ihr aber mit dem Licht des Wissens gesegnet, so werdet ihr

in der Lage sein, den klaren Weg des Islam bei jedem Schritt in eurem Leben deutlich

zu erkennen. Ihr werdet ebenso imstande sein, die lŸgnerischen Pfade des Kufr, Schirk

und der Unmoral, die euren Weg kreuzen, auszumachen und euch davon fernhalten.

Wann immer ihr auf eurem Weg auf einen falschen FŸhrer sto§t, werden euch ein paar

Worte mit ihm zeigen, wie es um ihn steht.

Der Erwerb von Wissen

Von diesem Wissen, dessen Notwendigkeit ich noch einmal betone, hŠngt es ab, ob ihr

und eure Kinder Muslime seid und Muslime bleibt. Es handelt sich also nicht um eine

gewšhnliche Sache, die vernachlŠssigt werden kšnnte. Ihr seid ja auch nicht nachlŠssig

beim Bestellen eurer Felder, beim BewŠssern und Pflegen eures Anbaus. Ihr versorgt

euer Vieh mit Futter oder kŸmmert euch um euren Beruf oder Handel. Denn ihr wi§t,

da§ ihr ansonsten verhungern und euer kostbares Leben verlieren wŸrdet. Warum

solltet ihr euch also nicht um Wissenserwerb bemŸhen, von dem es abhŠngt, ob ihr

Muslime werdet und bleibt? FŸhrt eine solche NachlŠssigkeit nicht dazu, ein weitaus

wertvolleres Geschenk, euren Iman (Glauben) zu verlieren?

Ist der Iman nicht teurer als das Leben selbst? Eure meiste Zeit und Arbeit verwendet ihr

fŸr Dinge, die euer kšrperliches Dasein in diesem Leben bewahren. Warum also

verwendet ihr nicht ein Zehntel eurer Zeit und Energie fŸr Dinge, die euren Iman

schŸtzen? Es ist doch der Iman, der allein euer Dasein in diesem und dem nŠchsten

Leben gewŠhrleisten kann.

Ich sage nicht, da§ jeder von euch ein Gelehrter werden soll, der BŠnde von BŸchern

verschlingt, und da§ jeder einen gro§en Teil seines Lebens dem Studium widmen soll.

Es ist nicht notwendig, Ÿberaus viel zu lesen, um ein Muslim zu werden. Jeder von euch

aber sollte tŠglich ungefŠhr eine Stunde aufwenden, um Wissen Ÿber den Islam, seine

Religion und seinen Lebensweg zu erlangen.

Jeder von euch, ob jung oder alt, Mann oder Frau, sollte sich zumindest so viel Wissen

aneignen, da§ er in der Lage ist, das Wesentliche der Lehren des Koran und den Zweck

seiner Herabsendung, zu verstehen. Ebenso m٤t ihr die Botschaft des Propheten (s),

zu dessen ErfŸllung er auf die Welt kam, begreifen und die korrupte Ordnung erkennen,

deren Zerstšrung ihm oblag. Au§erdem sollt ihr euch mit der Lebensweise vertraut

machen, die Allah den Muslimen angeordnet hat.

Es erfordert nicht viel Zeit, dieses einfache Wissen zu erlangen. Wenn ihr den Wert des

Iman wirklich schŠtzt, sollte es nicht schwierig sein, eine Stunde pro Tag dafŸr

aufzubringen.

 

2. Zwischen Islam und Kufr

Muslime und Kuffar

Geschwister im Islam, jeder Muslim glaubt - auch ihr seid sicherlich davon Ÿberzeugt -

da§ Muslime und Kuffar sich voneinander unterscheiden. Jeder glaubt, da§ Gott die

Muslime, nicht aber die Kuffar liebt, und da§ den Muslimen im Gegensatz zu den Kuffar

verziehen wird. So seid ihr Ÿberzeugt, da§ der Muslim in das Paradies (Dschanna)

gelangen, ein Ka§r aber in die Hšlle (Dschahannam) geworfen wird. Ich mšchte nun,

da§ ihr darŸber nachdenkt, warum es einen so gro§en Unterschied zwischen Muslimen

und Kuffar geben soll.

Ein Ka§r ist genauso ein Nachkomme von Adam und Eva, wie ihr es seid. Er ist ein

menschliches Wesen wie ihr. Er besitzt HŠnde, FŸ§e, Augen und Ohren wie ihr, atmet

die gleiche Luft, trinkt das gleiche Wasser und bewohnt das gleiche Land wie ihr. Der

Gott, der euch erschaffen hat, hat auch ihn erschaffen. Warum sollte dann sein Rang

niedriger sein als eurer? Warum solltet ihr ins Paradies gelangen und er in die Hšlle

kommen?

†berlegt gut! Ein solch gewaltiger Unterschied kann nicht auf der Tatsache beruhen,

da§ ihr Abdullah und Abdur- Rahman und sie Kartar Singh, Schmidt und MŸller genannt

werden. Oder, da§ ihr beschnitten seid und sie nicht, da§ ihr Rindfleisch e§t und sie (z.

B. die Hindus) es vermeiden oder da§ sie Schweinefleisch essen und ihr nicht. Allah,

der alle Menschen erschaffen hat und ihr Erhalter ist, kann nicht so ungerecht sein, und

nach so kleinlichen Gesichtspunkten urteilen, wen von seinen Geschšpfen Er ins

Paradies und wen Er in die Hšlle schickt.

Wo also liegt der wahre Unterschied zwischen Muslimen und Kuffar? Islam bedeutet

Unterwerfung unter Gott, Kufr bedeutet Verleugnung und Ungehorsam gegenŸber Gott.

Der Muslim und der Ka§r sind beide Menschen, und beide sind Geschšpfe Gottes. Aber

den einen hat Er erhšht, und dieser hat sich Verdienste erworben.

 

Wissen und Taten

Hieraus wird ersichtlich, da§ es zwei Dinge sind, die Muslime und UnglŠubige

unterscheiden: Wissen und Taten. Das hei§t, da§ man erst wissen mu§, wer der Herr

ist, wie Seine Befehle lauten, wie man dessen WŸnschen zu folgen hat, und welche

Taten Ihm gefallen und welche nicht. Wenn einem diese Dinge klar sind, gibt man sich

im zweiten Schritt seinem Herrn hin, indem man seine eigenen WŸnsche zugunsten

dessen, was Er wŸnscht, zurŸckstellt.

Wenn euer Herz eine bestimmte Tat zu tun wŸnscht, und die Befehle eures Herrn

dagegen stehen, m٤t ihr dem Wunsch eures Herrn folgen.

Wenn euch etwas gut erscheint, von dem aber Gott sagt, da§ es schlecht ist, mŸ§t ihr

dies so annehmen, wie es euer Herr sagt. Genauso, wenn euch etwas schlecht

vorkommt, m٤t ihr es als gut betrachten, wenn Gott das von euch will. Wenn ihr meint,

eine bestimmte Handlung sei gefŠhrlich und schŠdlich fŸr euch, aber euer Herr befiehlt

sie euch an, dann mŸ§t ihr sie ausfŸhren, auch wenn es euer Leben oder Eigentum

kosten sollte. Im Gegensatz dazu mŸ§t ihr euch aller TŠtigkeiten enthalten, die Gott

verbietet, auch wenn ihr euch davon einen Nutzen, der euch alle SchŠtze der Welt

einbringen wŸrde, verspricht.

Dies ist das Wissen und Verhalten, durch das die Muslime treue Diener Allahs werden,

denen Er seine Barmherzigkeit zuteil werden lŠ§t und die Er mit Ehre und WŸrde

belohnt. Da die Kuffar dieses Wissen nicht besitzen, werden sie als ungehorsame

Diener Gottes aufgeschrieben und Gottes Segens beraubt.

Nun sagt in aller Gerechtigkeit: Wenn ihr euch Muslime nennt, aber euch in Wahrheit

genauso unwissend und ungehorsam wie Kuffar verhaltet, seid ihr dann den letzteren

wirklich Ÿberlegen, nur weil ihr andere Namen und andere Kleidung tragt und andere

Speisen e§t? Seid ihr nur deswegen dazu berechtigt, Gottes Segen im Diesseits und im

Jenseits zu empfangen? Der Islam ist keine Klasse oder Familie, in der die Zugehšrigkeit

automatisch vom Vater auf den Sohn Ÿbertragen wird. Der Sohn eines Hohenpriesters,

der falsch handelt, wird nicht deswegen von Gott geachtet werden, nur weil er in einem

priesterlichen Haus geboren wurde. Genauso wenig wird Er bei einem Angehšrigen

einer niedrigen Kaste aufgrund dessen Geburt Ÿber seine guten Taten hinwegsehen.

AusdrŸcklich erklŠrt Gott in Seinem Buch:

"Wahrlich, der Angesehenste unter euch ist vor Allah der GottesfŸrchtigste

unter euch." (Sure 49:13)

Dies bedeutet, da§ man umso angesehener vor Gott ist, je mehr man Ÿber Ihn wei§.

und je mehr man Seinen Befehlen gehorcht. Der Prophet Abraham wurde im Haus eines

Gštzendieners geboren, aber er gelangte zu der Erkenntnis Gottes und gehorchte Ihm.

Deshalb machte Gott ihn zu einem Imam (FŸhrer) fŸr die ganze Welt. Der Sohn Noahs

wurde in die Familie eines Propheten hineingeboren, aber er verstand Gott nicht und

war Ihm gegenŸber ungehorsam. Trotz seiner hohen Herkunft bestrafte ihn Gott. Damit

wurde seine Bestrafung zu einem abschreckenden Beispiel fŸr die ganze Welt. Versteht

daher, da§ in den Augen Gottes der einzige Unterschied zwischen den Menschen in

ihrem Wissen und ihren Taten liegt. Der Segen Gottes in dieser Welt und im Jenseits ist

denen vorbehalten, die Ihn erkennen, dem rechten Weg folgen, den er ihnen zeigt, und

Seine Gebote erfŸllen. Diejenigen, die das nicht tun, sind alle gleich - ganz gleich, ob sie

Abdullah, Abdur- Rahman. Kartar Singh, Schmidt oder MŸller hei§en; sie sind Seines

Segens unwŸrdig.

Warum werden die Muslime heutzutage erniedrigt?

Geschwister! Ihr nennt euch selbst Muslime und glaubt, da§ Allah Seinen Segen den

Muslimen gibt. Aber šffnet eure Augen und seht, ob Gottes Segen tatsŠchlich auf euch

herabkommt! Ihr kšnnt zwar von euren Tod nicht wissen, was euch im Jenseits erwartet,

aber ihr kšnnt euch umschauen und eure Lege in dieser Welt betrachten.

Es gibt Hunderte von Millionen von Muslimen. Wenn jeder von euch einen einzigen

Kieselstein werfen wŸrde, entstŸnde ein Berg. Doch trotz der gro§en Zahl von Muslimen

und muslimischen Regierungen ist diese Welt in der Hand derjenigen, die sich gegen

Gott aufgelehnt haben. Ihr befindet euch in ihrer Gewalt und sie lenken euch dorthin, wo

immer sie wollen. Eure HŠupter, die sich vor niemandem au§er Allah verneigen sollten,

beugen sich nun vor anderen Menschen. Eure Ehre, die niemand anzurŸhren wagte,

wird nun mit FŸ§en getreten. Eure HŠnde, die zum Geben stets bereit waren, habt ihr

nun weit fŸr eure Feinde ausgestreckt. Unwissenheit, AnhŠngigkeit, Armut und

Verschuldung haben euch Ÿberall der Erniedrigung anheim fallen lassen.

Ist das der Segen Gottes? Wenn es das nicht ist, sondern eher sein Zorn, wie seltsam

ist es dann, dass es gerade die Muslime sind, auf die dieser Zorn herabkommt! Ihr seid

Muslime und schwelgt trotzdem in Unwissenheit! Ihr seid Muslime, aber, dennoch

Sklaven! Eine solche Situation sollte so unmšglich sein, wie es fŸr einen Gegenstand

unmšglich ist, gleichzeitig schwarz und wei§ zu sein. Wenn der Muslim von Gott geliebt

wird, wie kann er in dieser Welt in Ungnade fallen? Ist euer Gott so ungerecht (Gott

verzeihe!), dass er euch von Ungehorsamen regieren lŠsst und euch fŸr euren

Gehorsam Ihm gegenŸber bestraft, obwohl ihr eurerseits eure Pflichten erfŸllt habt?

Wenn es ein Teil eures Glaubens ist, dass Gott nicht ungerecht ist und dass der Lohn

fŸr Gehorsam gegenŸber Gott niemals Ungnade sein kann, dann mŸsst ihr zugestehen,

dass etwas nicht stimmt mit eurer Behauptung, Muslime zu sein. Auch wen ihr in euren

Ausweisen als Muslime gefŸhrt werdet, stŸtzt Allah sein Urteil nicht auf ein StŸck Papier,

Gott besitzt Seine eigene Liste, in der ihr euren Namen wieder finden mŸsst.

Gott hat euch Sein Buch gesandt, so dass ihr Ihn erkennt und lernt, Ihm zu gehorchen.

Habt ihr Jemals versucht, herauszufinden, was in diesem Buch steht? Allah hat Seinen

Propheten (s) zu euch geschickt, um euch zu lehren, wie ihr Muslime werdet. Habt ihr

jemals versucht, herauszufinden, was Sein Prophet (s) gelehrt hat? Gott hat euch genau

aufgezeigt, welches Verhalten den Menschen im Diesseits und jenseits erniedrigt.

Vermeidet ihr dieses Verhalten? Was wollt ihr auf diese Fragen antworten? Wenn ihr

zugebt, dass ihr weder Anstalten gemacht habt, Wissen aus Gottes Buch und dem

Leben Seines Propheten (s) zu erlangen, noch dem Weg gefolgt seid, den er euch

vorgelebt hat, wie kšnnt ihr dann behaupten, Muslime zu sein und Seinen Lohn zu

verdienen? Der Lohn, den ihr zu erwarten habt, ist unmittelbar davon abhŠngig, wie gut

ihr den Islam lebt. Und euer Zustand im Jenseits wird auf dieser Grundlage entschieden

werden.

Wie wir gesehen haben, ist der einzige Unterschied zwischen einem Muslim und einem

Kafir im Wissen und den Taten begrŸndet. Wenn sich jemand Muslim nennt, sein Wissen

und seine Taten aber denen eines Kafir Šhneln, macht er sich eindeutiger Heuchelei

schuldig. Ein Kafir liest nicht den Koran und wei§ auch nicht, was darin geschrieben

steht. Wenn sogenannte Muslime genauso unwissend sind, warum sollen sie dann

Muslime genannt werden? Ein Kafir kennt nicht die Lehren des Propheten Muhammad

(s) und den geraden Weg, den er uns gezeigt hat, um Gott nŠher zu kommen. Wenn ein

Muslim diese ebenfalls nicht kennt, wie kann er dann ein Muslim sein? Ein Kafir folgt

seinen eigenen WŸnschen anstatt den Geboten Gottes. Wenn ein Muslim ebenso stur

und ungezŸgelt wie ein Kafir ist, seine eigenen Ideen und Meinungen zum Ma§ erhebt,

gleichgŸltig gegenŸber Gott und ein Sklave seiner eigenen GelŸste ist, welches Recht

hat er dann, sich Muslim zu nennen? Kuffar unterscheiden nicht zwischen Halal (von

Gott erlaubtem) und Haram (Verbotenem) und machen von allem Gebrauch, was ihnen

gŸnstig erscheint. Wenn Muslime sich genauso wie Nichtmuslime verhalten, welcher

Unterschied besteht dann noch zwischen beiden?

Einfach ausgedrŸckt: wenn ein Muslim genauso wenig vom Islam versteht wie ein Kafir,

und alles das tut, was auch ein Kafir macht, warum sollte er dann diesem Ÿberlegen

sein? Warum sollte sein Schicksal nicht das gleiche sein? Wir alle mŸssen Ÿber diese

Frage ernsthaft nachdenken.

Liebe Geschwister! Glaubt unter keinen UmstŠnden, da§ ich versuche, Muslime zu

UnglŠubigen zu erklŠren; dies ist keineswegs mein Ziel. Ich frage mich und bitte jeden

von euch, sein Innerstes zu befragen, warum uns Gottes Segen vorenthalten wird.

Warum bricht von allen Seiten Unheil Ÿber uns herein? Warum sind wir uneins und

vergie§en gegenseitig unser Blut? Warum beherrschen uns Ÿberall die, welche wir

Kuffar nennen, und die ungehorsamen Diener Gottes? Warum werden wir, die wir uns

selbst als Seine gehorsamen Diener bezeichnen, in so vielen Gebieten der Erde

unterjocht?

Je mehr ich Ÿber den Grund fŸr diese Situation nachdenke, desto mehr bin ich davon

Ÿberzeugt, da§ der einzige Unterschied, der zwischen uns und den UnglŠubigen

geblieben ist, der blo§e Name ist. Ansonsten stehen wir ihnen in nichts nach, weder in

der VernachlŠssigung Gottes, noch im Mangel an Gottesfurcht, noch in unserem

Ungehorsam. Ein kleiner Unterschied ist natŸrlich noch geblieben: wir wissen, da§ der

Koran das Buch Gottes ist, die Kuffar nicht. Trotzdem behandeln wir den Koran wie sie.

Wir verdienen so aber noch mehr die Strafe Gottes. Wir wissen, da§ Muhammad (s) der

Prophet Allahs ist, aber wir verweigern ihm wie ein UnglŠubiger die Gefolgschaft. Wir

wissen, da§ Gott die LŸgner verflucht hat, da§ Er all denen die Hšlle als Heimstatt

angedroht hat, die Bestechungsgelder nehmen und geben, da§ Er diejenigen als die

schlimmsten SŸnder bezeichnet hat, die fŸr Zinsen verleihen und Zinsen annehmen.

Uns ist bekannt, da§ Er den Verleumder als jemanden ansieht, der das "Fleisch seines

Bruders i§t", da§ er UnanstŠndigkeit, Pornographie und Ausschweifung schrecklich

bestrafen wird. Aber obwohl wir all dies wissen, gehen wir diesen Lastern genauso

nach, als ob wir Ÿberhaupt keine Furcht vor Gottes Mi§gunst hŠtten.

Aus diesem Grunde werden wir nicht belohnt. Wir sind nur dem Schein nach Muslime.

Die Tatsache, da§ diejenigen, die Gottes Herrschaft ablehnen, uns regieren und uns bei

jeder Gelegenheit der Erniedrigung preisgeben, zeigt, da§ wir bestraft werden, weil wir

Gottes grš§tes Geschenk, den Islam, zurŸckweisen.

Liebe Geschwister! Was ich gesagt habe, ist nicht als Besserwisserei und RŸge

gemeint. Ich will nicht Ÿber euch richten. Meine Absicht ist vielmehr, in euch den

Wunsch zu wecken, den abhanden gekommenen Schatz in euch wieder zu entdecken.

Dieser Wunsch kann nur dann entstehen, wenn der Mensch wahrnimmt, was er verloren

hat, und wie wertvoll es war. Ich habe nur deswegen strenge und harte Worte gewŠhlt,

um euch aufzurŸtteln und euch zum Nachdenken zu bewegen.

Drang nach Wissen

Um ein wahrer Muslim zu werden, ist es, wie gesagt, die wichtigste Voraussetzung,

Wissen Ÿber den Islam zu erwerben. Jeder Muslim sollte in der Lehre des Koran

bewandert sein, die Wege, denen der Prophet (s) gefolgt ist, kennen, wissen, wofŸr der

Islam steht, und was den Islam wirklich vom Unglauben unterscheidet. Niemand kann

ohne dieses Wissen Muslim sein. Aber wie schade, da§ ihr nicht eifrig genug seid,

dieses Wissen zu erwerben! Dies zeigt, da§ ihr noch nicht wahrgenommen habt, welch

gro§er Segen euch verloren gegangen ist.

Geschwister! Eine Mutter gibt ihrem Kind erst dann Milch, wenn es schreit und danach

verlangt. Wenn ein Mann durstig ist und nach Wasser sucht, wird Gott es ihm bringen.

Solange ihr keinen Durst verspŸrt, ist es zwecklos, da§ ihr neben einer sprudelnden

Quelle steht. Ihr mŸ§t erst verstehen, welchen gro§en Verlust ihr erleidet, falls ihr weiterhin unwissend Ÿber eure Religion verbleibt. Ihr besitzt das Buch Gottes, aber wi§t nicht, was darin steht. Weder kennt ihr die Bedeutung des Glaubensbekenntnisses [Kalima], "La ilaha illa-llah, Muhammadun rasulu'llah" (Es gibt keinen Gott au§er Allah und Muhammad ist der Gesandte Gottes; s.S. 25), durch das ihr in den Islam eintretet, noch wi§t ihr, welche Verantwortung auf

euch zukommt, nachdem ihr die Kalima gesagt habt. Kann es einen grš§eren Verlust fŸr

einen Muslim geben als dies?

Ihr wi§t. welchen Verlust das Verbrennen der Ernte bedeutet, wie ihr leidet, wenn ihr

euren Lebensunterhalt nicht verdienen kšnnt oder wenn ihr euer Eigentum verliert. Aber

ihr wi§t nicht, welchen Verlust es bedeutet, den Islam nicht zu kennen. Wenn ihr nur das

Ausma§ dieses Verlusts wahrnehmt, werdet ihr von selbst kommen und fragen, wie ihr

euch davor retten kšnnt. Wenn ihr selbst diesen Wunsch Šu§ert, werdet ihr mit Allahs

Hilfe dieses grš§te Geschenk wieder zurŸckerhalten.

 

3. Wie die Muslime den Koran behandeln

Die Muslime sind heutzutage das einzige Volk, das in der glŸcklichen Lage ist, das Wort

Gottes in seiner ursprŸnglichen Form zu besitzen, und zwar frei von allen

VerfŠlschungen und in genau demselben Wortlaut, in dem es dem Propheten (s)

offenbart worden ist.

Aber genau diese Muslime leiden darunter, da§ ihnen die unzŠhligen Segnungen und

Vorteile vorenthalten sind, wobei doch das Wort Gottes denen die Segnungen geben

m٤te, die daran glauben. Der Koran wurde ihnen gesandt, damit sie ihn lesen,

verstehen, danach handeln und mit seiner Hilfe die Gottesherrschaft auf der Erde

errichten. Der Koran ist gekommen, um ihnen WŸrde und Macht zu gewŠhren. Er ist

gekommen, um sie zu wahren Statthaltern Gottes auf Erden zu machen. Die Geschichte

bezeugt, da§ immer, wenn die Muslime entsprechend der FŸhrung des Koran

handelten, sie die FŸhrung dieser Welt erhielten.

 

Mi§brauch und Mangel an Ehrerbietung

Aber in diesen Tagen beschrŠnkt sich der Nutzen des Koran fŸr viele Muslime darauf,

da§ er in den HŠusern aufbewahrt wird, um DŠmonen und Geister zu vertreiben. Man

schreibt seine Verse auf Amulette, die um den Hals getragen werden, wŠscht sie mit

Wasser, um dieses zu trinken oder trŠgt seinen Inhalt ohne VerstŠndnis vor, um dadurch

Gottes Belohnung zu erhalten. Man sucht darin keine Leitung fŸr sein Leben mehr. Man

zieht ihn nicht zu Rate, um daraus Glaube, Moral und Verhalten zu lernen oder zu

erfahren, wie geschŠftliche Abwicklungen durchzufŸhren sind. Man versucht auch nicht

zu verstehen, welche Ma§stŠbe beim Umgang mit Freund und Feind beachtet werden

mŸssen und welche Rechte unsere Mitmenschen oder wir selbst haben. Man wendet

sich nicht an den Koran, um zu lernen, was wahr und falsch ist, wem man gehorchen

und wem man den Gehorsam verweigern mu§, mit wem man in Freundschaft oder

Feindschaft stehen sollen und wo man Ehre, Wohlergehen und Nutzen bzw. Schande,

Mi§erfolg und Verlust erreicht.

Wir Muslime haben es aufgegeben, Antworten auf diese wichtigen Fragen im Koran zu

suchen. Stattdessen fragen wir UnglŠubige, diejenige, die Allah Gštter zur Seite stellen,

irregeleitete und selbstsŸchtige Menschen oder unser eigenes Ego oder unsere GefŸhle

danach und folgen ihren RatschlŠgen. Was unausweichlich dem droht, der Allah ablehnt

und den Empfehlungen anderer folgt, ist auch uns zugesto§en. Wir ernten nur, was wir

Ÿberall in der Welt gesŠt haben - in PalŠstina, im Nahen Osten, Pakistan, Indonesien

und vielen anderen Orten.

Der Koran ist die Quelle alles Guten. Er wird uns so viel geben, wie wir von ihm

verlangen. Wenn man in ihm so einfache und unsinnige Dinge wie das Austreiben von

Dschinn und Geistern, Heilung von Husten und Fieber, Erfolg bei einer

Gerichtsverhandlung oder Sicherung des Arbeitsplatzes sucht, so wird man dies

vielleicht finden, aber nur dies und nichts anderes. Wenn man die Herrschaft Ÿber die

Welt anstrebt, wird man vielleicht auch das finden. Wenn man sich bemŸht, in die NŠhe

von Gottes Thron zu kommen, wird der Koran einen auch dorthin bringen. Wenn ihr nur

ein paar Tropfen aus dem Ozean erhaltet, tadelt nicht den Koran, sondern euch selbst,

denn der ganze Ozean erwartet den, der ihn zu nehmen versteht.

WidersprŸche

Die Scherze, die sich unsere muslimischen Geschwister mit dem Buch Allahs erlauben,

sind so albern, da§ wir jeden auslachen und ihn als VerrŸckten betrachten wŸrden, der

so etwas in irgendeinem anderen Bereich des Lebens machen wŸrde.

Was wŸrdet ihr Ÿber jemanden sagen, der ein vom Arzt ausgestelltes Rezept in ein

StŸck Stoff einwickelt und es sich um den Hals hŠngt oder es auswŠscht, um das

Wasser davon zu trinken? WŸrdet ihr nicht Ÿber ihn lachen und ihn einen VerrŸckten

nennen? Aber wenn das unvergleichliche Rezept, das von dem, der besser als alle

€rzte zu heilen versteht, als Medikament fŸr sŠmtliche Leiden gesandt wurde, so

behandelt wird, lacht niemand! Keiner versucht

zu verstehen, da§ ein Rezept nicht etwas ist, das man sich um den Hals hŠngt oder in

Wasser tunkt, um seine Tinte zu trinken.

Was wŸrdet ihr Ÿber einen Kranken sagen, der, ohne es zu verstehen, ein Lehrbuch der

Medizin liest im Glauben, da§ er so seine Krankheit heilen kšnnte? WŠre das nicht

absurd? Doch so gehen wir mit dem Buch um, das uns der Beste der Heilkundigen zur

Heilung aller unserer Krankheiten gesandt hat. Wir meinen, da§ durch das blo§e

†berfliegen seiner Seiten alle unsere Leiden verschwinden, ohne da§ es nštig sei, den

darin vorgegebenen Anweisungen zu folgen oder sich der Dinge zu enthalten, die darin

als schŠdlich bezeichnet werden. Sind wir nicht in der gleichen Lage, wie der Mensch,

der sich einbildet, durch blo§es Lesen seine Krankheiten zu heilen?

Wenn ihr einen GeschŠftsbrief in einer euch unbekannten Sprache bekommt, geht ihr zu

jemandem, der diese Sprache kennt, um herauszufinden, was darin steht. Ihr seid

unruhig und seid nicht eher zufrieden, bis ihr den Inhalt erfahren habt, auch wenn es

sich nur um einen armseligen weltlichen Gewinn handelt. Aber den Brief des Herrn der

Welten, der euch alle Wohltaten des Diesseits und des Jenseits zu bringen vermag,

schiebt ihr achtlos beiseite. Es macht euch Ÿberhaupt nichts aus, da§ sein Inhalt euch

verborgen bleibt. Ist das nicht erstaunlich?

Ich erzŠhle euch diese Dinge nicht zur Belustigung. Denkt etwas darŸber nach, und euer

Herz wird euch sagen, da§ das grš§tmšgliche Unrecht dieser Welt dem Buch Allahs

angetan wird. Es ist Ironie des Schicksals, da§ diejenigen, die sich dieses Unrecht zu

Schulden kommen lassen, die sind, die vorgeben, an dieses Buch zu glauben und bereit

zu sein, ihr Leben dafŸr zu opfern. Zweifelsohne glauben sie daran und lieben es mehr

als ihr Leben, aber das Traurige daran ist, da§ gerade sie es sind, die es mehr als alle

anderen auf diese ungebŸhrliche Weise behandeln. Die Schlu§folgerungen, die daraus

abgeleitet werden kšnnen, liegen auf der Hand.

Die Folgen

Versteht, da§ Allahs Worte nicht gekommen sind, um UnglŸck. Elend und Leid zu

bringen:

'Nicht haben wir den Koran darum hinabgesandt, da§ du leiden sollst. (Sure

20:2)

Der Koran ist vielmehr die Quelle von GlŸck und Erfolg. Es ist unmšglich, da§ ein Volk

Gottes Wort besitzt und trotzdem in Elend und Schande vor sich hin lebt, unter

Bevormundung steht, getreten und umhergesto§en wird, das Joch der Sklaverei auf

seinem Nacken trŠgt und wie ein Tier an der Nase gefŸhrt wird. Ein Volk wird von

diesem Schicksal nur getroffen, wenn es Gottes Wort Unrecht tut.

Betrachtet das Schicksal der Kinder Israel, denen Thora und Evangelium gesandt

wurden. Der Koran sagt Ÿber sie:

Und hŠtten sie die Thora befolgt und das Evangelium und was nun zu ihnen

hinabgesandt wurde von ihrem Herrn, sie wŸrden sicherlich von den guten

Dingen Ÿber ihnen und unter ihren FŸ§en essen. (Sure 5:66)

Aber sie verhielten sich falsch gegenŸber den BŸchern Gottes und mu§ten die Folgen

tragen:

Und sie wurden mit Schande und Elend geschlagen, und sie luden Allahs

Zorn aufsich; dies, weil sie die Zeichen Allahs verwarfen und die Propheten

zu Unrecht tšteten. Das war, weil sie widerspenstig waren und frevelten.

(Sure 2:61)

Wenn ein Volk Gottes Buch besitzt und dennoch gedemŸtigt und unterjocht wird, dann

versichere ich euch, geschieht dies nur, weil es Allahs Wort gegenŸber Unrecht tat und

deswegen bestraft wird. Der einzige Weg, sich vor Allahs Zorn zu retten, ist, dieses

Unrecht aufzugeben und sich zu bemŸhen. Allahs Buch seinen wirklichen Wert

zukommen zu lassen. Bevor ihr dies nicht tut, wird sich eure Lage nicht Šndern - auch

dann nicht, wenn ihr in jedem Dorf Schulen eršffnet, all euere Kinder die UniversitŠt

abschlie§en und ihr Millionen, die ihr auf zweifelhafte Weise erworben habt, anhŠuft.

Kein Islam ohne den Koran

Geschwister, zwei wichtige Dinge mu§ der Muslim wissen, um dem Buch Gottes

Gerechtigkeit widerfahren zu lassen: wer ist ein wahrer Muslim, und was bedeutet es,

Muslim zu sein?

Ein Mensch, der weder die Bedeutung von Menschlichkeit noch den Unterschied

zwischen Mensch und Tier kennt, wird sich zwangslŠufig so verhalten, wie es eines

Menschen unwŸrdig ist und dem menschlichen Leben keine Bedeutung beimessen.

genauso wird sich jemand, der nicht die wahre Bedeutung davon kennt, was es hei§t,

Muslim zu sein, und nicht wei§, wie sich ein Muslim von einem Nichtmuslim

unterscheidet, eben wie ein Nichtmuslim verhalten und nicht wŸrdig sein, sich Muslim zu

nennen.

Aus diesem Grund mu§ jeder, ganz gleich ob Erwachsener oder Kind, wissen, was es

bedeutet, Muslim zu sein und welche Auswirkungen dies auf sein Leben hat. Er mu§

erkennen, welche Verantwortung ihm daraus erwŠchst und welche Grenzen der Islam

gesetzt hat, durch deren Beachtung man Muslim bleibt bzw. durch deren †berschreitung

man die Gemeinschaft verlŠ§t.

Islam bedeutet Hingabe an Gott und Gehorsam Ihm gegenŸber. Islam bedeutet, sich

Gott všllig anzuvertrauen. Islam bedeutet, alle AnsprŸche auf absolute Freiheit und

UnabhŠngigkeit zugunsten von Gottes Willen aufzugeben. Islam bedeutet, sich in die

Macht und Herrschaft Gottes zu ergeben. Wenn man alle Angelegenheiten seines

Lebens Gott anvertraut, ist man Muslim, und wenn man irgendeinen Bereich

ausklammert, um ihn in den eigenen HŠnden zu halten oder ihn jemand anderem als

Gott anzuvertrauen, ist man kein Muslim.

Seine eigenen Angelegenheiten Gott zu Ÿbergeben bedeutet, die FŸhrung, die Gott

durch Seine BŸcher und Seinen Gesandten geschickt hat, vorbehaltlos anzunehmen.

Deswegen ist es notwendig, nur dem Koran und der Sunna des Propheten (s) zu folgen.

Muslime folgen keiner Macht au§er Allah - weder ihrem eigenen Verstand noch ihren

Sitten und GebrŠuchen. Sie suchen in jeder Angelegenheit Rechtleitung im Buch Gottes

und der Verhaltensweise Seines Propheten (s), um zu erfahren, was sie tun und lassen

sollen. Ohne Widerrede nehmen sie an, was sich daraus ableitet, und weisen alles

zurŸck, was dieser FŸhrung widerspricht. Diese všllige Hingabe an Gott macht

jemanden zum Muslim. Im Gegensatz dazu kann eine Person, die sich nicht auf Koran

und Sunna stŸtzt und der Vorgabe des eigenen Verstands und der eigenen WŸnsche

nachgibt, die blind den Sitten der Vorfahren folgt und alles, was sich in der Gesellschaft

abspielt, widerspruchslos annimmt, eigentlich nicht Muslim genannt werden. Eine solche

Person kŸmmert sich nicht im Geringsten darum, was Koran und Sunna zu seinem

Verhalten sagen, oder weist diese zurŸck, indem sie sagt: "Sie sprechen meinen

Verstand nicht an" oder "Dies widerspricht den GebrŠuchen unserer Vorfahren" oder

"Die Zeiten Šndern sich". Solche Leute sprechen nicht die Wahrheit, wenn sie sich

Muslime nennen.

Wenn ihr das Glaubensbekenntnis [Kalima] "La ilaha illa-llah, Muhammadun rasulu'llah'

sprecht, unterschreibt ihr, da§ das einzige Gesetz, das ihr anerkennt, das Gesetz Gottes

ist. Ihr nehmt an, da§ nur Gott euer Herr ist und nur Er Herrschaft Ÿber euch besitzt. Ihr

versprecht, da§ ihr nur Gott gehorchen wollt und da§ fŸr euch nur das wahr und richtig

ist, was sich im Buch Gottes und bei Seinem Gesandten befindet. Mit eurem Eintritt in

den Islam mŸ§t ihr jegliche AutoritŠt zugunsten der AutoritŠt Gottes ablehnen.

Folglich habt ihr kein Recht zu sagen: "Das ist meine Meinung, so sind die

herrschenden GebrŠuche, so ist die Familientradition, jener Gelehrte oder jene heilige

Person sagen es so." Angesichts des Wortes Gottes und der Sunna Seines Gesandten

(s) kšnnt ihr solche VorwŠnde nicht anbringen. Ihr mŸ§t alles im Lichte von Koran und

Sunna beurteilen. Nehmt an, was damit Ÿbereinstimmt, und werft das Ÿber Bord. was

ihm zuwiderlŠuft - ungeachtet der Leute, die dahinter stehen mšgen. Es ist ein

Widerspruch in sich selbst, sich einerseits Muslim zu nennen und andererseits der

eigenen Meinung, den Stršmungen der Gesellschaft oder den Worten und Handlungen

irgendeiner Person den Vorzug gegenŸber Koran und Sunna zu geben. Genauso wenig,

wie ein Blinder sagen kann, er habe Augen, oder ein Tauber, er hšre, genauso wenig

kann sich jemand Muslim nennen, der sich weigert, die Angelegenheiten seines Lebens

den Vorschriften von Koran und Sunna unterzuordnen.

Jemand, der nicht Muslim werden will, kann nicht gegen seinen Willen dazu gezwungen

werden. Jeder kann frei entscheiden, welcher Religion er angehšren will, und sich

nennen, wie er mšchte. Hat sich aber jemand erst einmal Muslim genannt, so mu§ er

genau verstehen, da§ er nur so lange Muslim bleibt, wie er sich innerhalb der Grenzen

des Islam bewegt. Diese Grenzen sind: Das Wort Gottes und die Sunna Seines

Gesandten (s) als hšchsten Ma§stab fŸr Wahrheit und Gerechtigkeit anzunehmen und

alles, was dem entgegensteht, als falsch zu betrachten. Wer innerhalb dieser Grenzen

bleibt, ist Muslim, und wer sie Ÿberschreitet, wird aus der Religion ausgeschlossen. Wer

sich selbst danach noch als Muslim betrachtet und dies verkŸndet, betrŸgt sich selbst

und seine Mitmenschen.

"Wer nicht nach dem richtet, was Gott hinabgesandt hat, das sind die

UnglŠubigen." (Sure 5:44)

 

4. Die wahre Bedeutung des Iman

Das Glaubensbekenntnis und seine Auswirkungen

Geschwister im Islam, wie ihr wi§t, wird man durch das Sprechen einiger weniger Worte,

des Glaubensbekenntnisses (Kalima), Muslim:

"La ilaha illa-llah, Muhammadun rasulu'llahÓ

(Es gibt keinen Gott au§er Allah und Muhammad ist der Gesandte Allahs).

Mit dem Sprechen dieser Worte unterzieht sich der Mensch einem gewaltigen Wandel.

Aus einem Kafir wird ein Muslim. Zuvor war er unrein, jetzt ist er rein. Er erregte Gottes

Mi§fallen und verdient nun, von Gott geliebt zu werden. Zuvor war ihm die Hšlle

bestimmt, und jetzt stehen ihm die Tore des Paradieses offen.

Auf weltlicher Ebene, im gesellschaftlichen Leben, wird die Kalima die Grundlage zur

Unterscheidung zwischen den Menschen. Diejenigen, die das Glaubensbekenntnis

sprechen, bilden eine Gemeinschaft, im Gegensatz zur Gemeinschaft derjenigen, die es

ablehnen. Wenn ein Vater die Kalima spricht und sein Sohn sich weigert, sie zu

sprechen, dann ist der Vater nicht lŠnger der gleiche Vater und der Sohn nicht mehr der

gleiche Sohn. Der Sohn wird nichts vom Eigentum des Vaters erben, und seine Mutter

und seine Schwestern mŸssen sich sogar vor ihm mit dem Hidschab bedecken. Ein

Au§enstehender aber, der die Kalima sagt und in eine muslimische Familie einheiratet,

wird mitsamt seiner Kinder erbberechtigt.

 

Die Kalima hat damit eine so starke Bedeutung, da§ sie sogar die Blutsverwandtschaft

Ÿberwindet. Sie hat sowohl die Macht, Fremde in einem Volk zu vereinen, als auch

Familienmitglieder voneinander zu trennen.

Reicht das Lippenbekenntnis?

Warum sollte die Kalima einen so gro§en Unterschied zwischen den Menschen

bewirken? Was ist das Besondere an ihr, wo sie doch nur aus ein paar Buchstaben, wie

L, A. I, M und K besteht. Verbindet man sie miteinander und spricht sie aus, haben sie

dann magische KrŠfte, einen Menschen so grundlegend zu verŠndern? Kann das blo§e

Aussprechen einiger Worte einen so gewaltigen Unterschied hervorrufen?

Geschwister! Mit ein wenig Nachdenken wird euch schnell klar, da§ das blo§e …ffnen

des Mundes und Aussprechen einiger Silben niemals einen so gro§en Eindruck haben

kann. Gštzendiener glauben ohne Zweifel daran, da§ das Vorsagen einer Formel oder

heiliger Worte Berge bewegen, die Erde spalten und Quellen aus ihr hervorsprudeln

lassen kann - und das, ohne da§ man die Bedeutung dieser Worte kennt. Der Grund ist,

da§ sie den Buchstaben ŸbernatŸrliche KrŠfte zuschreiben und glauben, da§ das blo§e

Aussprechen ausreicht, um diese KrŠfte freizusetzen.

Nicht so im Islam, wo die Wirkung von Worten in ihrer Bedeutung liegt. Wenn die Worte

nicht tief in eure Herzen eindringen und keine kraftvolle Wirkung haben, um eine

VerŠnderung in euren Gedanken, eurer Moral und euren Taten zu bewirken, dann ist ihr

blo§es Aussprechen bedeutungs- und wirkungslos.

Angenommen, ihr zittert vor KŠlte und ruft "Baumwolle, Decke, Baumwolle, Decke",

dann wird die KŠlte nicht geringer, selbst wenn ihr diese Worte die ganze Nacht

hindurch mit einer Gebetskette eine Million mal wiederholt. Die KŠlte wird nur dann

aufhšren, wenn ihr eine Steppdecke mit Baumwolle fŸllt und euch damit bedeckt.

Ebenso wird euer Durst niemals gelšscht werden, wenn ihr den ganzen Tag "Wasser,

Wasser" ruft. Wenn ihr kein Wasser sucht, um einen Schluck zu trinken, wird der Durst

nicht nachlassen. Leidet ihr unter ErkŠltung und Fieber, dann wird es euch nichts

nutzen, die Namen der HeilkrŠuter anzurufen, um die Krankheit zu behandeln. Ihr

werdet mit Gottes Willen erst genesen, wenn ihr die Medizin schluckt.

Genauso verhŠlt es sich mit der Kalima: blo§es Aussprechen von sechs oder sieben

Worten kann nicht eine so gro§e €nderung hervorrufen, um einen Kafir zum Muslim,

eine unreine Person zu einer reinen oder eine verdammte Seele zu einer geliebten zu

machen. Noch kann dadurch ein Mensch ins Paradies und nicht in die Hšlle geschickt

werden. Diese Umwandlung ist nur dann mšglich, wenn ihr die Bedeutung dieser Worte

erfa§t, eure Herzen davon durchdringen la§t und euer Leben verŠndert.

Wenn ihr diese Worte sprecht, mŸ§t ihr euch bewu§t machen, welch gro§e

Verpflichtung ihr gegenŸber Gott, unter Zeugenschaft der ganzen Welt, eingeht, und

was fŸr eine gewaltige Verantwortung euch daraus erwŠchst. Habt ihr erst einmal dies

bewu§t bekrŠftigt, so mu§ die Kalima alle eure Gedanken beeinflussen und euer

gesamtes Leben beherrschen. Keine dem Glaubensbekenntnis entgegengesetzte Idee

soll sich mehr in euer inneres Wesen festsetzen. Was immer der Kalima zuwiderlŠuft,

mŸ§t ihr als falsch betrachten. Nach ihrer BestŠtigung steht es euch nicht mehr frei, wie

den UnglŠubigen, so zu handeln, wie ihr mšchtet. Ihr mŸ§t dem folgen, was die Kalima

vorschreibt, und euch von dem fernhalten, was sie verbietet.

Wenn ihr die Kalima auf diese Weise aussprecht, und nur dann, werdet ihr wahre

Muslime werden, und nur dann wird dieser gro§e Unterschied zwischen den Menschen

entstehen, von dem ich euch berichtet habe.

Was ist nun die genaue Bedeutung der Kalima, und was gelobt man, wenn man sie

ausspricht?

Die wšrtliche Bedeutung ist einfach: ã

'Es gibt keinen Gott au§er Allah und Muhammad ist der Gesandte Allahs".

Ein Vertrag mit Allah

Das Wort "ilah" bedeutet Gott. Nur jenes Wesen kann unser Gott sein, das der Herr,

Schšpfer, ErnŠhrer und Erhalter ist, das unsere Gebete erhšrt und das allein unserer

Anbetung und unseres Gehorsams wŸrdig ist.

"La ilaha illa'llah' bedeutet zweierlei: Erstens habt ihr damit anerkannt, da§ diese Welt

weder ohne Schšpfer entstanden ist und zurŸckgewiesen, da§ es mehrere Gštter gibt.

Es existiert ein Gott, nur Er ist Gott, und niemand au§er Ihm besitzt Gšttlichkeit.

Zweitens nehmt ihr an, da§ eben dieser Gott sowohl euer Herr und Meister, als auch der

des gesamten Universums ist. Ihr selber und alles, was ihr besitzt oder was sich in

dieser Welt befindet, gehšrt allein Ihm. Er ist der Schšpfer und ErnŠhrer. Leben und Tod

stehen unter seinem Befehl. Schwierigkeiten und Trost kommen beide von Ihm. Was

auch immer man bekommt, stammt eigentlich von Ihm. Was auch immer einem

genommen wird, geschieht durch Seinen Befehl. Er allein soll gefŸrchtet werden. Allein

Ihn sollen wir bitten. Allein vor Ihm sollen wir unser Haupt beugen. Er allein verdient es,

angebetet zu werden. Wir sind allein Seine Knechte und Diener und niemand anderes

ist unser Herr und Meister. Unsere Pflicht ist es, ausschlie§lich Ihm zu gehorchen und

Seinen Befehlen nachzukommen.

Das ist der Bund, den ihr mit Allah schlie§t, wenn ihr 'La ilaha illa'llah" sagt. Damit ruft

ihr die ganze Welt zum Zeugen an.

Wenn ihr diesen Vertrag verletzt, werden eure HŠnde und eure FŸ§e, jedes HŠrchen

eures Kšrpers und jedes StŠubchen auf der Erde und im Himmel, alle, vor denen ihr

gegen den Bund mit Gott versto§en habt, vor dem Gericht Gottes gegen euch Zeugnis

ablegen. Ihr werdet euch in einem so hilflosen Zustand befinden, da§ nicht ein einziger

Zeuge euch entlasten will. Kein Anwalt und kein Verteidiger wird sich Finden, um fŸr

euch einzutreten. Vielmehr werden sich auch die AnwŠlte und Verteidiger, die vor den

Gerichten dieser Welt so oft das Recht zu ihren Gunsten beugen, sich in der gleichen

hoffnungslosen Situation wie ihr wiederfinden. Jener Gerichtshof wird euch nicht auf der

Grundlage brillanter Verteidigungsreden, Meineide oder gefŠlschter Dokumente

freisprechen. Ihr kšnnt eure Verbrechen vor der Polizei dieser Welt verstecken, aber

nicht vor Gottes Allwissenheit. Die Polizei dieser Welt mag Bestechungsgelder

kassieren, aber dort ist das nicht mšglich. Ein Zeuge dieser Welt kann falsches Zeugnis

ablegen, aber Allahs Zeugen sprechen unverbrŸchlich die Wahrheit. Die Richter dieser

Welt mšgen Ungerechtigkeiten begehen, nicht aber Allah. Und es gibt kein Entkommen

aus dem GefŠngnis, in das Allah die Schuldigen sperrt.

Es ist eine gro§e Torheit, die grš§te aller Torheiten, einen falschen Bund mit Allah

einzugehen. Bevor ihr ihn eingeht, denkt sorgfŠltig darŸber nach und erfŸllt ihn dann

gewissenhaft. Keiner zwingt euch, ein blo§es Lippenbekenntnis abzugeben; leere Worte

aber werden euch Ÿberhaupt nichts nŸtzen.

Die FŸhrung durch den Propheten (s)

Der zweite Teil des Glaubensbekenntnis lautet 'Muhammadun rasulu-llah" (Muhammad

ist der Gesandte Allahs), was bedeutet, da§ ihr Muhammad (s) als den Menschen

anerkennt, durch den Allah euch Seine Rechtleitung gesandt hat. Wenn wir Allah als

Herrn und Herrscher anerkennen, mŸssen wir Seinen Willen kennen. Welche Taten

sollen wir ausfŸhren, um Ihm zu gefallen, und von was sollen wir uns fernhalten, um

Sein Mi§fallen zu vermeiden? Welchen Geboten sollen wir folgen, um Seine Vergebung

zu erlangen und Seiner Strafe zu entgehen. Um uns all dies zu erklŠren, hat Gott

Muhammad (s) zu Seinem Gesandten bestimmt, und genau zu diesem Zweck hat er

uns Ÿber Muhammad Sein Buch gesandt.

Der Prophet (s) zeigte uns, wie wir unser Leben einzurichten haben, indem er selbst

entsprechend der Rechtleitung Gottes gelebt hat. Wenn ihr also "Muhammadun rasulullah"

sagt, dann gelobt ihr, dem Weg und dem Gesetz zu folgen, das durch ihn gebracht

wurde, und alles abzulehnen, was dem widerspricht.

Verla§t ihr aber diese vom Propheten (s) vorgefŸhrte Lebensweise, nachdem ihr das

Bekenntnis ausgesprochen habt, und folgt anderen und widersprechenden Gesetzen,

wieweit sie auch verbreitet sein mšgen, dann kann es kaum grš§ere LŸgner und

unehrlichere Personen als euch geben.

Grund ist, da§ ihr dem Islam nur dann beitretet, wenn ihr feierlich verkŸndet, da§ ihr die

Lebensweise des Propheten (s) als das einzig wahre Gesetz anerkennt und euch

aufrichtig danach richten wollt. Es ist die Grundlage dieses Bekenntnisses, auf der ihr zu

Geschwistern unter Muslimen werdet und von eurem muslimischen Vater erben dŸrft.

Fu§end auf eben dieser Grundlage dŸrft ihr eine muslimische Frau heiraten, werden

eure Kinder eure rechtmŠ§igen Nachkommen, erhaltet ihr das Recht, von Muslimen

Hilfe zu verlangen, diese bei BedŸrftigkeit um Auszahlung der Zakat zu bitten und kšnnt

ihr sie um Schutz eures Lebens, Eigentums, eurer Ehre und WŸrde angehen. Kann es

eine grš§ere Unehrlichkeit als diese geben, wenn ihr trotz all diesem euer Wort brecht?

Wenn ihr das Versprechen von 'La ilaha illa-llah, Muhammadun rasulu-llah' mit vollstem

VerstŠndnis seiner Bedeutung ablegt, dann ist es unvorstellbar, euch gegen Gottes

Gesetz aufzulehnen, obwohl es keine Polizei und kein Gericht in dieser Welt gibt, die

euch dazu zwingen kšnnten. Jedem, der denkt, es sei leicht, Gottes Gesetze zu

brechen, da Gottes Polizei, Armee, Gericht und GefŠngnis unsichtbar seien, aber

schwer, dies bei weltlichen Gesetzen gegen die offenkundige Gegenwart von Polizei,

Armee, Gericht und GefŠngnis der Regierung zu tun, wŸrde ich vorhalten, da§ sein

Bekenntnis von 'La ilaha illa-llah, Muhammadun rasulu-llahÕ unecht sei. Eine solche

Person versucht, Gott, die ganze Welt, alle Muslime und sich selbst zu tŠuschen.

Pflichten, die sich aus dem Bekenntnis ergeben

Geschwister und Freunde! Da ihr nun die Bedeutung der Kalima kennt, will ich eure

Aufmerksamkeit auf die Verpflichtungen lenken, die sich daraus herleiten.

Was bedeutet es, zu sagen, da§ Allah der Herr aller Dinge ist? Es bedeutet, da§ euer

Leben nicht euer Eigentum ist, sondern Gott gehšrt. Eure HŠnde gehšren nicht euch,

ebensowenig eure Augen, eure Ohren oder irgendein Glied eures Kšrpers. Die Erde, die

ihr pflŸgt, die Tiere, die ihr fŸr euch arbeiten la§t, der Reichtum und die GŸter, aus

denen ihr Nutzen zieht - nichts davon gehšrt euch selbst. Alles gehšrt Gott und wurde

euch als Leihgabe Ÿbertragen.

Somit habt ihr kein Recht, zu behaupten, da§ euer Leben, euer Kšrper und Reichtum

euch gehšren. WŠre es nicht unsinnig, etwas als euren Besitz auszugeben, nachdem ihr

zuvor jemand anderen als wahren EigentŸmer angenommen habt? Wenn ihr wirklich

glaubt, da§ Gott der EigentŸmer all dieser Dinge ist, dann leiten sich daraus

automatisch zwei Dinge ab:

Erstens, da Gott der wahre EigentŸmer ist und ihr nur Verwalter dieser GŸter seid, mŸ§t

ihr diese GŸter in všlliger †bereinstimmung mit Seinen Anweisungen benutzen. Handelt

ihr anders, dann mi§braucht ihr eure Treuhandschaft und versucht, Gott zu hintergehen.

Ihr habt nicht das Recht, gegen seinen Willen eure HŠnde und FŸ§e zu bewegen oder

mit euren Augen etwas anzuschauen, was ihm mi§fŠllt. Ihr dŸrft eure MŠgen mit nichts

fŸllen, das gegen Seinen Befehl steht. Ihr habt kein Recht auf LŠndereien und Eigentum

gegen den Wunsch des Herrn. Eure Frauen und Kinder, von denen ihr meint, sie seien

eurer Besitz, sind euch von eurem Herrn anvertraut worden. Deswegen m٤t ihr sie so

behandeln, wie Er es vorgeschrieben hat, und nicht wie ihr es wŸnscht. Wenn ihr Seinen

Anweisungen zuwiderhandelt, dann versucht ihr, euch unrechtmŠ§igen Besitz

anzueignen. Genauso, wie ihr Menschen als unehrlich betrachtet, die das Gut anderer

Leute vereinnahmen, trifft diese Eigenschaft auf euch zu, wenn ihr die Geschenke

Gottes als euer Eigentum betrachtet, und sie gemŠ§ euren eigenen WŸnschen oder

denen von anderen Wesen au§er Gott behandelt.

Wenn ihr einen Verlust erleidet, weil ihr entsprechend den WŸnschen eures Herrn

handelt, dann sollte es so sein. Wenn Leben verloren geht, Kšrper verletzt werden,

Familien zerbrechen, Geld und Besitz verloren gehen - warum solltet ihr euch deswegen

grŠmen? Wenn der EigentŸmer selbst den Verlust dieser Dinge bestimmt, dann ist das

sein Recht. Wenn ihr natŸrlich entgegen dem Willen des Herrn handelt und Verlust

erleidet, dann seid ihr zweifellos schuldig, da ihr Sein Eigentum zerstšrt habt. Zum

Beispiel seid ihr nicht Besitzer eures eigenen Lebens. Wenn ihr euer Leben im Einklang

mit dem Willen des Herrn lebt, dann habt ihr schlicht und einfach eure Verpflichtung Ihm

gegenŸber erfŸllt. Lebt ihr aber euer Leben entgegen Seinem Willen, so ist das ein

Verbrechen!

Zweitens: Ihr tut weder eurem Herrn noch irgendjemand anderem einen Gefallen, wenn

ihr etwas um Seinetwillen spendet, das Er euch selbst gegeben hat. Ihr mšgt alles

hergeben, einen schweren Dienst leisten oder sogar euer Leben opfern, was fŸr euch

die grš§te Sache bedeutet - und doch habt ihr ihm keinen Gefallen erwiesen. Das

€u§erste, was ihr damit getan habt, ist eure Schuld fŸr seinen Gefallen, seine Gnade

zurŸckgezahlt zu haben. WŠre eine solche Leistung Grund zu prahlen und Lob zu

erwarten? Soll der Mensch fŸr etwas gelobt werden, wenn er nur die Schuld fŸr einen

Gefallen zurŸckzahlt?

Erinnert euch daran, da§ sich ein wahrer Muslim niemals stolz fŸhlt, wenn er etwas auf

dem Wege seines Herrn geopfert oder seine Pflicht erfŸllt hat. Im Gegenteil, er bleibt

demŸtig. Prahlerei und Stolz zerstšren gute Taten. Wer Lob sucht und ein gutes Werk

tut, um Gefallen zu erregen, verliert das Recht, Lohn von Gott zu erwarten, denn er hat

die Belohnung fŸr sein Werk in dieser Welt gesucht und sie hier bereits erhalten.

 

Unser Verhalten

Geschwister, betrachtet die au§erordentliche GŸte, die euch euer Herr erwiesen hat! Er

bittet euch um Dinge, die eigentlich Ihm gehšren, und bezeichnet dies doch als einen

Handel, fŸr den er bezahlen will. Was fŸr eine schrankenlose Freigebigkeit:

Siehe, Allah hat von den GlŠubigen ihr Leben und ihr Besitz fŸr das Paradies

erkauft. (9:111)

Das ist die GŸte eures Herrn! Und wie schaut euer Verhalten aus? Ihr verkauft Dinge,

die euch von eurem Herrn gegeben wurden und die Er von euch gegen Bezahlung

zurŸckkauft, an andere. Aber was fŸr einen armseligen Preis verlangt ihr fŸr diese

wertvollen Dinge! Die KŠufer bringen euch dazu, entgegen dem Willen des Herrn zu

arbeiten. Ihr dient ihnen, als ob sie euch am Leben erhalten kšnnten. Ihr verkauft ihnen

euren Geist und euren Kšrper - alles, was diese AufsŠssigen gegen Gott von euch

kaufen wollen. Kann es eine grš§ere SchŠndlichkeit als diese geben? Eine bereits

verkaufte Sache an jemand anderen zu verschachern ist auch in dieser Welt ein

rechtliches und moralisches Verbrechen. Wer sich eines solchen Verbrechens schuldig

macht, wird vor Gericht wegen Schwindel und Betrug verklagt. Glaubt ihr. ihr kšnntet

dem Verfahren vor Gottes Gericht entgehen?

5 Warum das Glaubensbekenntnis einzigartig ist

Geschwister im Islam! La§t uns weiter die Bedeutung und die wesentlichen

Auswirkungen des Glaubensbekenntnisses, der eigentlichen Grundlage des Islam,

betrachten. Glaubt daran, und ihr tretet in den Islam ein. Begreift seinen Inhalt, richtet

euer Leben danach aus, und ihr werdet wahre Muslime werden. Ihr kšnnt weder dem

Islam beitreten noch im Islam bleiben, wenn ihr dies nicht tut.       /26/

 

Laub. Wie hat dieser

Baum eine solche Grš§e und Erhabenheit erworben? Der Grund liegt in der Natur

seines Samens, der die Anlage für einen gro§en Baum in sich trug. Diese Anlage war so

stark, da§ alle Einflüsse, die Erde, das Wasser, die Luft. die Hitze des Tages und die

Kühle der Nacht dies anerkannten und dem Baum zukommen lie§en, was er von ihnen

verlangte.

Durch die Kraft dieser Anlage entwickelte er sich zu einem gewaltigen Baum, und durch

das Tragen seiner Früchte und seinem riesigen Wuchs zeigte er, da§ er soviel Hilfe

durch das Zusammenwirken der KrŠfte von Himmel und Erde verdiente. Genau

genommen war es sogar die Pflicht der Elemente, ihm diese Hilfe zukommen zu lassen.

Denn die Kraft, die Erde, Wasser, Luft und andere Elemente besitzen den

ausschlie§lichen Zweck, BŠume dieser Art heranreifen zu lassen.

Im Gegensatz dazu gibt es wild wuchernde Pflanzen. Worin liegt ihre Kraft und StŠrke?

Ihr e Wurzeln sind so schwach, da§ sie von einem Kind herausgerissen werden kšnnen.

Sie sind so zart, da§ sie durch einen Windsto§ vergehen. Wenn ihr sie berührt, stechen

euch ihre Dornen. Sie sind schŠdlich und schmecken bitter. Gott allein wei§, wie viele

solcher Pflanzen tŠglich aus der Erde sprie§en und wieder vergehen. Warum ist es so?

28

Der Grund dafür ist, da§ ihnen nicht die Kraft und die FŠhigkeiten der Eiche

innewohnen, die ein so mŠchtiges Wachstum erlauben.

Wenn keine BŠume einer hšheren Gattung wachsen, wird der Boden, statt brach zu

liegen, von Büschen und Unkraut bedeckt. NŠhrstoffe und Energie stammen aus

Wasser und Luft, aber keines dieser Elemente sorgt sich um diese Pflanzen, wie sie es

um die Eiche tun. Aus diesem Grund erlaubt die Erde den Wurzeln der StrŠucher nicht,

sich in ihr auszubreiten, das Wasser ist nicht bereit, sie zu trŠnken, und die Luft lŠ§t die

StrŠucher nicht wirklich gedeihen. Mit dieser armseligen Versorgung wachsen Pflanzen

mit unangenehmem Geschmack, mit Dornen und giftiger Frucht heran. Dies zeigt, da§

es Himmel und Erde nicht bestimmt ist, das Wachstum solcher Pflanzen zu

unterstützen.

Denkt über dieses Gleichnis nach, und vergleicht dann das gute und das schlechte

Wort, wie es im Koran erwŠhnt ist.

Eigenschaften der Kalima Tayyiba

Die Kalima Tayyiba ist das wahrhaftige Wort, au§er dem es in dieser Welt nichts

Wahrhaftigeres gibt: "Der Herr des gesamten Universums ist Allah." Alles auf dieser

Erde und im Himmel bezeugt das. Menschen, Tiere, BŠume, Steine, Sand, die

rei§enden Flüsse, die strahlende Sonne - gibt es irgend etwas, das von jemand

anderem als Allah geschaffen wurde, das durch die Fürsorge und den Unterhalt von

jemandem au§er Allah überleben oder durch jemand anderen vernichtet werden kann?

Das gesamte Universum ist von Allah geschaffen, und sein Leben und seine

Versorgung hŠngen von Seiner Gnade ab. Allah allein ist der Herr und Herrscher. Wenn

ihr also erklŠrt, da§ Gšttlichkeit und Macht in dieser Welt niemandem als dem Einen

Gott gehšren, dann ruft alles, was sich im Himmel und auf der Erde befindet: "Du hast

die Wahrheit gesprochen. Wir alle bezeugen dies!"

Wenn ihr euch vor Gott beugt, verneigt sich ebenso alles in diesem Universum mit euch,

weil alle diese Dinge Ihm gehorchen. Wenn ihr Seinen Geboten gehorcht, dann

geschieht dies überall im Weltall. Wenn ihr Seinen Weg beschreitet, dann seid ihr nicht

allein. Die unübersehbare Armee von Himmel und Erde wird euch begleiten, von der

Sonne im Himmel bis zum winzigsten Teilchen im Staub folgt alles dem Weg, den Er

vorgeschrieben hat. Wenn ihr auf Ihn vertraut, vertraut ihr nicht etwas Unbedeutendem,

sondern der gewaltigsten Macht, dem Herrn des Universums.

Alle KrŠfte der Erde und des Himmels - so versteht ihr jetzt -unterstützen jeden, der an

die Kalima Tayyiba glaubt und sein Leben in †bereinstimmung mit ihr gestaltet. Eine

solche Person wŠchst und gedeiht wŠhrend ihres diesseitigen Lebens und entwickelt

sich im Jenseits weiter. Mi§erfolge und Niederlagen werden sie nicht einen einzigen

Augenblick erschüttern. Dies ist genau das, was Allah im oben erwŠhnten Vers gesagt

hat: Die Kalima Tayyiba ist wie ein Baum, dessen Wurzeln fest in der Erde verwurzelt

sind und dessen Zweige in den Himmel reichen und dem Befehl Gottes gemŠ§

fortwŠhrend Früchte hervorbringen.

29

Eigenschaften der Kalima Khabitha

Im Gegensatz dazu bedeutet das falsche Wort. die Kalima Khabitha, entweder, da§ es

keinen Gott gibt, oder, da§ es neben Allah noch andere Wesen gibt, die an der

gšttlichen Macht teilhaben. Denkt nach! Kann es eine lügnerischere und leerere

Behauptung als diese geben? Gibt es irgendetwas in dieser Welt, das dies bezeugt?

Der Atheist sagt, da§ es keinen Gott gibt, aber alles auf dieser Erde und im Himmel

brandmarkt ihn als Lügner, indem es sagt: "Mit uns zusammen bist auch du von Gott

erschaffen worden. von genau demselben Gott, der dir diese Zunge gegeben hat, mit

der du diese Lüge von dir gibst. Derjenige, der Vielgštterei betreibt, behauptet, da§ es

Teilhaber an der gšttlichen Macht gibt, die die Geschšpfe versorgen und die Kraft

besitzen, das Schicksal zu bestimmen, uns Wohltaten zu gewŠhren, oder die Macht

haben, uns Schaden zuzufügen. Sie kšnnten Gebete erhšren und Wünsche erfüllen und

demnach unsere Furcht und unser Vertrauen verdienen. Sie kšnnten Bestimmungen

und Gesetze erlassen, die auf Gottes Erde Gültigkeit besitzen, und denen man,

zuzüglich zu den Gesetzen Gottes, Erfüllung schulde. Doch alles auf dieser Erde und im

Himmel widerlegt diesen Anspruch als eine weit hergeholte Lüge und als etwas, das der

Wirklichkeit všllig widerspricht.

Wie kann nun jemand, der an eine so falsche Behauptung glaubt und sein Leben in

†bereinstimmung damit führt, in dieser Welt und im Jenseits Erfolg haben? Allah hat

ihm durch Seine Gnade eine Frist eingerŠumt und ihm Versorgung und ErnŠhrung

versprochen. Daher ernŠhren ihn die KrŠfte der Natur für eine Weile, aber ohne ihm ein

Recht auf diese KrŠfte einzurŠumen - genauso wie bei den StrŠuchern und dem

wildwachsenden Unkraut, von dem wir gesprochen haben.

Unterschiedliche Ergebnisse

Den gleichen Unterschied kann man an ihren Früchten ausmachen. Die Kalima Tayyiba

bringt wohlschmeckende und nützliche Früchte hervor: Sie schafft Frieden in der Welt;

Wahrheit, Gerechtigkeit und das Gute herrschen vor und die Menschen ziehen Nutzen

daraus. Aber was kann aus einer schlechten Pflanze wie der Kalima Khabitha

entstehen? Je mehr sie sich ausbreitet, desto mehr dornige und giftige Zweige schie§en

in den BlŠttern hervor. Die Früchte, die auf solchen Zweigen wachsen, werden bitter und

tšdlich sein.

 

Seht mit euren eigenen Augen, was in einer Welt geschieht, in der Kufr, Vielgštterei und

SŠkularismus vorherrschen: Der Mensch ist darauf aus, seine Mitmenschen zu

vernichten! StŠndig zettelt er Kriege an und entwickelt A- und C-Waffen. Die Všlker

werden aufgehetzt, sich gegenseitig auszurotten. Die MŠchtigen unterjochen die

Schwachen, nur um ihnen ihr Brot zu entrei§en. Die Schwachen werden durch Armee

und Polizei eingeschüchtert und mit GefŠngnis und Tod bedroht. Sie haben keine

Mšglichkeit, der Unterdrückung durch die Starken zu entfliehen.

Und wie steht es mit dem Einzelnen? Ihre Moralvorstellungen sind so

30

heruntergekommen, da§ selbst der Satan sich dessen schŠmen würde. Menschen

begehen Taten, die selbst Tiere nicht tun würden. Die Reichen saugen den Armen durch

Wucherzinsen und Ausbeutung das Blut aus und zwingen sie, für sich zu arbeiten, als

ob sie als Sklaven auf die Welt gekommen wŠren, und nur um ihnen zu dienen. Die

Würde des Menschen und seine Rechte werden mit Füssen getreten. Die Leute

wechseln ihre LebensgefŠhrten wie ihr Hemd und bedienen sich der Abtreibung, da sie

sich ihr Vergnügen nicht von Kindern verleiden lassen wollen.

Kein Wunder, da§ eine Pflanze, die diesem falschen Wort, der Kalima Khabitha,

entspringt, voller Dornen ist und bittere und giftige Früchte hervorbringt. Am Ende der

beiden Gleichnisse sagt Allah:

ãAllah stŠrkt die GlŠubigen mit dem Wort, das fest gegründet ist, in diesem Leben wie in

dem künftigen; und Allah lŠ§t die Frevler irregehen; denn Allah tut was er will.Ò (Sure

14:27)

Dies bedeutet, da§ Allah demjenigen, der an die Kalima Tayyiba glaubt. StŠrke und

Ausdauer im Diesseits und Jenseits gewŠhren wird. Genauso wird Er die

Anstrengungen derjenigen Frevler, die ihr Vertrauen in die Kalima Khabitha setzen,

zunichte machen. Sie werden niemals etwas Gutes tun, das für sie im Diesseits oder im

Jenseits Früchte hervorbringt.

Warum haben die AnhŠnger des Glaubensbekenntnisses keinen

Erfolg?

Geschwister, ihr habt die Unterschiede zwischen der Kalima Tayyiba und der Kalima

Khabitha und die Auswirkungen davon gehšrt. Sicher werdet ihr jetzt sagen: "Wir

glauben an die Kalima Tayyiba, wieso haben wir also keinen Erfolg, wŠhrend die

UnglŠubigen in einer Blütezeit leben?"

Ich werde diese Frage beantworten, aber werdet nicht ungehalten über meine Antwort,

sondern schaut in eure Herzen, um zu sehen, ob ich die Wahrheit sage.

Erstens, eure Behauptung, da§ ihr an die Kalima glaubt, ist nicht richtig. Der Glaube an

die Kalima besteht nicht darin, dies blo§ mit der Zunge von sich zu geben.

Der Glaube mu§ aus dem Herzen erwachsen, jede andere Glaubensüberzeugung, die

sich ihm entgegengestellt, zurückweisen und alle Taten, die ihm widersprechen,

verhindern.

Sagt mir meine Geschwister um Gottes willen, ob dies bei euch der Fall ist!

Herrschen nicht Hunderte unreligišser Vorstellungen und Ideen von Vielgštterei bei euch

vor - Ideen, die der Kalima Tayyiba všllig entgegenstehen? Beugen sich die HŠupter der

Muslime nicht vor anderen Dingen neben Gott? Fürchten sich die Muslime nicht vor

anderen KrŠften? Erwarten sie nicht die Hilfe anderer? Nehmen sie nicht andere als ihre

Beschützer an? Schieben sie nicht oft Gottes Gesetze beiseite, um unbesorgt den

Gesetzen anderer zu folgen? ErklŠren sie nicht bei Gericht, da§ sie nicht die Schari'a

anwenden. sondern nach Sitten und Gewohnheitsrecht urteilen wollen? Gibt es nicht

31

Menschen unter uns. die um eines erbŠrmlichen weltlichen Nutzens willen nicht zšgern,

das Gesetz Gottes zu verletzen? Gibt es nicht viele, die den Zorn der UnglŠubigen

anstatt den Zorn Gottes fürchten; und solche, die alles in Kauf nehmen, um sich die

Gunst der UnglŠubigen zu verdienen, aber nicht gewillt sind, sich Gottes Gunst zu

sichern? Kennen wir nicht genug Menschen, die die Oberherrschaft der UnglŠubigen für

wahr, die SouverŠnitŠt Gottes aber für eine erdichtete Sache halten?

Sagt mir um Gottes willen, ob dies nicht so ist!

Und wenn es so ist, was für eine Rechtfertigung habt ihr dann noch, euch darüber zu

beklagen, da§ ihr keinen Erfolg habt, obwohl ihr an die Kalima Tayyiba glaubt? Zuerst

müsst ihr aus vollem Herzen an die Kalima Tayyiba glauben und euer Leben nach deren

Erfordernissen gestalten. Wenn selbst dann euer Leben nicht wie ein Baum mit festen

und tiefen Wurzeln wird. dessen prŠchtige Zweige in den Himmel reichen, dann mšgt ihr

(Allah verzeihe mir!) euren Gott als Lügner betrachten, weil Er euch ein falsches

Versprechen gegeben hat.

Haben die Glaubensverweigerer wirklich Erfolg?

Eure Behauptung, da§ diejenigen, die an die Kalima Khabitha glauben, in dieser Welt

Erfolg hŠtten, stimmt nicht! Diese Menschen waren niemals in der Geschichte

erfolgreich, noch haben sie in unseren Tagen Erfolg. Ihr urteilt nur nach ihrem

übermŠssigen Reichtum, ihrem Luxus und der Šu§eren falschen Pracht. Aber materieller

Wohlstand stellt keinen wirklichen Erfolg dar. Wie steht es mit ihrem Inneren? Wie viele

von ihnen haben wirklichen Seelenfrieden? Sie sind mit Luxus überladen, aber ihre

Herzen Šhneln brennenden …fen, die ihnen keinen Moment Ruhe gewŠhren. Der

Ungehorsam gegenüber dem Gesetz Gottes hat ihre HŠuser in eine Hšlle verwandelt.

Die Selbstmordrate in Europa und Amerika hat ungeahnte Hšhen erreicht; genauso

steht es mit den Scheidungen. Všlkermord und Abtreibung kosten Millionen das Leben.

Alkohol und Drogen zerstšren unzŠhlige Leben. Ein furchtbarer Kampf um MŠrkte und

wirtschaftlichen Wohlstand tobt zwischen verschiedenen Klassen und Všlkern.

Eifersucht. Bosheit und Feindschaft bringen den Menschen gegen seinen Nachbarn auf.

Der Wettlauf um Besitz hat das Leben für so viele Menschen bitter werden lassen. Die

riesigen und glitzernden Gro§stŠdte unserer Zeit, die aus der Entfernung so prŠchtig

anmuten, beherbergen Millionen von Menschen, die im Elend leben. Nennt ihr das

Erfolg? Ist es das. was ihr so neidisch anstrebt?

Meine Geschwister, bedenkt, da§ das Wort Gottes niemals falsch sein kann. Es gibt

kein Wort au§er der Kalima Tayyiba, durch deren Anwendung der Mensch Zufriedenheit

im Diesseits und Glück im Jenseits erlangt. Sucht so lange ihr wollt, ihr werdet niemals

einen Fehler darin finden.

32

6. Wozu das Glaubensbekenntnis?

Warum sollen wir an die Kalima glauben? Welche Vorteile erwachsen uns daraus? La§t

uns auf diese wichtige Frage eine Antwort suchen.

Alles, was wir tun, dient einem Zweck oder hat einen Nutzen. Wir tun niemals etwas

ohne Ziel und ohne Bedarf. Wir trinken Wasser, weil es unseren Durst lšscht. Würdet ihr

nach dem Trinken merken, da§ es keinen Durst lšscht, würdet ihr es kein zweites Mal

versuchen. Warum essen wir? Nur weil wir unseren Hunger stillen und Energie zum

Leben bekommen wollen. Würde es keinen Unterschied machen, zu essen oder keine

Speisen zu sich zu nehmen, dann würde es euch als nutzlose BeschŠftigung

vorkommen. Warum schluckt ihr Tabletten, wenn ihr krank seid? Nur deswegen. weil ihr

euch der Krankheit entledigen und wieder gesund werden wollt. Medikamente aber, die

keinen Nutzen haben, werdet ihr sofort absetzen. Warum arbeitet ihr so hart, um euer

Land zu bestellen? Wegen der Ernte, um Obst und Gemüse zu ernten. Wenn aber nach

der Aussaat nichts wŠchst, so werdet ihr euch nicht noch einmal bemühen, das Feld zu

pflügen, die Saat auszusŠen und den Boden zu bewŠssern.

Kurzum, bei allen euren Arbeiten habt ihr immer ein Ziel vor Augen. Wenn das Ziel

erreicht ist. dann war es eine gute Arbeit, und wenn nicht, dann betrachtet ihr sie als

sinnlos.

Erfolg im Jenseits

Behalten wir diesen Punkt im GedŠchtnis und fragen uns nun: Warum soll man die

Kalima. das Glaubensbekenntnis sprechen? Die offensichtliche Antwort lautet: um eine

Trennlinie zwischen einem Kafir und einem Muslim zu ziehen. Was aber bedeutet dieser

Unterschied? Bedeutet es, da§ wenn ein Kafir zwei Augen hat, ein Muslim vier erhŠlt?

Oder, da§ ein Muslim zwei Kšpfe erhŠlt, wenn ein Kafir einen hat? Sicher werdet ihr das

verneinen? Es bedeutet, da§ es im Endergebnis des Lebens eines Muslims und eines

Kafir einen Unterschied geben mu§. Das Endergebnis im Leben eines Kafir ist der

Untergang: er endet im Elend und wird in dieser Welt und im Jenseits der Gnade Gottes

beraubt. Am Ende des Lebens eines Muslims steht der Erfolg: Er gewinnt das

Wohlwollen Gottes und wird im Jenseits glücklich und geehrt.

Diesseits und Jenseits

Eure Antwort ist vollkommen richtig. Aber sagt mir, in welchem VerhŠltnis steht das

Jenseits zum Diesseits? Was bedeutet ein Mi§erfolg im Jenseits? Was bedeutet es. dort

Erfolg zu haben und geehrt zu werden?

Die Antwort auf die erste Frage ist bereits vom Propheten (s) gegeben worden:

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"Diese Welt ist der Acker für das Jenseits." Diesseits und Jenseits sind nicht zwei

voneinander getrennte Wirklichkeiten, sondern ein fortwŠhrender Proze§, der in dieser

Welt beginnt und im Jenseits endet. Die Beziehung zwischen den beiden ist die gleiche

wie zwischen Ackerbau und Ernte. Man pflügt das Land, sŠt, bewŠssert und pflegt den

Boden, bis die Erntezeit naht. Von der Ernte ernŠhrt man sich dann wŠhrend des

ganzen Jahres.

Ihr werdet das ernten, was ihr angebaut habt: Weizen, dornige StrŠucher oder gar nichts

- je nach dem, was ihr gesŠt habt. Was immer ihr auch an Fehlern und Unachtsamkeiten

wŠhrend des Pflügens, SŠens, BewŠsserns oder der Pflege des Bodens begangen

habt. ihr werdet es beim Einbringen der Ernte bemerken. Aber wenn ihr alles

Notwendige sorgfŠltig ausgeführt habt. werdet ihr den Nutzen zur Erntezeit sehen.

Genauso steht das Diesseits und Jenseits in Bezug zueinander. Diese Welt ist wie ein

Feld, das bestellt werden mu§. Der Mensch wurde auf dieses Feld geschickt, um durch

eigene Bemühung und harte Arbeit etwas für sich selbst hervorzubringen. Für diese

Aufgabe wurde ihm eine bestimmte Zeitspanne, von der Geburt bis zum Tod, zugeteilt.

Was auch immer er wŠhrend dieser Periode anbaut, wird er jenseits des Grabes ernten,

und dieser Ertrag wird seine Versorgung für das Leben danach darstellen. Wenn jemand

auf dem Feld des Diesseits gute Früchte angebaut hat, sie mit reichlich Wasser versorgt

und sorgfŠltig gepflegt hat, wird er die Früchte seiner Arbeit im nŠchsten Leben in Form

blühender GŠrten vorfinden. Dort werdet ihr ohne harte Arbeit glücklich von den

Früchten des Gartens leben, die ihr hier auf Erden so flei§ig gepflegt habt. Dies ist das

Paradies, dies ist der Erfolg und der Zustand der Zufriedenheit im Jenseits.

Im Gegensatz dazu werdet ihr, wenn ihr Dornen gesŠt und bittere, giftige Pflanzen

angebaut habt, das gleiche auch im nŠchsten Leben ernten. Ihr werdet dort keine zweite

Chance haben, neu zu sŠen, und gezwungen sein, euch mit der schlechten Ernte zu

ernŠhren. Ihr werdet auf einem Bett aus Dornen liegen und die bitteren giftigen Früchte

essen, die ihr euch selbst herangezüchtet habt. Das ist, was mit Verlust und Mi§erfolg

im Jenseits gemeint ist.

Erfolg im Diesseits

Die Beschreibung des Jenseits, wie ich sie dargestellt habe, ist die gleiche im Koran und

in den Hadithen. Erfolg oder Scheitern eines Menschen im Leben nach dem Tod

hŠngen von seinem rechten Wissen und Handeln auf der Erde ab.

Aus oben Genanntem wird klar, da§ der Unterschied zwischen Muslimen und Kuffar im

Jenseits durch ihre verschiedenen Handlungsweisen im Diesseits entsteht. Ohne einen

Unterschied im Wissen und in den Taten eines Muslims bzw. eines Kafirs in dieser Welt

kann es keinen Unterschied ihres Zustands im Jenseits geben. Es ist unmšglich, da§

ein Muslim dasselbe Wissen wie ein Kafir besitzt und genauso wie dieser handelt, ohne

da§ ihn auch dasselbe Schicksal erwartet.

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Der Zweck des Glaubensbekenntnisses

Wie ihr zuvor gesagt habt, ist der Zweck des Sprechens des Glaubensbekenntnisses,

zwischen einem Kafir und einem Muslim zu unterscheiden. Jetzt, wo wir über das

Jenseits gesprochen und beschrieben haben, was für ein unterschiedliches Ende beide

erwartet, müssen wir eure Aussage ein wenig unterteilen. Wir müssen jetzt sagen, da§

es der Zweck des Sprechens der Kalima ist, Wissen und Taten des Menschen so zu

erneuern, da§ ihm im Jenseits ein glückliches Ende beschieden wird.

Die Kalima lehrt den Menschen, einen Garten anzulegen, dessen Früchte er im Jenseits

ernten wird. Wenn ein Mensch aber nicht an die Kalima glaubt, wie kann er sich dann

einen solchen Garten anlegen? Und wenn ein Mensch die Kalima zwar mit seinem

Mund ausspricht, sein Wissen aber das gleiche bleibt und seine Taten denen eines

Kafirs in nichts nachstehen, dann wird es im Endeffekt keinen Unterschied machen, ob

er diesen Satz ausgesprochen hat oder nicht.

Stimmt ihr zu, wenn ich sage, da§ es nutzlos ist, die Kalima auszusprechen, wenn wir

durch sie nicht unsere Gedanken und Taten Šndern? Es gibt keinen Grund, warum

unser Schicksal in diesem Fall anders als das eines Kafirs sein sollte.

Wir kšnnen Gott durch das blo§e Murmeln der Kalima zu nichts verpflichten. Wenn wir

nicht lernen, wie man einen Garten anlegt und stattdessen unser ganzes Leben lang

nichts als Dornen sŠen, dann kšnnen wir nicht erwarten, nach dem Tode einen

blühenden Garten voller Früchte zu erben. Wie wir an mehreren Beispielen gesehen

haben, ist es sinnlos, etwas zu unternehmen, wenn sich das gleiche Ergebnis auch

einstellen würde, wenn man es nicht tut. Ein Medikament ist kein solches, wenn sich der

Zustand des Patienten dadurch nicht verbessert. Genauso ist das Vorsagen der Kalima

nutzlos, wenn Wissen und Taten desjenigen, der die Kalima spricht, genauso bleiben,

wie die von jemandem, der sie nicht sagt. Wenn es in dieser Welt keinen Unterschied

zwischen beiden gibt, wie kann es dann einen solchen im Jenseits geben?

Was lehrt uns die Kalima?

Welches Wissen vermittelt uns die Kalima Tayyiba und welcher Unterschied ergibt sich

zwischen den Taten eines Muslims und denen eines Kafirs nach Erhalt dieses Wissens?

Erstens: Hingabe an Allah. Das erste, was ihr durch die Kalima lernt, ist, da§ ihr Diener

Allahs und nur Seine Diener seid. Versteht diese tiefe Wahrheit, und ihr werdet von

selbst erkennen, da§ ihr in dieser Welt entsprechend dem Willen desjenigen handeln

müsst, dessen Diener ihr seid. Tut ihr das nicht, so ist dies gleichbedeutend mit

Auflehnung gegenüber eurem Herrn.

Zweitens: Gehorsam gegenüber dem Propheten (s). Das zweite, was ihr durch die

Kalima lernt, ist, da§ Muhammad (s) der Gesandte Allahs ist. Dadurch wird klar, da§ ihr

euren Garten so anlegen müsst, wie er es euch beigebracht hat, wenn ihr Blumen und

Früchte anstelle von Dornen und giftigen Pflanzen hervorbringen mšchtet. Folgt ihr

35

seinen Anweisungen, so werdet ihr im Jenseits eine gute Ernte einbringen. Handelt ihr

im Widerspruch zu seinem Weg, so werdet ihr im Diesseits Dornen anbauen und diese

im Jenseits ernten.

Taten und Wissen müssen übereinstimmen

Wenn ihr dieses Wissen erlangt habt, müsst ihr eure Taten damit in †bereinstimmung

bringen. Wenn ihr glaubt, da§ ihr eines Tages sterben werdet, da§ es nach dem Tod ein

anderes Leben gibt und da§ ihr euch dann auf die Ernte stützen müsst, die ihr in dieser

Welt gesŠt habt, bevor ihr sie verlassen habt, dann ist es euch kaum mšglich, von dem

Weg abzuweichen, den euch der Prophet (s) gezeigt hat.

Warum bebaut ihr eure Felder in dieser Welt? Einfach deshalb, weil ihr sicher seid, da§

ohne Anbau keine Ernte wŠchst, und ihr sonst vor Hunger sterben würdet.

WŠret ihr euch dessen nicht sicher, und würdet ihr glauben, da§ eine Ernte ohne

vorherigen Anbau entstehen kann, oder da§ ihr euren Hunger ohne Nahrung stillen

kšnntet, so würdet ihr euch niemals der Mühe unterziehen, einen Acker zu bebauen.

Das hei§t, eure Handlungen stimmen mit eurem Wissen überein.

Beurteilt eure Haltung gegenüber der Kalima auf dieser Grundlage! Ihr gebt vor, Gott als

euren Herrn und den Propheten (s) als den Gesandten Gottes anzuerkennen. Ebenso

glaubt ihr an das Leben nach dem Tode. Warum sollen dann eure Taten den Lehren

des Korans und der Sunna des Propheten (s) zuwiderlaufen? Dies ist zweifelsohne das

Ergebnis eines schwachen Glaubens. Wenn ihr wirklich davon überzeugt seid, da§ euer

Schicksal im Jenseits von eurer Anstrengung im Diesseits abhŠngt, dann werdet ihr es

nie aufs Spiel setzen und vernachlŠssigen, euer Leben nach Gottes Willen zu gestalten.

Nur wer nicht wirklich glaubt, da§ das, was er sŠt. Dornen hervorbringt, und da§ diese

Dornen ihm wirklich schaden, wird dies nicht beachten. Ein Erwachsener nimmt

wissentlich keine glühenden Kohlen in seine HŠnde, weil er wei§, da§ sie ihn

verbrennen. Nur ein Kind, das sich über Ursache und Wirkung nicht im Klaren ist. tut so

etwas.

36

KAPITEL II

ISLAM

7. Die falschen Gštter

Geschwister im Islam! Heute werde ich euch die Eigenschaften eines Muslims

beschreiben. Ich werde die Bedingungen aufzeigen, die man mindestens erfüllen mu§,

und euch erklŠren, was man wenigstens zu tun hat, um Muslim genannt zu werden.

Kufr und Islam

Zuallererst müsst ihr verstehen, was Kufr und was Islam ist. Kufr bedeutet die Weigerung

des Menschen, Gott zu gehorchen. Islam bedeutet vollstŠndige Hingabe an Gott allein

und die Weigerung, sŠmtliche Ideen, Gesetze oder Befehle anzuerkennen, die im

Widerspruch zu der Rechtleitung Gottes stehen.

Dieser Unterschied zwischen Islam und Kufr wird im Koran deutlich beschrieben. Allah

sagt:

"Wer nicht nach dem richtet, was Gott hinabgesandt hat - das sind die

UnglŠubigen. (Sure 5:44)

"Richten" meint hier nicht nur die FŠlle, die vor das Gericht gebracht werden, sondern

alle Entscheidungen, die wir tŠglich in unserem Leben zu treffen haben. StŠndig erhebt

sich die Frage, ob man eine bestimmte Sache tun sollte oder nicht und wie man sich

unter bestimmten UmstŠnden zu verhalten hat.

Eine Mšglichkeit, Entscheidungen zu fŠllen, ist das Richten nach dem Buch Gottes und

der Sunna Seines Gesandten (s). Andere Methoden beruhen auf selbstsüchtigen

Wünschen, angestammten Sitten oder von Menschen gemachten Gesetzen. Wenn nun

jemand die von Gott vorgelegte Ordnung verwirft und sich entscheidet, nach einer

anderen Ordnung zu leben, dann folgt er dem Weg des Kufr. Wenn ein Mensch diesen

Weg immer und in allen Abschnitten seines Lebens verfolgt, dann ist er voll und ganz

Kafir. Wenn er aber den Anordnungen Gottes in einigen Angelegenheiten gehorcht, und

in anderen Angelegenheiten seinem Ego, seinen selbstsüchtigen Wünschen, den

Vorstellungen der Gesellschaft oder von Menschen gemachten Gesetzen den Vorzug

gibt, dann macht er sich in dem Ma§e des Kufr schuldig, wie er sich gegen die

Anordnungen Gottes auflehnt. Man kann zur HŠlfte, zu einem Viertel, mehr oder weniger

37

Kafir sein. Kurz gesagt: Kufr steht im VerhŠltnis zum Grad der Auflehnung gegenüber

den Gesetzen Gottes.

Islam - vollstŠndige Hingabe

Islam bedeutet nichts als die vollstŠndige und ausschlie§liche Hingabe des Menschen

an Gott. Der Muslim ist weder Diener seines eigenen Ich noch seiner Ahnen, seiner

Familie, seines Volkes noch der Diener eines Herrschers, Generals, Führers, Mullahs,

Scheichs oder irgendeiner anderen Person. Er ist nur der Diener Gottes. Allah sagt im

Koran:

Sprich [oh Prophet]: 'Oh Volk der Schrift, kommt herbei zu einem Wort, das

gleich ist zwischen uns und euch: da§ wir nichts anbeten denn Allah, und da§

wir ihm keine Teilhaber zur Seite stellen und da§ nicht die einen unter uns die

anderen zu Herren nehmen statt Allah. Doch wenn sie sich abkehren dann

sprecht: 'Bezeugt, da§ wir da§ wir Muslime sind (uns (Gott) ergeben haben)!n

(Sure 3:64)

Suchen sie einen anderen Glauben als Allahs, wo sich Ihm ergibt, wer in den

Himmeln und auf Erden ist gehorsam oder wider Willen, und zu Ihm müssen

sie zurück? (Sure 3:83)

In beiden Versen ist von einem grundlegenden Prinzip die Rede:

Die wahre Religion besteht aus vollstŠndigem Gehorsam gegenüber Gott und Ergebung

in Seinen Willen. Anbetung Gottes bedeutet nicht einfach, sich fünfmal am Tag vor Ihm

zu verbeugen. Es bedeutet, da§ Seine Gebote zu jeder Zeit ausgeführt werden müssen.

Man mu§ sich dem enthalten, was Er verboten hat, und das tun, was Er angeordnet hat.

In jeder Angelegenheit soll man herausfinden, wie Gottes Befehl diesbezüglich lautet.

Beurteilt Gut und Bšse niemals nach den Wünschen eures Egos, nach dem was euer

Intellekt euch eingibt, was eure VorvŠter getan haben, eure Familien und Verwandten

bevorzugen, was die Gesellschaft guthei§t, die religišsen Gelehrten euch sagen oder

irgendjemand anordnet oder was ihm gefŠllt. Wenn ihr dem Gehei§ irgendeines

Menschen folgt und dabei Gottes Befehle au§er Acht la§t, so habt ihr diese Person

neben Gott gestellt. Das bedeutet, da§ ihr dieser Person eine Stellung verliehen habt,

die ausschlie§lich Gott gebührt:

"Die Entscheidung [was richtig oder falsch ist] liegt allein bei Allah' (Sure

6:57).

Allein Er. Der euch erschaffen hat und euch am Leben erhŠlt, ist es wert, angebetet zu

werden. Alles in den Himmeln und auf Erden gehorcht Ihm. Kein Stein gehorcht einem

anderen Stein. Kein Baum gehorcht einem anderen Baum. Kein Tier gehorcht einem

anderen Tier. Seid ihr schlechter als Tiere, BŠume und Steine, die nur Gott gehorchen,

indem ihr Menschen gehorcht und Gott beiseite la§t? Dies ist die Kernbotschaft des

Koran, einfach und klar.

38

Drei Ursachen des Abirrens

Warum sind Menschen ungehorsam gegenüber Gott und gehen irre? Dem Koran nach

gibt es drei Hauptursachen.

Gehorsam dem Ego gegenüber

Der erste Grund sind die Wünsche des Egos:

Und wer ist irrender als der, der seinen bšsen Gelüsten folgt ohne

Rechtleitung von Allah? Wahrlich, Allah leitet nicht das ungerechte Volk.

(Sure 28:50)

Dies bedeutet, da§ der grš§te Faktor, der den Menschen in die Irre führt, seine eigenen

menschlichen Gelüste sind. Es ist všllig unmšglich, ein wahrer Diener Gottes zu werden,

wenn man sich von seinen menschlichen Gelüsten versklaven lŠ§t. Ein solcher Mensch

wird stŠndig danach Ausschau halten, was ihm mehr Geld einbringt, welches Vorhaben

ihm Ruhm und Ehre verschafft, welche BeschŠftigung ihm Vergnügen und Befriedigung

gibt und was ihm Annehmlichkeit und Bequemlichkeit bringt. Kurz gesagt: Er wird jeden

Weg einschlagen, der ihm diese Wünsche erfüllen kann, unabhŠngig davon, ob Gott

diese TŠtigkeiten verbietet oder nicht. Er wird niemals etwas tun, das Gott ihm

aufgetragen hat, wenn er dadurch seine persšnlichen Ziele nicht erreichen kann. Daher

ist der Gott einer solchen Person sein Selbst oder sein Ego (Nafs), seine Triebe, sein

persšnliches Gutdünken (Hawa) und nicht Allah. Wie kann ein solcher Mensch in den

Genu§ gšttlicher Rechtleitung kommen. So fragt der Koran:

ãHast du den gesehen, der seine Gelüste zu seinem Gott nimmt? Kšnntest du

wohl ein WŠchter über ihn sein? Meinst du etwa, da§ die meisten von ihnen

hšren oder verstehen? Sie sind nur wie Vieh - nein, sie sind noch mehr vom

Weg abgeirrtÒ. (Sure 25:43-44)

Ein Diener seiner Gelüste zu sein ist schlimmer, als ein wildes Tier zu sein. Kein Tier

wird die Grenzen überschreiten, die ihm von Gott gesetzt wurden. Jedes Tier fri§t das,

was Gott für dieses Tier festgelegt hat. Es führt nur die Dinge aus, die Gott ihm

bestimmt hat. Aber der Mensch wird zum Tier, wenn er zum Diener seiner Lust wird;

dann begeht er Taten, vor denen selbst der Satan zurückschrecken würde.

 

Gesellschaft und Kultur

Der zweite Grund des Irregehens ist, Sitten und GebrŠuchen, Glauben und

Vorstellungen, Riten und Zeremonien der Gesellschaft blind zu folgen und sie als

hšherstehend zu betrachten als Gottes Rechtleitung. Wenn eine solche Person an die

Gebote Gottes erinnert wird, wendet sie ein, da§ sie nur dem folge, was die Gesellschaft

für richtig halte und da§ sie nur die GebrŠuche ihrer Familie und ihres Landes

weiterführe.

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Wie kann jemand, der an dieser Krankheit leidet, ein Diener Gottes sein? Seine Gštter

sind Gesellschaft, Familie und Volk. Welches Recht hat er, den Anspruch zu erheben.

Muslim zu sein?

Der Koran warnt ihn:

Und wenn ihnen gesagt wird: ^Befolgt, was Allah herabgesandt hat', sagen

sie: "Nein, wir wollen dem folgen, worin wir unsere VŠter vorgefunden haben."

Wie! Wenn selbst ihre VŠter keinen Verstand hatten und nicht auf dem

rechten Weg wandelten? (Sure 2:170)

Und wenn ihnen gesagt wird: "Kommt her zu dem, was Allah herabgesandt

hat, und zu dem Gesandten", sagen sie: "Uns genügt das, worin wir unsere

VŠter vorfanden. Und selbst wenn ihre VŠter kein Wissen hatten und nicht

auf dem rechten Weg waren! Oh die ihr glaubt! Wacht über euch selbst. Wer

irregeht, kann euch nicht schaden, wenn ihr nur selbst auf dem rechten Wege

seid. Zu Allah ist euer aller Heimkehr; dann wird Er euch enthüllen, was ihr zu

tun pflegtet. (Sure 5:104-105)

Zu allen Zeitaltern litten Leute, die sich weigerten, die Wahrheit .anzuerkennen, an

diesem †bel. Schon von jeher hat es diese Menschen davon abgehalten, die Leitung

durch die Gesandten Gottes zu akzeptieren. Als Moses die Menschen einlud, Gottes

Weisungen zu folgen, sagten sie:

Bist du zu uns gekommen, da§ du uns abwendig machen mšchtest von dem

(Weg), auf dem wir unsere VŠter fanden? (Sure 10:78)

Und als Abraham versuchte, sein Volk von der Vielgštterei abzubringen, sagten sie ihm:

Wir fanden unsere VŠter bei ihrer Verehrung. (Sure 21:53)

In allen Epochen haben Menschen diesen Vorwand vor die Propheten gebracht: "Was

du sagst, ist gegen die Praxis unserer VorvŠter, und darum kšnnen wir es nicht

annehmen."

Und ebenso sandten Wir keinen Warner vor dir in irgendeine Stadt, ohne da§

die Reichen darin gesprochen hŠtten: "Wir fanden unsere VŠter auf einem

Weg, und wir treten in ihre Fu§stapfen. (Ihr Warner) sprach: 'Wie! Auch wenn

ich euch eine bessere Führung bringe als die, bei deren Verfolgung ihr eure

VŠter fandet? Sie sprachen: 'Wir leugnen das, womit ihr gesandt seid. Also

vergalten Wir ihnen. Sieh nun, wie das Ende der Leugner war [welche die

Wahrheit leugneten]! (Sure 43:23-25)

Allah sagt den Menschen, dass sie entweder ihren VorvŠtern, ihrer Gesellschaft und

Kultur oder Seinen Befehlen folgen kšnnen. Beides geht nicht. Wenn ihr Muslime sein

wollt, müsst ihr alle Dinge neben Gott aufgeben und Seinen Anweisungen gehorchen.

Und wenn zu ihnen gesprochen wird: "Folgt dem, was Allah herniedergesandt

hat'9, dann sagen sie: 'Nein, wir wollen dem folgen, wobei wir unsere VŠter

vorfanden. ' Wie! selbst wenn der Satan sie zu der Strafe des brennenden

Feuers einlŠdt? Wer aber sein Antlitz auf Allah richtet und Gutes tut, der hat

fürwahr die festeste Handhabe ergriffen. Und bei Allah ruht das Ende aller

Dinge. Und jener, der unglŠubig ist, la§ seinen Unglauben dich nicht

bekümmern. Zu Uns wird ihre Heimkehr sein, dann werden Wir ihnen

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verkünden, was sie getan haben; denn Allah wei§ recht wohl, was in den

Herzen ist. (Sure 31:21-23)

Gehorsam gegenüber Mitmenschen

Der dritte Grund ist der Gehorsam gegenüber anderen Menschen anstelle Gottes. Dies

geschieht, indem wir fŠlschlicherweise eine Person für so hoch einschŠtzen, da§ wir

meinen, seine Worte seien absolut wahr. Oder, indem wir uns vorstellen, da§ dieser

unseren Lebensunterhalt kontrolliere und somit Macht über uns habe, und wenn wir

meinen, er habe Macht über uns, und kšnne mit uns nach Gutdünken verfahren. Es ist

auch mšglich, dass wir dem Wahn unterliegen, er kšnne uns durch seinen Fluch

zugrunde richten oder uns sogar ins Paradies bringen, wenn wir ihm nur gehorchten.

Das gleiche ist der Fall, wenn wir denken, wir müssten gewissen Všlkern folgen, weil

diese fortschrittlich und modern seien und gro§en Erfolg hŠtten. Wenn wir uns so

verhalten, schlie§t sich die Tür gšttlicher Führung:

Und wenn du der Mehrzahl derer auf Erden gehorchst, werden sie dich

wegführen von Allahs Weg, (Sure 6:116)

Wir kšnnen nur dann auf dem richtigen Weg sein, wenn wir an den Einen Gott glauben

und seiner Führung folgen. Wie kšnnen wir aber auf dem richtigen Weg sein, wenn wir

unzŠhlige Gštter ersonnen haben und einmal diesem und einmal jenem gehorchen?

Dies sind also die drei wichtigsten Gründe des Irregehen: Eigenen Gelüsten zu folgen

oder unumschrŠnkte ZugestŠndnisse an die eigenen Triebe zu machen, soziale

Anpassung oder blindes Befolgen der Traditionen in Gesellschaft, Familie und Volk, und

Ergebenheit an Menschen allgemein, besonders an politische Machthaber und reiche

verlogene religišse Gelehrte. Wenn man ein wahrer Muslim werden will, mu§ man als

erstes diese drei Gštzen zerbrechen, die an die Stelle Gottes treten wollen. Mit diesen

drei Gštzen im Herzen kann niemand ein echter Diener Gottes sein. Nur durch tŠgliches

Gebet, und sei es noch so hŠufig, durch Fasten, das man zur Schau stellt, und durch

Šu§eres Verhalten wie ein Muslim mag man vielleicht seine Mitmenschen und sich

selbst tŠuschen, Gott aber wird man nie betrügen kšnnen.

Die Lage der Muslime heute

Ein Diener dieser drei Gštzen zu sein, ist wahrer Schirk (Gštzendienst). Ihr mšgt die

Tempel aus Stein und Mšrtel zerstšrt, die steinernen Gštzen darin zerbrochen haben,

aber ihr habt wenig auf die Tempel geachtet, die in euren Herzen sind. Diese Gštzen zu

zerstšren, ist die wichtigste Voraussetzung, um Muslim zu werden. Dies gilt für die

Muslime in der ganzen Welt. Was auch immer ihr zu leiden habt, da bin ich sicher, ist

das Ergebnis der Anbetung dieser Gštzen. Weil ich mich jetzt aber an meine Brüder aus

dem Pandschab wende, mu§ ich besonders ihnen sagen, da§ die Wurzeln all ihres

Elends und ihrer Erniedrigung diese eben genannten drei Dinge sind.

41

Wir sind mehr als 15 Millionen in diesem Land, trotzdem haben wir kein Gewicht. Einige

Gemeinschaften, die zahlenmŠ§ig kleiner sind als wir, sind einflu§reicher (3). Was mag

der Grund sein? Nur weil wir Sklaven unserer selbst, unserer Familientraditionen und

anderer Menschen sind, statt allein Gott zu dienen, ist uns unsere StŠrke aus unserem

Innern verlorengegangen. Schauen wir auf uns selbst. Wir haben unter uns viele

Kasten, wie die Radschputen, Gakhars, Moguln, Dschats und viele andere geschaffen.

Der Islam verlangt, da§ aus all diesen ethnischen Gruppen eine Gemeinschaft (Umma)

wird, da§ jeder der Bruder des anderen ist und wir uns wie eine feste Mauer aus

einzelnen Bausteinen ineinanderfügen. Trotzdem halten wir noch immer an den alten

heidnischen Ideen fest. Genauso wie es unter den Hindus verschiedene Kasten gibt, so

sind auch wir gespalten. Wir heiraten nicht untereinander, so wie Muslime es tun sollten.

Es gibt keine Beziehung der Brüderlichkeit zwischen euch. Wir nennen uns gegenseitig

Brüder im Islam, aber in Wahrheit halten wir an all den Unterschieden fest, die schon vor

dem Islam herrschten.

Diese Hindernisse halten uns davon ab, eine starke Mauer zu werden. Jeder einzelne

Ziegelstein ist lose und herausgetrennt. Wir kšnnen uns weder gemeinsam erheben,

noch gemeinsam eine Gefahr meistern. Wenn man von uns verlangt, in

†bereinstimmung mit der islamischen Lehre diese Hindernisse niederzurei§en und

wieder eine Einheit zu werden, wie lautet dann unsere Antwort? Wir werden das gleiche

erwidern, wie es alle Gegner der Propheten getan haben: "Wir kšnnen uns nicht gegen

die Sitten unserer VorvŠter stellen." Welche Antwort aber wird Gott darauf geben? Er

wird nur sagen: Ihr braucht nicht mit diesen Sitten zu brechen und braucht auch nicht die

Riten der Hindus aufzugeben. Aber ich werde euch in Gruppen zerspalten und euch

trotz eurer gro§en Zahl in Verachtung und Schande leben lassen.

(3 Der Autor bezieht sich auf die Lage im Jahre 1938, als der Pandschab eine Provinz

innerhalb des britisch besetzten Indiens war )

Ein weiteres Beispiel: Gott hat euch befohlen, da§ eure Sšhne und Tšchter einen

Anspruch auf Erbschaft haben. Was aber ist eure Antwort? "GemŠ§ dem Gesetz

unserer VorvŠter haben nur Sohne einen Anspruch und Tšchter nicht. Wir

berücksichtigen die Traditionen unserer VorvŠter anstelle von Gottes Gesetz." Ist das

der Islam? Wenn von euch verlangt wird, das Gesetz der VorvŠter zu brechen, sagt

jeder von euch, da§ er es nur dann brechen werde, wenn alle anderen es brechen.

Denn wenn andere ihren Tšchtern keinen Anteil geben, wir es aber tun, dann werden

wir im Nachteil sein, wenn unsere Sšhne die Tšchter von anderen heiraten. †berlegt,

was diese Antwort bedeutet! Sollen wir das Gesetz Gottes nur unter der Bedingung

befolgen, da§ andere es zuerst tun? Morgen werdet ihr sagen: "Wenn die anderen

Ehebruch begehen, tun wir es auch; wenn die anderen stehlen, werden wir auch

stehlen. Solange die anderen das Sündigen nicht aufgeben, werden wir auch damit

fortfahren."

Indem wir dem Kastensystem und den alten Erbrechtsgesetzen folgen, werden alle drei

obengenannten Gštzen angebetet: Sklaverei gegenüber sich selbst, der Gesellschaft

und den unglŠubigen Všlkern. Obwohl wir all diesen Gštzen dienen, behaupten wir noch

immer, dem Islam anzugehšren!

Dies sind nur zwei Beispiele. Betrachtet man die Situation mit offenen Augen, so lassen

sich zahllose andere Beispiele finden. Bei all diesen werden wir entdecken, da§

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irgendwo ein, zwei und manchmal drei Gštzen angebetet werden. Wie kšnnen wir

erwarten. da§ Allah uns mit Seinem Segen überschüttet, den Er allein den wahren

Muslimen versprochen hat. Solange wir diese Gštzen verehren und gleichzeitig

Anspruch auf den Islam erheben?

8. Sind wir wirklich Muslime?

Geschwister im Islam! Wir haben nun verstanden, da§ der Mensch gemŠ§ dem Koran

auf drei Weisen irregeht. Die erste Mšglichkeit ist es, durch Nichtbeachtung der

Rechtleitung Gottes Sklave seiner Triebe zu werden. Die zweite ist es, Familie, Kultur.

Gesellschaft, BrŠuche und Lebensweise der Ahnen über das Gesetz Gottes zu stellen.

Die dritte ist, die Ordnung, die Gott und Sein Gesandter verkündet haben, nicht zu

beachten, und stattdessen anderen sogenannten bedeutenden Personen oder anderen

Zivilisationen und Kulturen zu folgen.

Der wahre Muslim

Ein wahrer Muslim mu§ von diesen drei Leiden frei sein. Nur derjenige kann wirklich als

Muslim bezeichnet werden, der niemandem au§er Gott dient und niemandem au§er

Seinen Gesandten folgt. Ein Muslim glaubt ehrlich, da§ die Lehre von Gott und Seinem

Gesandten die absolute Wahrheit ist, da§ alles, was dieser Lehre entgegensteht, falsch

ist, und da§ sie alles enthŠlt, was gut für den Menschen im Diesseits und im Jenseits ist.

Ein Muslim. der fest an diese Wahrheiten glaubt, sucht bei jedem Schritt in seinem

Leben Leitung durch Gott und Seinen Gesandten und ergibt sich allem, was diese

verlangen. Er wird in seinem Herzen keine Zweifel daran haben, Gottes Gebote zu

befolgen, sich nicht darum kümmern, wenn seine Familienmitglieder oder die

Gesellschaft ihm Vorwürfe machen, oder wenn sich die gesamte Welt gegen ihn stellt.

Seine Antwort wird unzweideutig lauten: "Ich bin ein Diener Gottes und nicht euer

Diener. Ich glaube an Seinen Gesandten, nicht an euch."

Die Zeichen der Heuchelei

Dem Ego dienen

Andererseits mag es Menschen geben, die sagen: "Auch wenn dies der Befehl Gottes

und Seines Gesandten ist, es erscheint mir gefŠhrlich und schwierig dies anzunehmen.

Daher lege ich die Anweisungen Gottes und Seines Gesandten beiseite und handle

43

nach meiner eigenen Meinung.

Offensichtlich ist kein Funken tatsŠchlicher Glaube mehr im Herzen einer solchen

Person vorhanden. Dieser Mensch ist kein Mu'min, sondern ein Heuchler. Obwohl er mit

dem Mund behauptet, ein Diener Gottes und ein AnhŠnger Seines Propheten (s) zu

sein, ist er in Wirklichkeit nur ein Diener seines Egos und ein AnhŠnger seiner eigenen

Meinung.

Festhalten an Gesellschaft und Kultur

Jemand anderes mag sagen, da§ ein bestimmter Brauch nicht aufgegeben werden

kann, da er seit der Zeit der Ahnen durchgeführt werde, egal wie auch die Befehle

Gottes und Seines Gesandten lauten mšgen. Auch diese Person wird zu den Heuchlern

gezŠhlt, ganz gleich, wie fromm sie erscheinen mag, und selbst dann, wenn sich auf

ihrer Stirn durch stŠndige Niederwerfungen in endlosen Gebeten ein Mal gebildet hat.

Der Geist des Islam ist nicht in sein Herz eingedrungen.

Der Islam besteht nicht nur aus Verbeugungen und Niederwerfungen im Gebet, Fasten

(Saum) und der Wallfahrt (Hadsch), noch lŠ§t er sich aus dem Gesicht und der Kleidung

eines Menschen ablesen. Islam bedeutet Unterwerfung unter Gott und Gehorsam

gegenüber Seinem Gesandten. Jemand, der sich weigert, Gott in seinem Alltagsleben

zu gehorchen, dessen Herz ist in Wahrheit ohne Islam - der Glaube ist noch nicht in sein

Herz eingedrungen. Seine Gebete, sein Fasten und seine religišse Erscheinung sind

blo§er Schwindel.

Blinde Nachahmung

Jemand, der sich um das Buch Gottes und um die Anweisungen Seines Gesandten

nicht kümmert, mag auch folgendes sagen:

"Bestimmte Ideen und Anwendungen müssen eben angenommen werden, da sie im

Westen vorherrschend sind, ... dieses Verhalten mu§ übernommen werden, da andere

Všlker damit Fortschritte erzielt haben,... In diesem Punkt müssen wir Abstriche

machen, da eine einflu§reiche Persšnlichkeit dies befürwortet ..." Eine solche Person

lŠuft Gefahr, ihren Glauben zu verlieren. Ihre Einstellung ist mit dem Glauben (Iman)

unvereinbar.

Wenn ihr Muslime seid und Muslime bleiben wollt, dann werft alle VorschlŠge, die den

Befehlen Gottes und Seines Gesandten zuwiderlaufen, über Bord. Solltet ihr dazu nicht

fŠhig sein, dann pa§t es schlecht zu euch, zu behaupten, am Islam festzuhalten. Mit

dem Mund zu behaupten, an Gott und Seinen Gesandten zu glauben, aber deren

Befehle in eurem tŠglichen Leben zugunsten der Vorstellungen und Praktiken anderer

Leute zu vernachlŠssigen, ist weder Iman (Glaube) noch Islam, sondern die reinste

Heuchelei.

Allah lŠ§t keinen Zweifel an der wahren Natur eines solch unsinnigen Verhaltens:

Wir haben deutliche Zeichen herabgesandt. Und Allah leitet, wen Er will, auf

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den geraden Weg. Sie sprechen: "Wir glauben an Allah und an den

Gesandten, und wir gehorchen"; hierauf aber wenden sich einige von ihnen

ab. Und dies sind keine GlŠubigen. Und wenn sie zu Allah und Seinem

Gesandten gerufen werden, damit er richten mšge zwischen ihnen, siehe,

dann wendet sich eine Gruppe unter ihnen ab. Doch wenn das Recht auf

ihrer Seite ist, dann kommen sie zu ihm gelaufen in aller Unterwürfigkeit. Ist

es, da§ Krankheit in ihren Herzen ist? Oder zweifeln sie, oder fürchten sie,

da§ Allah und Sein Gesandter ungerecht gegen sie sein würden? Nein, sie

sind es selbst, die Unrecht begehen. Die Rede der GlŠubigen, wenn sie zu

Allah und Seinem Gesandten gerufen werden, damit er richten mšge

zwischen ihnen, ist nur, da§ sie sprechen: "Wir hšren und wir gehorchen.

Und sie sind es, die Erfolg haben werden. Wer Allah und Seinem Gesandten

gehorcht und Allah fürchtet und Ihn zum Schild nimmt: Solche sind es, die

Glückseligkeit erlangen werden. (Sure 24:46-52)

Denkt über die Beschreibung von Iman, wie sie in den obigen Versen dargelegt ist,

nach. Wahrer Iman besteht darin, sich selbst ganz dem Buch Gottes und der Führung

Seines Gesandten anzuvertrauen. Welcher Befehl auch immer von dort kommt, mu§

beachtet werden, und man darf den Stimmen kein Gehšr schenken, die sich dagegen

stellen - kommen sie von einem selber, von den Familienmitgliedern oder irgendjemand

anderem. Man kann nur dann ein Muslim sein, wenn man diese Einstellung verinnerlicht

hat. Tut man es nicht, ist man nichts weiter als ein Heuchler.

Vergleicht euch nun selber mit denen, die wahren Glauben in ihren Herzen hatten, und

schaut, wie sie Allah und Seinem Gesandten gehorchten.

Wahrer Glaube

Enthaltsamkeit vom Alkohol

Ihr werdet davon gehšrt haben, wie verbreitet der Alkoholkonsum im alten Arabien war.

MŠnner und Frauen, Jung und Alt - alle tranken regelmŠ§ig. Sie sangen Loblieder auf

den Wein und waren všllig von ihm abhŠngig. Und sicher wi§t ihr auch, wie schwierig es

ist, das Trinken aufzugeben, wenn man sich erst einmal daran gewšhnt hat. Ein

Alkoholiker gibt lieber sein Leben hin, als da§ er zu trinken aufhšrt. Wenn er keinen

Alkohol bekommt, geht es ihm schlechter, als jemandem der von Natur aus krank ist.

Was aber geschah, als der Koran das Trinken von Alkohol verbot? Dieselben Araber,

die Alkohol mehr als ihr Leben liebten, zerstšrten die WeinfŠsser mit ihren eigenen

HŠnden. Wein flo§ in den Stra§en von Medina wie Regenwasser. In einer Versammlung

waren einige Menschen beim Trinken, als sie hšrten, wie der Prophet (s) den Alkohol

verbot. Diejenigen, die ein Glas an ihren Lippen hatten, legten es sofort weg, bevor ein

einziger Tropfen ihre Kehlen erreichen konnte. Das ist die StŠrke wahren Glaubens und

eines der schšnsten Beispiele der Hingabe an Allah und Seinen Gesandten.

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GestŠndnis von Verbrechen

Ihr kennt die schwere Bestrafung, die der Islam für Unzucht vorschreibt: Einhundert

SchlŠge auf den nackten Rücken! Allein beim Gedanken daran schreckt man zurück.

Wenn noch dazu eine verheiratete Person im Spiel ist, so wird mit Steinigung bis zum

Tod bestraft. Man zittert, wenn man nur von dieser schrecklichen Bestrafung hšrt. Aber

habt ihr gehšrt, wie sich ein Mann verhielt, der zur Zeit des Propheten (s) Ehebruch

beging und aufgrund seines Glaubens soviel Kraft besa§, die Folgen daraus auf sich zu

nehmen?

Es gab keine Zeugen. Es gab niemanden, ihn vor Gericht zu bringen, es war niemand

da, um der Polizei Meldung zu erstatten. Doch es war der Glaube in seinem Herzen, der

ihn ermahnte: "Jetzt, nachdem du deine Lust im Widerspruch zum Gesetz Gottes

befriedigt hast, mu§t du dich der Bestrafung unterziehen, die Gott dafür vorgeschrieben

hat." So ging dieser Mann aus eigenem Antrieb zum Propheten (s) und sagte: "Oh

Gesandter Allahs, ich habe Ehebruch begangen. Bitte lasse mir meine Bestrafung

zukommen!" Als der Prophet (s) dies hšrte, wandte er sich ab, doch der Mann folgte ihm

und wiederholte sein Anliegen. Der Prophet wandte sich wieder ab, und wieder stellte

sich der Mann vor ihn und wiederholte seine Bitte zum dritten Mal.

Das ist die Kraft des Glaubens. Es ist ein leichtes für jemanden. der einen solchen

Glauben in seinem Herz trŠgt, mit einhundert SchlŠgen auf den blo§en Rücken bestraft

oder sogar zu Tode gesteinigt zu werden. Aber es ist schwierig für ihn, als ein

ungehorsamer Diener vor Gott zu treten.

 

Abbrechen von Beziehungen

Niemand ist uns in dieser Welt wertvoller als unsere eigenen Verwandten. Besonders

Vater, Bruder und Sohn sind dem Menschen so lieb, da§ er oft bereit ist alles für sie zu

opfern. Aber denkt an die Schlachten von Badr und Uhud und seht, wer dort gegen wen

kŠmpfte! Ein Vater war in der Armee der Muslime und der Sohn in der Armee der

UnglŠubigen (Kuffar)\; oder der Sohn bei den Muslimen und der Vater auf der anderen

Seite. Ein Bruder war an dieser Front, und der andere Bruder an der

gegenüberliegenden Front. NŠchste Verwandte standen sich gegenüber und kŠmpften

gegeneinander, als ob sie Fremde wŠren. Weder für Geld noch aufgrund persšnlicher

Vorlieben oder Abneigungen geschah es, da§ Menschen gegen ihr eigenes Fleisch und

Blut kŠmpften. Für Gott und Seinen Gesandten aber brachten sie die StŠrke und den

Mut auf, die Liebe zu Vater, Sohn, Bruder und die ganze Familie zu opfern.

 

Abschied von alten Sitten und BrŠuchen

Ihr wi§t, da§ der Islam praktisch alle Unsitten abschaffte, die im alten Arabien

vorherrschten. Das grš§te †bel davon war der Gštzendienst, der Hunderte von Jahren

verbreitet gewesen war. Daneben beseitigte der Islam Alkohol, Ehebruch, Glücksspiel,

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Diebstahl und RaubüberfŠlle, die in Arabien an der Tagesordnung waren. Frauen gingen

gewšhnlich unverschleiert au§er Haus; der Islam führte die Bedeckung (Hidschab) ein.

Frauen erhielten zuvor keinen Anteil am Erbe; der Islam wies ihnen ihren Anteil zu.

Wi§t ihr, wie die Haltung derjenigen war, die aufrichtig an Allah und seinen Gesandten

glauben? Sie zerstšrten mit ihren eigenen HŠnden all jene Gštzen, die sie und ihre

VorvŠter seit Jahrhunderten verehrt, und denen sie auf ihren AltŠren Opfer dargebracht

hatten. Sie machten sofort mit all jenen Sitten Schlu§, die in ihren Familien von

Generation zu Generation weitergegeben worden waren. Als sie die Gebote Gottes

hšrten, zertraten sie all jene Figuren unter ihren Füssen, die ihnen bisher heilig gewesen

waren. Auf sein Gehei§ hin betrachteten sie Dinge, die bisher als verboten galten, als

erlaubt. Was als rein gegolten hatte, wurde plštzlich unrein und umgekehrt. Praktiken,

die in den Zeiten des Unglaubens persšnlichen Vorteil oder Genu§ bereitet hatten,

wurden allein für Allah aufgegeben. Andererseits wurden islamische Anweisungen

bereitwillig angenommen, ganz gleich wie schwer ihre Durchführung war.

Dies bedeutet wahrer Glaube, und dies ist, was wahrer Islam genannt wird.

Angenommen, die Menschen von Arabien hŠtten zu jener Zeit gesagt: "Wir nehmen dies

nicht an, weil es unseren Interessen schadet, wir kšnnen jenes nicht aufgeben, weil wir

gro§en Nutzen davon haben, und wir werden eine bestimmte Tradition fortführen, da wir

sie von unseren VorvŠtern übernommen haben. Wir mšgen bestimmte Ideen der

Byzantiner, deswegen werden wir sie übernehmen, und gewisse Praktiken gefallen uns

bei den Persern. Kurz gesagt: HŠtten sie auf diese Weise alle wesentlichen Inhalte des

Islam zurückgewiesen, dann kšnnt ihr euch vorstellen, da§ es heute keine Muslime in

der Welt geben würde.

 

Der Weg zu Gottes Wohlgefallen

Geschwister, im Koran hei§t es:

Nie werdet ihr zur vollkommenen Rechtschaffenheit gelangen, solange ihr

nicht spendet von dem, was ihr liebt; und was immer ihr spendet wahrlich,

Allah wei§ es wohl. (Sure 3:92)

Dieser Vers beinhaltet den Kern des Iman und den wahren Geist des Islam: Ihr müsst

bereit sein, nštigenfalls für Gott alles zu opfern und zu spenden, was euch lieb und teuer

ist. In vielen Angelegenheiten eures Lebens rufen euch die Gebote Gottes in eine

bestimmte Richtung, wŠhrend euch eure Triebe und Wünsche in eine andere Richtung

locken. Gott befiehlt euch eine bestimmte Schuld einzulšsen, aber ihr denkt, da§ euch

das Unannehmlichkeiten und Nachteile einbringt. Gott verbietet euch eine bestimmte

Tat, doch ihr haltet sie für angenehm und nützlich. Auf der einen Seite findet sich Gottes

Wohlgefallen, und auf der anderen steht diese Welt mit ihren Verführungen. Kurz

gesagt: Bei jedem Schritt im Leben steht der Mensch vor einem Scheideweg. Einer ist

der Weg des Islam und der andere der des Kufr und der Heuchelei. Jemand, der sich

(im Herzen) von allem in dieser Welt lšst und sich Gottes Geboten beugt, befindet sich

auf dem Weg des Islam. Jemand aber, der Gottes Gebote beiseite legt, um die

Wünsche seines Herzens zu erfüllen und sich den Versuchungen dieser Welt zu

ergeben, hat den Weg des Kufr und der Heuchelei eingeschlagen.

 

Die Muslime heute

Viele Muslime nehmen heutzutage allzu eifrig alle Erleichterungen des Islam an,

wechseln aber schnell ihre Richtung, wenn es zu einer wirklichen Begegnung zwischen

Islam und Kufr kommt. Diese SchwŠche findet sich selbst unter solchen, die als

Vorreiter des Islam gelten. Sie rufen Losungen nach dem Islam, und ihre Münder

trocknen fast aus, wenn sie in Lobliedern den Islam preisen. Man sieht auch, wie sie

manches für den Islam tun. Wenn ihnen aber gesagt wird: "La§t uns das Gesetz des

Islam einführen, das ihr so sehr preist", dann antworten sie sofort: "Es gibt da einige

Schwierigkeiten und Hindernisse; lassen wir das besser einstweilen."

Ihrer Meinung nach ist der Islam ein schšnes Spielzeug, das man auf einem Regal zur

Schau stellt und aus gebührender Entfernung preist, aber sogleich zur Seite schiebt,

wenn es darum geht, es als Gesetz durchzusetzen, um uns selbst, unsere

Familienmitglieder, Verwandten, unsere geschŠftlichen Beziehungen und unsere

allgemeine Lebensführung damit zu regeln. Dies ist der Zustand der Muslime heute,

sogar der der sogenannten religišsen Menschen. Als Folge einer solchen Haltung

haben weder Gebet, Fasten, das Lesen des Koran, noch das Šu§erliche Befolgen der

Schari'a Nutzen. Bildlich gesprochen: Wenn der Geist entwichen ist, welche Heldentaten

kann dann noch ein toter Kšrper vollbringen?

9. Sind wir wahre Muslime?

Geschwister im Islam! Allah sagt in Seinem Buch:

Sprich: "Mein Gebet und mein Opfer und mein Leben und mein Tod gehšren

Allah, dem Herrn der Welten. Er hat niemanden neben Sich. Also ist mir

geboten, und ich bin der erste der Gottergebenen. (Sure 6:162-163).

€hnlich sagte der Prophet (s):

"Derjenige, der allein um Allahs willen liebt und verabscheut, der alles, was er

gibt und zurückhŠlt, für Allah gibt und zurückhŠlt, hat Vortrefflichkeit im

Glauben erlangt." (Abu Dawud).

Der Koran stellt klar, was Allah von Dir verlangt. Du sollst dich vollstŠndig dem Dienst an

Allah hingeben und nur für Ihn leben und sterben. Du und die Welt um dich herum, ihr

gehšrt ausschlie§lich Allah; la§ also niemanden einen Anteil an dem haben, was Allah

gehšrt. Das bedeutet, da§ du niemandem au§er Ihm dienen, noch für irgendjemand

au§er Allah leben und sterben darfst.

48

Die ErlŠuterung, die der Prophet (s) selbst gegeben hat, zeigt, da§ die Liebe und

Freundschaft eines Menschen gegenüber anderen, ebenso wie all seine Gefühle,

Beziehungen und Handlungen, nur dazu da sein sollten, das Wohlgefallen Allahs zu

erstreben. Ohne diese Haltung ist der Iman nicht vollstŠndig und es besteht keine

Mšglichkeit, vor Allah mehr Ansehen zu erlangen. Je mehr es dem Menschen an dieser

Haltung mangelt, desto geringer ist sein Glaube.

Einige Menschen glauben, da§ diese ausgesprochenen Eigenschaften nur erforderlich

seien, um hšhere geistige Grade zu erreichen, da§ sie aber kein notwendiger Teil von

Iman und Islam seien. Mit anderen Worten: Sie glauben, ein Mensch kšnne auch ohne

diese Eigenschaften ein GlŠubiger (Mu'min) und Muslim sein. Diese falsche Auffassung

rührt daher, da§ die Menschen im allgemeinen nicht zwischen dem rechtsgültigen Islam,

der in diesem zeitlich begrenzten Leben erkennbar ist, und dem wahren Islam, der allein

aus Gottes Sicht Gültigkeit besitzt, unterscheiden.

Zwei Formen von Islam

Rechtsgültiger Islam

Im juristischen (rechtsgültigen) Islam, nach dem Rechtsgelehrte oder Staaten ihre

Entscheidungen ausrichten, hat das, was sich im Kopf oder im Herzen eines Menschen

abspielt, keine Relevanz und kann sie auch nicht haben. Mündliches Bekenntnis und

gewisse Merkmale, die sich aus diesem Bekenntnis ergeben, werden als hinreichender

Beweis für den Islam eines Menschen anerkannt. Jeder, der seinen Glauben an Allah,

Seinen Gesandten, den Koran, das Jenseits und andere Glaubensartikel mit Worten

bekennt und die notwendigen Bedingungen erfüllt, die dieses Bekenntnis untermauern,

wird als Mitglied der islamischen Gemeinde betrachtet und als Muslim behandelt.

Diese Definition stellt die rechtliche und kulturelle Grundlage dar, auf der die

muslimische Gesellschaft aufgebaut ist. Das Ziel ist, da§ all diejenigen, die in die

muslimische Umma eintreten, als Muslime betrachtet werden; keiner von ihnen darf

Kafir (UnglŠubiger) genannt werden. Jeder von ihnen mu§ dieselben moralischen und

sozialen Rechte erhalten; sie müssen berechtigt sein, mit anderen Muslimen eheliche

Beziehungen einzugehen und ihren Erbteil zu erhalten. Ebenso müssen alle anderen

sozialen Beziehungen mit ihnen aufgenommen werden.

Wahrer Islam

Im Jenseits jedoch wird man nicht blo§ aufgrund dieses rechtsgültigen Bekenntnisses

als Muslim und Mu'min anerkannt oder zu den auserwŠhlten Dienern Allahs gezŠhlt.

49

Was dann zŠhlt, ist der Glaube im Herzen und die freiwillige und vollstŠndige Hingabe

an Allah. Die mündliche Aussage ist für Gerichte, den normalen Muslim und die

muslimische Gemeinschaft bestimmt. Diese kšnnen nur das €u§ere sehen; Allah aber

blickt tief in die Herzen der Menschen und kennt genau den Grad ihres Glaubens.

Wie beurteilt Allah den Menschen? Er prüft, ob dieser allein für Ihn gelebt und gestorben

ist, ob die Treue Ihm gegenüber alle anderen Bande übertrumpfte, ob sein Gehorsam

und sein Dienen, kurz: sein gesamtes Dasein nur für Ihn galten. Wenn diese

ausschlie§lich Allah gewidmet waren, dann wird der Mensch als Muslim und Mu'min

gewertet. Wenn sie aber jemand anderem galten, dann kann eine solche Person weder

Muslim noch Mu'min sein. Wer bei dieser Beurteilung schlecht abschneidet, dem

mangelt es an Iman und Islam in dem Ma§e, wie ihm die obigen Eigenschaften fehlen,

selbst wenn er in dieser Welt als hochangesehener Muslim galt und eine hohe Stellung

innehatte. Das Einzige, was bei Allah wirklich von Wert ist, ist, ob man auf Seinem Weg

all das geopfert hat, was Er einem gegeben hat, oder nicht. Hat man dies getan, dann

wird Gott die Belohnung austeilen, die denjenigen zukommt, die treu sind und die

erforderlichen Leistungen vollbringen. Ist aber die Hingabe nicht vollstŠndig, nimmt man

irgendeinen Bereich seines Lobens vom Dienen aus. dann ist das Bekenntnis, ein

Muslim zu sein, ein trügerischer Anspruch.

Vielleicht kannst du mit diesem Anspruch die Welt betrügen und die muslimische

Gemeinschaft davon überzeugen, dich aufzunehmen und dir alle Rechte eines Muslims

zu gewŠhren; Gott aber kannst du nicht überlisten, dir einen Platz unter Seinen

GlŠubigen Zuzuteilen.

Denkt über den Unterschied zwischen rechtsgültigem und echtem Islam nach, dann

erkennt ihr, wie gro§ die Ergebnisse sind, die sich daraus ergeben - nicht nur im

Jenseits, sondern auch in dieser Welt. Leben, Verhalten, Charakter und Wesen eines

wahren Muslims werden všllig verschieden sein von denen eines Menschen, der nur die

Šu§erlichen Rituale des Glaubens vorzeigt. Immer wird man zwei Gruppen von

Muslimen begegnen.

Zwei Arten von Muslimen

Halbherzige Muslime

Einige Muslime bezeugen den Glauben an Gott und Seinen Gesandten, erheben den

Islam zu ihrer Religion, doch dann beschrŠnken sie diesen Islam auf nur einen Teil ihres

Lebens. Bis zu diesem Grad zeigen sie eine gro§e Bindung an den Islam. Sie vollziehen

ausführlich gottesdienstliche Rituale und Gebete und lassen die Gebetskette durch ihre

Finger gleiten, um die Namen Gottes zu wiederholen. Sie sind sehr genau beim

Festhalten an Zeichen Šu§erlicher Fršmmigkeit in Dingen wie Essen, Kleidung und

anderer gesellschaftlichen und kulturellen Sitten. So gesehen sind sie absolut ãreligišsÒ.

Jenseits dieser Aspekte aber wird ihr Leben nicht von Gott bestimmt. Wenn sie lieben,

dann lieben sie um ihrer selbst willen, um ihres Landes oder ihres Volkes willen, aber

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nicht um Allahs willen. Wenn sie unzufrieden oder wütend sind, jemanden verabscheuen

und ihm die Feindschaft erklŠren oder Krieg führen, dann geschieht es ebenso aufgrund

weltlicher oder selbstsüchtiger Interessen. Ihre Beziehungen zu ihrer Arbeit, ihren

Frauen und Kindern, ihren Verwandten und der Gesellschaft bleiben in gro§em Ma§e

vom Islam unberührt und beruhen auf weltlichen †berlegungen. Seien sie

Gro§grundbesitzer, HŠndler, regierende, Soldaten oder BerufstŠtige – überall werden

sie sich ungebunden und unabhŠngig verhalten, ohne irgendeine Verbindung mit ihrer

Stellung als Muslim an den Tag zu legen. Wenn solche Menschen kulturelle,

erzieherische und politische Werte und Einrichtigen errichten, werden sie nichts mit dem

Islam zu tun haben, auch wenn sie islamisch erscheinen.

Echte Muslime

Die zweite Art von Muslimen sind diejenigen, die ihre ganze Persšnlichkeit und ihr

Dasein für den Islam einsetzen. Alle Rollen, die sie innehaben, ordnen sie ihrer Rolle als

Muslim unter. Sie leben als Muslim in ihrer Rolle als VŠter, Sšhne, EhemŠnner oder

Ehefrauen, GeschŠftsleute, Gutsherren, Arbeiter oder Angestellte. Ihre Gefühle,

Wünsche, Weltanschauungen, Gedanken und Meinungen, ihre Vorlieben und

Abneigungen werden alle vom Islam geformt. Allahs Rechtleitung bestimmt ihre

Gedanken und Herzen, ihre Augen und Ohren, ihre MŠgen, ihre sexuellen Wünsche,

ihre HŠnde und Füsse, Kšrper und Seelen. Weder ihre Liebe noch ihre Abscheu

entwickeln sich unabhŠngig von islamischen Wertma§stŠben. Ob sie kŠmpfen oder

Freundschaft schlie§en, es geschieht nur um den Islam willen. Wenn sie jemandem

etwas geben, dann deshalb, weil es der Islam verlangt; wenn sie etwas zurückhalten,

dann, weil es der Islam so will. Diese Haltung ist nicht auf ihr Privatleben beschrŠnkt;

auch ihr gemeinschaftliches Leben gründet vollstŠndig auf den Prinzipien des Islam. Ihr

Gemeinwesen besteht ausschlie§lich für den Islam, und auch ihr gesamtes

gemeinschaftliches Verhalten wird nur von den islamischen Vorschriften bestimmt.

Welche Art von Muslimen wünscht Gott?

Die beiden oben genannten Arten von Muslimen unterschieden sich deutlich

voneinander, selbst wenn sie vom rechtlichen Standpunkt aus betrachtet beide zur

Umma gehšren und das Wort ãMuslimÒ für beide gleicherma§en verwendet wird.

Historisch gesehen hat die erste Art von Muslimen keine erwŠhnenswerten Leistungen

vollbracht, auf die wir stolz sein kšnnen. Nichts, was sie vollbracht haben, hat einen

islamischen Stempel auf den Seiten der Weltgeschichte hinterlassen. Die Welt hat

keinen Nutzen aus ihrem Dasein gezogen; tatsŠchlich hat der Islam wegen ihnen sogar

Schaden davongetragen. Wegen des †bergewichts solcher ãMuslimeÒ in der

muslimischen Gesellschaft gerieten Macht und weltliche Herrschaft gro§enteils in die

HŠnde von Menschen, die sich gegen Gott auflehnen. Denn diese waren damit

zufrieden, wenn man ihnen die Freiheit lie§, innerhalb ihres engen privaten Rahmens

religišs zu leben.

51

Solche ãMuslimeÒ hat Gott niemals gewünscht, noch hat Er Seine Propheten gesandt

und Seine Bücher offenbart, um sie heranzubilden. Es ist die zweite Gruppe von

Muslimen, die Er wünscht. Nur sie kšnnen vom islamischen Standpunkt aus jemals

etwas Wertvolles zustande bringen.

GŠnzliche Treue gegenüber Allah

Dies ist keine Eigenheit, die wir nur im Islam finden. In der Tat kann keine Lebensweise

in dieser Welt Bestand haben, wenn ihre AnhŠnger ihrem Glauben und ihrem Auftrag in

ihrem Leben eine untergeordnete Stellung zuweisen oder für etwas anderes als ihren

Glauben leben und sterben. Selbst heute sehen wir, da§ nur solche als die wahren

AnhŠnger eines Glaubensbekenntnisses oder einer Weltanschauung gelten, die sich ihr

mit Leib und Seele verschrieben haben. Jedes Glaubensbekenntnis der Welt benštigt

solche AnhŠnger, und keines kann sich in dieser Welt durchsetzen au§er mit Hilfe

solcher AnhŠnger.

Trotzdem gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen dem Islam und anderen

Glaubensrichtungen und Weltanschauungen. Obwohl diese všllige Treue und

Selbstaufopferung vom Menschen verlangen, haben sie kein Recht auf ihn - ihre

Forderungen sind gŠnzlich unbegründet. Die Dinge, die sie vor den Menschen stellen,

sind nicht von der Art, da§ der Mensch ihnen etwas opfern sollte. Aber der Gott, für den

der Islam die Opferung des Lebens verlangt, hat ein Recht auf uns. Alles mu§ auf

Seinem Weg gegeben werden, denn alles im Himmel und auf Erden gehšrt Ihm. Der

Mensch selbst, sein Besitz und alles, was mit ihm verbunden ist, gehšrt Allah. Es ist

demnach in všlliger †bereinstimmung mit der Gerechtigkeit sowie der Vernunft, da§

alles, was Allah gehšrt, Ihm allein vorbehalten bleiben mu§. Was immer der Mensch für

andere, für sich selber oder zur Befriedigung seiner Lust opfert, stellt einen

Vertrauensbruch gegenüber Allah dar, es sei denn, es geschieht mit Seiner Erlaubnis.

Jedes Opfer aber. das für Allah erbracht wird, ist in Wirklichkeit nur eine Entgegnung für

das, was Ihm zusteht.

Eines aber müssen die Muslime von denjenigen lernen, die alles für ihre falschen

Ideologien und Gottheiten opfern: Wie sonderbar ist es doch, da§ diesen solch

unglaubliche Hingabe, Treue und Selbstaufgabe dargebracht wird, wŠhrend dem

wahren Gott nicht einmal der tausendste Teil davon von denen zugestanden wird, die

vorgeben, an Ihn zu glauben.

Wo stehen wir?

Prüfen wir uns alle selber mit den wesentlichen Unterscheidungsmerkmalen von Iman

und Islam, wie sie vom Koran und dem Propheten (s) dargelegt wurden:

Wenn ihr behauptet, den Islam angenommen zu haben, habt ihr auch wirklich euer

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Leben und Sterben nur auf Gott hin ausgerichtet? Lebt ihr nur um Seinetwillen? Sind

eure Herzen und Gefühle, eure Kšrper und Seelen, eure Zeit und euer Einsatz der

Erfüllung von Allahs Willen gewidmet? Bringt ihr die Arbeit zustande, die Er von der

muslimischen Umma ausgeführt sehen will? Gehorcht und dient ihr alleine Gott?

Habt ihr aus eurem Leben Hingabe gegenüber euren selbstsüchtigen Wünschen und

falschen Gehorsam gegenüber Familie, Geschwistern, Freunden, Gesellschaft und

Staat beseitigt? Habt ihr eure Vorlieben und Abneigungen všllig den Wünschen Allahs

untergeordnet? Wenn ihr jemanden liebt oder verabscheut, geschieht dies wirklich nur

um Allahs willen?

Liegt in dieser Liebe und in diesem Abscheu kein Anteil des Eigennutzes mehr?

Spendet und verwehrt ihr nur um Allahs willen? Gebt ihr etwas für euch selber aus, oder

spendet bzw. verwehrt ihr etwas einem anderen nur, weil Gott es so will? Ist euer

Antrieb allein, das Wohlgefallen Gottes zu erlangen?

Wenn ihr diesen Zustand des Glaubens und der Unterwerfung in euch findet, dann

solltet ihr Gott danken, da§ Er euch den Segen des Iman in seiner ganzen Fülle hat

zuteil werden lassen. Wenn ihr aber in dieser Hinsicht einen Mangel fühlt, dann müsst ihr

alle anderen Sorgen aufgeben und euch nur darum sorgen und darauf beschrŠnken, wie

ihr diesen Mangel beseitigen kšnnt, denn davon hŠngt euer Wohlergehen in dieser Welt

und euer Erfolg im Jenseits ab. Welchen Erfolg ihr auch in dieser Welt verzeichnet, er

wird euch nicht für den Verlust im Jenseits entschŠdigen, den ihr durch diesen Mangel

erleidet. Wenn ihr aber diesen Mangel ausgleicht, werdet ihr im nŠchsten Leben

unerme§lich viel gewinnen - selbst dann, wenn ihr in dieser Welt nichts erlangt.

Verwendet diesen Ma§stab jedoch unter keinen UmstŠnden dazu festzustellen, ob

andere GlŠubige oder Heuchler, Muslime oder UnglŠubige sind! Benutzt ihn nur, um

euch selbst zu prüfen, und wenn ihr einen Mangel entdeckt habt, so versucht, ihn zu

beseitigen, bevor ihr vor Allah tretet. Seid euch selbst gegenüber wie ein

Rechtsgelehrter (Mufti) oder ein Richter, der sich nicht um seinen eigenen Willen

kümmert, sondern nur um das Urteil des grš§ten Herrschers, der alles Sichtbare und

Unsichtbare kennt. Seid nicht zufrieden damit, euren Namen im Verzeichnis der

Muslime zu finden, sondern seid besorgt, zu sehen, wie und wo eure Namen im

Verzeichnis Gottes eingetragen sind.

Wahrer Erfolg besteht darin, von Gott, der der endgültige Richter ist, zum Mu'min und

nicht zum Heuchler erklŠrt zu werden, gehorsam statt ungehorsam und glŠubig statt

unglŠubig genannt zu werden.

10. Warum Gott gehorchen?

Geschwister im Islam! Wie ich bereits mehrmals erklŠrt habe, bedeutet "Islam"

unbedingte Unterwerfung unter Allah und Seinen Gesandten. Niemand kann

wirklich Muslim werden, bevor er nicht aufhšrt, irgendetwas oder irgendjemandem

neben Gott hšrig zu sein. Man kann nun fragen: Ist Gott derart angewiesen auf unseren

Gehorsam, da§ Er ihn so eindringlich von uns fordert? Ist Er, genauso wie die

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Herrscher dieser Welt, so machthungrig, da§ Er darauf besteht, Seine Macht

aufrechtzuerhalten, indem er uns unterjocht? Versuchen wir, auf diese Frage eine

Antwort zu finden.

Unser Wohlergehen

Der eigentliche Zweck der Forderung nach Gehorsam gegenüber Allah ist im

Wohlergehen des Menschen und seiner Vervollkommnung begründet. Allah ist nicht wie

die Regierenden dieser Welt, die die Menschen zu ihrem persšnlichen Nutzen

unterwerfen. Allah braucht von niemandem etwas. Er braucht weder Steuern von euch

noch hat er es nštig. Villen zu bauen, Autos zu kaufen oder auf eure Kosten Luxusartikel

anzuhŠufen. Er ist von keinem abhŠngig. Was auch immer sich auf dieser Welt befindet,

gehšrt Ihm allein, und Er allein ist der Herr über alle SchŠtze.

Er verlangt nur deshalb Gehorsam von euch, weil er nicht will. da§ der Mensch, das

Geschšpf, das Er als das edelste bezeichnet hat Diener des Satans oder eines

Mitmenschen wird oder sein Haupt vor unwürdigen Dingen beugt. Er will nicht, da§

Seine Statthalter auf Erden in der Dunkelheit der Unwissenheit herumirren und wie Tiere

Sklaven ihrer Triebe werden und sich somit auf die niedrigste Stufe herabwürdigen.

Deshalb betont Er: Gehorcht mir und wandelt unter dem Licht, das Ich durch Meine

Gesandten offenbart habe. So werdet ihr den geraden Weg finden. Wenn ihr diesem

Weg folgt, werdet ihr Würde sowohl in dieser Welt als auch im Jenseits erlangen.

ãEs soll kein Zwang sein im Glauben. Gewi§, Wahrheit ist nunmehr deutlich

unterschieden von Irrtum; wer also sich von dem Verführer nicht leiten lŠsst

und an Allah glaubt, der hat sicherlich eine starke Handhabe ergriffen, die

kein Brechen kennt; und Allah ist allhšrend, allwissend. Allah ist der Freund

der GlŠubigen: Er führt sie aus den Finsternissen ans Licht. Die aber nicht

glauben, deren Freunde sind die Verführer, die sie aus dem Licht in die

Finsternisse führen; sie sind die Bewohner des Feuers, darum müssen sie

bleiben. (Sure 2: 256.257)

Gehorsam gegenüber anderen au§er Allah

Warum irrt der Mensch in der Dunkelheit, wenn er anderen au§er Allah gehorcht, und

warum kann sein Leben nur durch den Gehorsam Allah gegenüber Klarheit erlangen?

Schauen wir uns diese wichtige Frage an:

Unser Leben besteht aus zahllosen Beziehungen und Verbindungen. Die erste

Verbindung ist die mit unserem eigenen Kšrper. HŠnde, Füsse, Augen, Ohren, Zunge,

Herz, Verstand und Magen – alles wurde von Allah in euren Diensten gestellt. Ebenso

wurde euch die Freiheit gegeben, zu entscheiden, wofür ihr dies alles benutzen wollt.

Womit sollt ihr eure MŠgen füllen, und was sollt ihr vermeiden. Welche Arbeit sollen eure

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HŠnde verrichten, und was sollen sie lassen. Wohin sollen euch eure Füsse tragen und

wo stehen bleiben. Was sollen eure Augen sehen, eure Ohren hšren und was nicht.

Was sollt ihr eurer Zunge erlauben, und wann sollt ihr schweigen. †ber welche

Gedanken sollen euer Herz und Verstand nachsinnen und über was besser nicht.

Ihr kšnnt diese, d.h. eure Diener, sowohl gute als auch schlechte Arbeit verrichten

lassen – ganz wie ihr wollt. Sie kšnnen euch in hšchste Hšhen tragen oder aber in

schlimmste Tiefen abstürzen lassen.

Daneben habt ihr Beziehungen zu den Mitgliedern eurer Familie: Vater, Mutter,

Schwester, Bruder, Ehefrau, Kinder und andere Verwandte, mit denen ihr stŠndig zu tun

habt. Ihr müsst euch entscheiden, wie ihr euch gegenüber diesen Menschen verhaltet,

welche Rechte ihr über sie habt bzw. sie über euch haben. Euer Wohlergehen, euer

Glück und Erfolg im Diesseits und im Jenseits hŠngen in hohem Ma§e von eurem

richtigen Verhalten ihnen gegenüber ab. Wenn ihr euch falsch verhaltet, dann wird diese

Welt zu einer Hšlle für euch, und im Jenseits werdet ihr Gott gegenüber verantwortlich

sein.

Ebenso habt ihr Beziehungen zu unzŠhligen anderen Menschen: Nachbarn, Freunden

und auch Feinden. Auch gibt es viele, die euch auf verschiedene Weise Dienste leisten.

Einige habt ihr zu entschŠdigen, von anderen habt ihr etwas zu erhalten. Einige

vertrauen euch ihre Arbeiten an, wŠhrend ihr anderen eure Arbeiten anvertraut. Ihr übt

Macht über bestimmte Menschen aus, wŠhrend andere über euch Macht haben. Kurz

gesagt: In dieser Welt hŠngen euer Glück, eure Ehre und euer guter Name von eurer

FŠhigkeit ab, diese Beziehungen gut zu pflegen.

Auch im Jenseits kšnnt ihr nur dann einen Ehrenplatz bei Gott erwerben, wenn ihr euch

im Leben niemals an dem Recht eines anderen vergriffen oder ihm Unrecht zugefügt

habt. Keiner darf euch dann beschuldigen, sein Leben zerstšrt oder seine Ehre, sein

Eigentum geschŠdigt zu haben. Deshalb müsst ihr diese Beziehungen genauestens

pflegen und sŠmtliche Handlungen vermeiden, die diese Beziehungen nachteilig

beeinflüssen oder unterbrechen.

Beachtet, dass ihr, um die richtigen Beziehungen, ist den Angehšrigen eurer Familie,

mit allen anderen Menschen und auch mit eurem eigenen Kšrper aufrechterhalten zu

kšnnen, bei jedem Schritt das Licht des Wissens benštigt. Ihr müsst wissen, was richtig

und was falsch ist, was gerecht und was ungerecht ist, welche Rechte ihr über andere

und welche andere über euch besitzen, und worin wahrer Nutzen und worin Schaden

besteht.

Wenn ihr euch bemüht, dieses Wissen mit Hilfe eures Verstandes und eurer Gefühle zu

finden, so werdet ihr es nicht schaffen, da euer Ego vom Drang nach sofortiger

Befriedigung seiner Wünsche geblendet ist. Euer Verstand und eure Gefühle werden

von kšrperlicher Lust und spontanen Versuchungen bestimmt. Diese bringen euch dazu,

auf ungesetzliche Weise Geld zu verdienen, Alkohol zu trinken und Ehebruch zu

begehen. Sie stacheln euch an, euch die Rechte der anderen widerrechtlich anzueignen

und das zurückzuhalten, was ihnen zusteht, wenn es für euch von Vorteil ist. Der

Grundsatz hei§t: alles nehmen und nichts geben. Sie werden euch dazu drŠngen,

andere Menschen für eure Ziele zu benutzen, ohne jemand anderem zu Diensten zu

stehen, mit der Begründung, dies mache das Leben leichter und angenehmer.

Wenn ihr euch eurem Ego aushŠndigt, das in solcher Finsternis umherirrt, wird es euch

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zu selbstsüchtigen, verdorbenen und korrupten Menschen machen, und euer Leben

sowohl im Diesseits, als auch euer Leben im Jenseits zugrunde gehen.

Statt eurem Ego zu folgen, wŠre es auch eine zweite Mšglichkeit, sich auf andere

Menschen zu verlassen und sich ihrer Führung anzuvertrauen, damit sie euch in jede

gewünschte Richtung leiten kšnnen. Die Gefahren, die damit verbunden sind, sind

offensichtlich: Selbstsüchtige Menschen machen euch zu Erfüllungsgehilfen ihrer

eigenen Wünsche und unwissende Menschen, die selber nicht rechtgeleitet sind, leiten

euch ebenfalls in die Irre. Tyrannen benutzen euch als Werkzeuge, um euch Gewalt und

Unrecht an anderen begehen zu lassen.

Kurz gesagt: Von menschlichen Wesen wie euch kšnnt ihr nicht das Licht des Wissens

erlangen, das euch befŠhigt, zwischen Richtig und Falsch und zwischen Gut und Bšse

zu unterscheiden, und euch auf den rechten Weg leitet.

Die einzig wahre Führung

Schlie§lich bleibt nur noch eine einzige Quelle der Wahrheit: das Hšchste Wesen, von

dem ihr das notwendige Licht erhalten kšnnt. Gott ist der Allwissende und Allsehende.

Er kennt das Innerste aller

Dinge. Er allein kann euch sagen, worin genau euer Nutzen und euer Schaden liegt. Er

alleine kann erklŠren, welche Handlungen richtig und welche schlecht für euch sind.

Allah hat keine selbstsüchtigen Interessen und verfolgt keine eigennützigen Ziele. Er hat

es nicht nštig, irgendeinen Nutzen durch TŠuschung zu erlangen. Aus diesem Grund ist

jede Anweisung, die Gott, der Heilige und ewig Bestehende, euch zukommen lŠ§t, ohne

jeglichen Hintergedanken und nur zu eurem Wohl gedacht. Allah übt unbedingte

Gerechtigkeit aus. Es gibt nicht das kleinste Element von Ungerechtigkeit in diesem

reinen Wesen. Daher gründen Seine Gebote všllig auf Wahrheit und Gerechtigkeit.

Wenn ihr Seine Gebote befolgt, besteht keine Gefahr, da§ ihr euch selbst oder anderen

irgendein Unrecht zufügt.

Wie erlangt man Gottes Rechtleitung?

Zwei Dinge sind notwendig, um aus dem von Gott gegebenen Licht Nutzen zu ziehen.

Erstens müsst ihr aufrichtig an Allah und Seinen Gesandten (s) glauben, durch den

dieses Licht übermittelt wurde. Das bedeutet, da§ ihr vollkommen sicher sein müsst, da§

jeder Aspekt der Rechtleitung, die der Gesandte Allahs (s) empfangen hat, wahr und

richtig ist, unabhŠngig davon, ob ihr die Weisheit, die dahinter steht, versteht oder nicht.

Zweitens, müsst ihr nach dem Bekennen eures Glaubens dieser Rechtleitung folgen.

denn ohne Gehorsam kann man nichts erreichen.

Angenommen, ein Mann sagt euch. da§ eine bestimmte Sache giftig sei und ihr sie nicht

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essen sollt. Ihr gebt ihm Recht, e§t sie aber trotzdem. Das Ergebnis wird dasselbe sein,

als hŠttet ihr sie ahnungslos gegessen. Worin liegt also der Sinn, etwas zu wissen, ohne

danach zu handeln?

Ihr kšnnt nur dann Gewinn erzielen, wenn ihr Allahs Geboten gehorcht, nachdem ihr

euren Glauben verkündet habt; nur dann. wenn ihr seinen Befehlen gehorcht, ohne blo§

den Glauben an deren RechtmŠ§igkeit vorzutŠuschen. Genauso müsst ihr euch

tatsŠchlich der verbotenen Dinge enthalten - Beteuerungen ohne Taten reichen nicht.

Daher sagt Allah wiederholt:

"Und gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten."

(Sure 5:92)

"Und wenn ihr ihm gehorcht, seid ihr rechtgeleitet." (Sure 24:54)

"Und hüten sollen sich jene, die sich Seinem Befehl widersetzen, da§ sie

nicht von Prüfung heimgesucht oder von schmerzlicher Strafe befallen

werden." (Sure 24:63)

Kein blinder Gehorsam

Ein Mi§verstŠndnis müssen wir hierbei ausrŠumen: wenn wir immer wieder betonen,

da§ nur Allah und Seinem Gesandten Gehorsam geleistet werden soll, hei§t das nicht,

da§ ihr niemand anderem mehr zuhšren dürft. Nein, der Sinn dieser Ermahnung ist, da§

ihr nicht irgend jemandem blindlings folgen, sondern immer zuerst untersuchen sollt, ob

derjenige, der etwas von euch verlangt, dies in †bereinstimmung mit den Befehlen

Allahs und Seines Gesandten tut oder nicht. Im ersten Fall müsst ihr den Rat dieser

Person annehmen, denn ihr gehorcht dann eigentlich nicht ihr, sondern Allah und

Seinem Gesandten. Steht sein Befehl dagegen im Widerspruch zu dem, was Allah und

Sein Gesandter sagen, so müsst ihr natürlich den Gehorsam verweigern.

SelbstverstŠndlich tritt Allah nicht selbst vor euch, um Seine Gebote vorzutragen. Was

auch immer Er an Rechtleitung erlassen wollte, hat Er durch Seinen Gesandten

übermittelt. Der Prophet Muhammad (s) hat zwar die Welt vor mehr als 1400 Jahren

verlassen, die Gebote aber, die er von Allah erhalten hat, sind in Koran und Hadith

bewahrt. Koran und Hadith sind nun aber keine Dinge, die auf euch zukommen, um

euch Gebote und Verbote zu erteilen. Es sind immer Menschen, die euch helfen, euer

Verhalten nach Koran und Hadith auszurichten. So gesehen gibt es also doch keinen

anderen Weg, als den Anweisungen von Menschen, bzw. deren Auslegungen von

Koran und Hadith zu folgen.

Was aber wichtig ist, ist, da§ ihr diesen Menschen nie mit geschlossenen Augen folgt.

Wie wir gesehen haben, müsst ihr erst herausfinden, ob sie euch RatschlŠge in

†bereinstimmung mit Koran und Hadith erteilen oder nicht. Tun sie es, dann obliegt

euch der Gehorsam. Versuchen sie jedoch, euch in die entgegengesetzte Richtung zu

leiten, dann ist es verboten, ihnen zu folgen.

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11. Der Unterschied zwischen Din und Schari'a

Geschwister im Islam! In der religišsen Sprache hšren und benutzen wir oft zwei

bestimmte Wšrter: Din und Schari'a. Aber nur sehr wenige verstehen deren wahre

Bedeutung. Nicht nur Analphabeten, selbst hoch gebildete Muslime und auch viele

religišse Gelehrte kennen nicht den genauen Unterschied zwischen beiden Ausdrücken.

Wegen dieser Unwissenheit werden Din und Schari'a oft miteinander verwechselt und

verursachen gro§e Verwirrung.

Die Bedeutung von Din

Das Wort "Din" wird in mehreren Bedeutungen verwendet. Die erste Bedeutung ist

Oberhoheit, Macht, Herrschaft, Kšnigtum oder Regierung. Die zweite ist ganz

gegensŠtzlich, z. B. Unterordnung, gehorsam. Dienen oder Unterwerfung. Die dritte

Bedeutung ist: abrechnen, urteilen oder Vergeltung mit Belohnung bzw. Strafe. Im Koran

wird das Wort in all diesen drei Bedeutungen verwendet.

Allah sagt:

Wahrlich, der [wahre] Din bei Allah ist der Islam [die všllige Hingabe]! (Sure

3:19)

Hier beinhaltet Din die Lebensweise, in der wir allein Allah als den Inhaber jeglicher

Macht und MajestŠt anerkennen und uns Ihm unterwerfen. Wir dürfen uns vor

niemandem erniedrigen oder Demut zeigen au§er Ihm. Wir dürfen nur Allah als Herrn,

Oberhaupt und Herrscher betrachten und niemals Sklave oder Diener von jemand

anderem sein. Wir dürfen nur Allah als den Herrn von Lohn und Strafe betrachten. Wir

dürfen keine Belohnung erstreben und keine Strafe fürchten au§er der Seinigen. Der

Name dieser Lebensweise, dieser Din, ist Islam.

Eine falsche Form von Din entsteht, wenn man jemand anderem neben Allah

tatsŠchliche Macht zuschreibt, wenn man jemanden als seinen wahren Gebieter und

sein Oberhaupt annimmt, ihn als

Quelle von Belohnung und Strafe betrachtet, vor diesem sein Haupt in Demut beugt, ihm

dient, seinen Befehlen gehorcht, Belohnung von ihm erwartet und seine Strafe mehr

fürchtet als die Allahs. Diese Art von Din wird Allah deshalb niemals annehmen, weil sie

der Wirklichkeit widerspricht.

Kein Wesen im ganzen Universum au§er Gott ist der Besitzer von Macht und Kraft, und

keine Herrschaft noch Oberhoheit bestehen au§er der Seinigen. Der Mensch wurde

nicht erschaffen, um Diener und Sklave eines anderen au§er Gott zu sein. Noch gibt es

jemand anderen au§er dem wahren Herrn, der uns richten und uns belohnen oder

bestrafen kann. Diese Tatsache wird in vielen Versen im Koran erklŠrt:

Und wer einen anderen Din als den Islam begehrt: nimmer soll er von ihm

angenommen werden, und im Jenseits wird er unter den Verlierern sein,

(Sure 3:85)

58

Jeder, der demnach die Herrschaft und das Kšnigtum Gottes mi§achtet, jemand

anderen als seinen Herrn und Meister anerkennt, sein Diener und Sklave wird, irgend

jemand anderen aus eigenem Recht als den Verteiler von Belohnung und Strafe

betrachtet, dessen Verhalten bzw. Din wird niemals von Gott angenommen werden,

denn der Koran sagt:

Und doch war ihnen nichts anderes befohlen worden, als Allah treu in

lauterem Glauben zu dienen [und sich von falschen Gšttern

abzuwenden]...Und das ist der wahrhafte Din. (Sure 98:5)

Gott hat die Menschen nicht geschaffen, damit sie jemand anderem dienen. Daher

müssen sie sich von allen falschen Gšttern abwenden und ihre Unterwerfung oder ihren

wahren Din allein Allah vorbehalten. Sie sollen sich aufrichtig Seinem Dienst widmen

und sich nur ihm gegenüber als verantwortlich betrachten:

Verlangen sie etwa einen anderen als Allahs Din? Ihm ergibt sich, was in den

Himmeln ist und auf der Erde, gehorsam oder wider Willen, und zu ihm

kehren sie zurück. (Sure 3:83)

Wie kann der Mensch jemand anderem als Gott dienen und Ihm ergeben sein, wo doch

alles in den Himmeln und auf Erden Allah untergeben und gehorsam, und für seine

Taten niemand anderem als Gott verantwortlich ist? Versucht der Mensch, einen

eigenen Weg einzuschlagen und im Widerspruch zum ganzen Universum ein eigenes

unabhŠngiges und ungebundenes Dasein zu führen?

Er ist es, der Seinen Gesandten mit der Rechtleitung geschickt hat und dem

wahren Din, auf da§ Er ihn über alle (anderen Arten von) Din siegen lasse;

mag es den Gštzendienern auch zuwider sein. (Sure 9:33)

Allah hat Seinen Gesandten mit dem wahren Din geschickt, um die Herrschaft aller

falschen Gštter zu beenden und den Menschen die Freiheit zu schenken, als Diener von

niemandem au§er dem Herrn der Welten leben zu kšnnen ungeachtet wie sehr dies den

UnglŠubigen und denjenigen, die Vielgštterei betreiben, mi§fŠllt und wie sehr sie diesen

Weg bekŠmpfen mšgen.

Und kŠmpft gegen sie, damit keine Verführung [gegen Gott] mehr stattfinden

kann, und bis Din auf Allah allein gerichtet ist. (Sure 8:39)

Die Botschaft hiervon ist klar: wir müssen uns einsetzen, bis die Oberherrschaft aller

anderen au§er Allahs beseitigt ist, bis allein Sein Wille und Seine Oberhoheit anerkannt

sind und die Menschen ausschlie§lich Ihm dienen.

Daraus gehen folgende Bedeutungen von Din hervor:

¥ Gott als Herrn und Herrscher anzuerkennen.

¥ Nur Ihm gehorsam sein und dienen.

¥ Ihm gegenüber verantwortlich sein, nur Seine Strafe fürchten und Seinen Lohn

erwarten.

Da die Gebote Gottes der Menschheit durch Bücher und Gesandte vermittelt wurden, ist

es ein notwendiger Bestandteil des Din, diesen Gesandten zu gehorchen.

Oh Kinder Adams, wenn zu euch aus eurer Mitte Gesandte kommen, die

euch Meine Zeichen verkünden, dann soll über diejenigen, die dann

59

gottesfürchtig sind und gute Werke tun, keine Furcht kommen, noch sollen sie

traurig sein. (Sure 7:35)

Niemand erhŠlt die Gebote Gottes direkt. Wer also Allah als Herrscher anerkennt, kann

nur dann als Ihm gegenüber gehorsam bezeichnet werden, wenn er auch Seinen

Gesandten gehorcht und der Rechtleitung folgt, die er durch sie erhalten hat.

Die Bedeutung von Schari'a

Schari'a bedeutet "Weg" oder "PfadÒ. Man tritt in die Religion (Din) ein, wenn man Gott

als seinen Herrn anerkannt, es annimmt, Ihm zu dienen und anerkennt, da§ der

Gesandte mit Macht in Seinem Namen ausgestattet ist und das Buch von Allah erhalten

hat. Die Form, in der man dann Gott zu dienen hat, und der Weg, den man geht, um Ihm

zu gehorchen, hei§t Schari'a.

Auch dieser Weg oder Pfad wurde dem Gesandten durch Gott gezeigt. Er lehrt uns, wie

wir den Herrn anzubeten haben, wie wir unsere Kšrper und Herzen reinigen sollen, was

Rechtschaffenheit und Fršmmigkeit ist, wie wir unsere Pflichten erfüllen, GeschŠfte

abwickeln und mit unseren Mitmenschen umgehen sollen - kurz:

Er lehrt uns, wie wir unser gesamtes Leben zu führen haben.

Das Wesen des Unterschieds zwischen Din und Schari'a

Der entscheidende Unterschied zwischen Din und Schari'a ist folgender: WŠhrend die Religion

(Din) immer die gleiche war und ist, wurden zahlreiche Schari'as geoffenbart. Einige

wurden aufgehoben bzw. abgeŠndert, aber diese €nderungen lie§en den Din unberührt.

Der Din von Noah war der gleiche wie der von Abraham, Moses, Jesus, Schu'aib, Hud,

Salih und Muhammad (s), aber ihre Schari'as unterschieden sich voneinander in

gewissem Ma§e. Die vorgeschriebene Art des Gebets und des Fastens waren.

verschieden. Ebenso unterschieden sich Gebote über Erlaubtes (Halal) und Verbotenes

(Haram), Reinheitsvorschriften, Heirats-, Scheidungs- und Erbgesetze. Trotzdem waren

und sind die AnhŠnger von Noah, Abraham, Jesus und Moses und auch wir alle

Muslime. Denn die Religion (Din) ist von allen die selbe, ungeachtet der Unterschiede in

den Regelungen und Gesetzen der Schari'a. Die Religion bleibt gleich, auch wenn sich

die genauen Details ihrer praktischen Ausübung unterscheiden.

Ein Beispiel soll den Unterschied zwischen Din und Schari'a verdeutlichen: Nehmen wir

an, eine Person besitzt viele Diener. Diejenigen davon, die ihren Herrn nicht anerkennen

und seinen Befehlen nicht gehorchen, kšnnen nicht als dessen Diener betrachtet

werden. Nur diejenigen, welche ihn als Herrn anerkennen und es als ihre Pflicht

betrachten, seinen Befehlen zu gehorchen, zŠhlen zu seinen Dienern; die Pflichten, die

sie erfüllen, und die Art ihres Dienens mšgen sich dabei voneinander unterscheiden.

60

Wenn der Herr einem Diener eine bestimmte Form des Dienens gezeigt hat und einem

anderen eine andere Form, so hat keiner das Recht, sich alleine als einen wahren

Diener zu betrachten. Auch wenn zwei Diener den Befehl ihres Herrn auf

unterschiedliche Weise verstehen und beide versuchen, ihn auf ihre eigene Art zu

verwirklichen, so gelten sie beide als aufrechte Diener. Zwar ist es mšglich, da§ der eine

die Bedeutung des Befehls mi§verstanden und der andere den Sinn richtig erfa§t hat,

aber solange sich keiner weigert, dem Befehl an sich zu gehorchen, kann niemand

jenen als ungehorsam bezeichnen und versuchen, ihn zu entlassen.

An diesem Beispiel kann man den Unterschied zwischen Din und Schari'a sehr gut

verstehen. Vor dem Propheten Muhammad (s) hatte Allah verschiedene Gesetze

(Schari'a) durch verschiedene Propheten herabgesandt. Bestimmte Formen des

Dienens wurden jeweils durch einen Propheten verkündet. Alle, die ihrem Herrn

entsprechend einer dieser Formen gedient haben, waren Muslime.

Als der Prophet Muhammad (s) kam, sagte Gott: Ab jetzt hebe ich alle bisherigen

Gesetze auf. Wer mir von nun an dienen will, mu§ dem Gesetz folgen, das ich meinem

letzten Propheten verkünde.

Ab diesem Zeitpunkt hat kein Diener mehr das Recht, sich entsprechend einem Šlteren

Gesetz zu verhalten. Sollte er es dennoch tun, so gehorcht er nicht dem Willen seines

Herrn, sondern seinem eigenen Gutdünken. Solch eine Person kann nicht mehr als

Diener bezeichnet werden - er wird zum Kafir.

Unterschiede zwischen den

Rechtsschulen

Der erste Teil des Beispiels betrifft die AnhŠnger der vergangenen Propheten, der

zweite Teil aber bezieht sich auf die AnhŠnger des Propheten Muhammad (s).

Alle, die glauben, da§ die Schari'a, die Allah durch Seinen Propheten Muhammad (s)

verkündet hat, Allahs Schari'a ist, und da§ es Pflicht sei, ihr zu folgen, ist ein Muslim.

Nun mšgen zwei Personen die Anweisungen der Schari'a auf unterschiedliche Weise

verstehen und beide nach ihrer jeweiligen Einsicht handeln. Egal wie stark sie sich

jedoch unterscheiden, beide bleiben Diener Gottes. Denn beide handeln im Bewu§tsein,

da§ sie den Befehl des Herrn ausführen.

Welches Recht hat in so einem Fall ein Muslim zu sagen, er allein sei der wahre Diener

und der andere nicht? Das Šu§erste, was er sagen kann, wŠre, da§ er selbst, und nicht

der andere, die genaue Bedeutung von Gottes Befehl verstanden habe. Dies berechtigt

ihn aber nicht, den anderen aus den Reihen der Diener Gottes auszuschlie§en, d. h. ihn

einen UnglŠubigen (Kafir) zu nennen. Wer immer eine solche Kühnheit an den Tag legt,

mŠ§t sich die Rolle Gottes an. Es ist, als würde er sagen: "Genauso wie ihr verpflichtet

seid, den Befehlen des Herrn zu gehorchen, ist es auch Pflicht, diese Befehle auf meine

Art zu verstehen. Tut ihr dies nicht, so werde ich euch, kraft meiner persšnlichen Macht,

aus dem Dienst des Herrn entlassen!

Genau aus diesem Grund hat der Prophet (s) gesagt:

61

"Wer einen Muslim unberechtigterweise als UnglŠubigen (Kafir) bezeichnet, dessen

Urteil fŠllt auf ihn selbst zurück (d.h. er selbst wird zum Kafir).M (Bukhari, Muslim).

Gott hat die Unterwerfung unter Seinen Willen zum Prüfstein gemacht, ob jemand

Muslim ist oder nicht. Jemand aber, der darmif besteht, da§ alle sich seiner

persšnlichen Auslegung und seinem Urteil unterwerfen, und sich herausnimmt, andere

Personen aus dem Glauben auszuschlie§en, ungeachtet, ob Gott sie selbst .ausschlie§t

oder nicht, behauptet in Wirklichkeit, da§ Gott nicht der Einzige sei, und ma§t sich selbst

die Stellung eines kleinen Gottes an. Wer eine solche anma§ende Behauptung aufstellt,

lŠuft Gefahr, Kafir zu werden, unabhŠngig davon, ob der von ihm beschuldigte Muslim

tatsŠchlich ein UnglŠubiger ist oder nicht.

Geschwister, ich hoffe, da§ ihr den Unterschied zwischen Din und Schari'a verstanden

habt, und auch, da§ es kein Abirren von der Religion bedeutet, wenn man Gott auf

verschiedene Arten dient. Voraussetzung ist aber, da§ derjenige, der einer bestimmten

Richtung folgt, davon überzeugt ist, da§ sein Tun von Allah und Seinem Gesandten

gewollt ist, und da§ er für seine Handlung einen verlŠ§lichen Beweis aus dem Buch

Gottes oder der Sunna Seines Gesandten (s) vorweisen kann.

Folgen von Intoleranz

Begreift nun den gro§en Schaden, der der Gemeinschaft erwŠchst, wenn man den

Unterschied zwischen Din und Schari'a nicht kennt.

Es gibt unter Muslimen verschiedene Formen, das Gebet zu verrichten. Man kann seine

HŠnde über der Brust oder über dem Nabel verschrŠnken. Der eine trŠgt die Sure Al-

Fatiha vor, wŠhrend er hinter einem Imam betet, ein anderer tut dies nicht. Die eine

Gruppe sagt laut "4mmÒ, wŠhrend es andere in gedŠmpften Ton tun. Jeder von uns folgt

einer bestimmten Methode, in dem vollen Bewu§tsein, da§ auch der Prophet

Muhammad (s) so gebetet hat, und da§ wir für jede dieser Mšglichkeiten genug

Beweise zur Hand haben. Alle sind daher AnhŠnger des Propheten (s).

Einige Menschen aber halten diese Detailfragen der Schari'a für die Grundfragen der

Religion. Sie bilden ihre eigenen Gruppen und machen gesonderte Moscheen auf. Sie

beschimpfen sich gegenseitig, treiben ihre Gegner gewaltsam aus den Moscheen,

führen KŠmpfe und spalten die Umma des Gesandten Allahs in verschiedene Sekten.

Wenn dies nicht ausreicht, beginnen sie unter dem nichtigsten Vorwand, sich

gegenseitig als UnglŠubige, Sünder und Ketzer zu brandmarken. Erst wenn sie allen

anderen ihre eigene Interpretation und ihr eigenes VerstŠndnis aufgezwungen haben,

sind sie zufrieden und glücklich.

Die verschiedenen juristischen Schulen (Madhahib) der Hana§ten, Schafotten, Ahlul-

Hadith usw., die man unter den Muslimen findet, erkennen alle Koran und Hadith als

endgültige AutoritŠt an und leiten daraus, entsprechend ihrem eigenen VerstŠndnis,

Vorschriften ab. Vielleicht ist die Ansicht einer Schule richtig und die einer anderen

falsch. Ich selbst bin auch ein AnhŠnger einer dieser Schulen und diskutiere mit

denjenigen, die ihr nicht angehšren, um ihnen zu erklŠren, was aus meiner Sicht richtig

62

und was falsch ist.

Aber es ist ein gro§er Unterschied, ob man die Meinung eines anderen nur als falsch

betrachtet oder ob man versucht, ihn aus dem Islam auszuschlie§en.

Jeder Muslim hat das Recht, der Schari'a entsprechend seinem VerstŠndnis zu folgen.

Wenn zehn Muslime zehn verschiedenen Methoden folgen, dann sind sie alle Muslime,

solange sie an die Notwendigkeit glauben, sich dem Gesetz Gottes zu beugen. Sie sind

eine einzige Umma, und es gibt keinen Grund für sie, verschiedene Gruppen zu bilden.

Nur diejenigen, die diesen wichtigen Punkt nicht verstehen, sind es, die aus banalen

AnlŠssen die Umma in verschiedene Gruppen spalten, ihre eigenen Gemeinden und

Moscheen einrichten, soziale Beziehungen und Eheschlie§ungen zwischen den

AnhŠngern verschiedener Lehrmeinungen unterbinden und ihre eigenen Grüppchen

organisieren, als ob jede eine eigene Umma sei.

Sektiererei

Der Schaden, der den Muslimen durch diese Fraktionsbildung und Sektiererei entsteht,

kann gar nicht schlimm genug eingeschŠtzt werden. OberflŠchlich gesehen sind die

Muslime eine einzige Umma. Allein in Indien leben heute über 150 Millionen Muslime.

Wenn eine so gro§e Gemeinde wirklich vereinigt wŠre und Hand in Hand arbeiten

würde, um die Rechtleitung Allahs zu verbreiten. wer auf dieser Welt hŠtte dann den

Mut, sich ihr entgegenzustellen? Sektiererei aber hat diese Umma in Hunderte von

Gruppen gespalten, deren Herzen sich voneinander abgewandt haben. Selbst in

schlimmsten Krisenzeiten vermšgen sie es nicht, sich zusammenzufinden. Ein Muslim

einer bestimmten Gruppe hat gegenüber einem anderen Muslim meist mehr Vorurteile

als gegenüber einem Juden oder Christen. Es gibt sogar Zeiten, in denen Mitglieder

einer muslimischen Gruppe sich mit UnglŠubigen zusammentun, um andere

muslimische Gruppen zu erniedrigen.

Wundert euch deswegen nicht, wenn ihr seht, wie Muslime in AbhŠngigkeit und

Knechtschaft von anderen leben - das ist das Ergebnis ihrer eigenen Taten. Auf sie wird

die Strafe herabkommen, vor der Allah in Seinem Buch warnt:

Er hat die Macht, euch ein Strafgericht zu senden aus der Hšhe oder (aus der

Tiefe) unter euren Füssen, oder euch in Sekten zu verwirren und die einen der

anderen Gewalttat kosten zu lassen. (Sure 6:65)

Es ist die Strafe Allahs, wenn wir sehen, wie die Muslime sich spalten, sich gegenseitig

anfallen und hilflos der Tyrannei und Unterdrückung ausgeliefert sind. All dies sind

Formen der Strafe Gottes, unter denen die Muslime von heute in der ganzen Welt

leiden.

Ganz klar ist diese Bestrafung im Pandschab von heute zu sehen - sektiererische

Auseinandersetzungen sind hier weit verbreitet. Deswegen seid ihr trotz eurer

zahlenmŠ§igen †berlegenheit machtlos. Wollt ihr eure Lage verbessern, so müsst ihr die

Hürden zwischen den einzelnen Gruppen niederrei§en, wie Brüder miteinander leben

und in einer einzigen Umma zusammenkommen. Es gibt keine Grundlage in der

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Schari'a Gottes dafür, da§ Schi'iten Sunniten, Hana§ten, Ahlul-Hadith, Deobandis,

Barelvis usw. getrennte Ummas bilden sollen. Diese "Ummas" sind das Produkt von

Unwissenheit. Allah hat uns allein zu einer Umma gemacht - der Umma der Muslime.

12 Der wahre Sinn von 'Ibada

Geschwister im Islam! Es gibt ein wichtiges Wort, das wir Muslime oft benutzen, aber

nur wenig verstehen: 'Ibada. Es ist sehr wichtig, da§ wir seine wahre Bedeutung und

seinen Sinn erfassen. Der einzige Sinn unserer Erschaffung, das Ziel unseres Lebens,

ist. Allah anzubeten und allein Ihm zu dienen, wie Er in Seinem Buch sagt:

Und ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie

mir dienen (sollen). (Sure 51:56)

Daraus wird klar, wie wichtig es ist, die volle Bedeutung von 'Ibada, dem Sinn unseres

Daseins, zu erkennen; ansonsten werdet ihr nicht in der Lage sein, den Zweck Eurer

Erschaffung zu erfüllen. Alles, was nicht seinen Zweck erfüllt, ist zum Fehlschlag

verurteilt. Wenn ein Arzt die Gesundheit seines Patienten nicht wiederherstellen kann.

wird man von ihm sagen, da§ er seinen Beruf verfehlt habe. Das gleiche gilt für einen

Bauer, der seine eigenen Mi§ernten verschuldet. Wenn wir als Menschen nicht fŠhig

sind, den wahren Zweck unseres Lebens, d.h. Ibada, zu erfüllen, dann hei§t das, da§

unser ganzes Leben ein Mi§erfolg war. Hšrt deswegen mit ganzer Aufmerksamkeit zu.

um die Bedeutung von 'Ibada zu verstehen und sie in eurem GedŠchtnis zu behalten,

denn davon hŠngt der Erfolg oder Mi§erfolg eures Lebens ab.

Die Bedeutung von 'Ibada

Das arabische Wort 'Ibada leitet sich von der gleichen Wurzel ab. wie das Wort Abd,

was Diener oder Knecht bedeutet. Daher bedeutet 'Ibada: Die Pflichten eines Dieners zu

erfüllen. Ein Mensch kann erst dann als Knecht eines anderen bezeichnet werden, wenn

er sein ganzes Leben lang in Gehorsam und Dienstfertigkeit ihm gegenüber verbringt,

so wie es sich einem Meister gegenüber ziemt. Eine Person aber, die für ihre Arbeit

bezahlt wird, jedoch nicht die Befehle ihres Meisters erfüllt und ungehorsam ist, kann

kein Diener sein, sondern lŠ§t sich Untreue und AufsŠssigkeit zuschulden kommen.

Wie soll sich ein Diener gegenüber seinem Herrn verhalten?

á Die erste Pflicht eines Dieners ist es, allein seinen Gebieter als Herrn zu

betrachten und ihm unbedingte Treue zu leisten, da er es ist, der ihn ernŠhrt und

beschützt.

á Seine zweite Pflicht besteht darin, seinem Herrn gegenüber immer gehorsam zu

sein, seine Befehle gewissenhaft auszuführen und es zu unterlassen, seinen

64

persšnlichen Wünschen und Meinungen zu folgen oder sich entgegen dem Willen

des Herrn nach anderen zu richten. Ein Diener ist zu jeder Zeit und unter allen

UmstŠnden ein Diener. Er hat kein Recht, einer bestimmten Anweisung seines

Herrn zu gehorchen und eine andere zu mi§achten. Ebensowenig kann er sagen,

er wolle nur für eine bestimmte Zeit Diener sein und den Rest der Zeit seine

Pflichten vernachlŠssigen.

á Die dritte Pflicht ist es, seinen Herrn zu achten und zu verehren, und zwar so, wie

sein Herr es dargelegt hat. Wenn er in seiner Treue und seinem Gehorsam tief

und stark ist, mu§ er stŠndig gegenwŠrtig sein und sich seinem Herrn zeigen,

wenn dieser es von ihm verlangt.

Dies sind die Eigenschaften, die zusammengenommen das Wesen von 'Ibada

ausmachen: Treue. Gehorsam und Achtung bzw. Verehrung.

Was Allah von uns verlangt, wenn er sagt: Ich habe die Dschinn und die Menschen nur

darum erschaffen, damit sie mir dienen", ist in erster Linie, da§ wir nur Ihm und niemand

anderem folgen sollen Wir sollen ungeachtet jeglichen Widerstands nur Seinen Befehlen

Folge leisten und uns nur vor Ihm in Respekt und Verehrung beugen und niederwerfen.

Nur in diesem Sinn findet das Wort im Koran Verwendung. Es ist auch der Kern der

Lehre unseres Propheten (s) und all der anderen Propheten (Friede sei auf ihnen allen),

die Gott vor ihm gesandt hatte. Jeder kam mit derselben Botschaft:

Befohlen hat Er, da§ ihr Ihm allein dient (Sure 12:40)

Es gibt nur einen Machthaber, dem ihr treu sein müsst: Allah. Es gibt ein Gesetz, da§ ihr

erfüllen müsst: das Gesetz Gottes. Es gibt nur ein Wesen, das ihr anbeten sollt: Allah.

Falsches VerstŠndnis von 'Ibada

Was würdet ihr über einen Diener sagen, der, anstatt die Pflichten zu erfüllen, wie sie

von seinem Herrn gefordert werden. blo§ mit gefalteten HŠnden vor diesem steht und

seinen Namen gebetsmühlenhaft wiederholt? Sein Herr befiehlt ihm zu gehen, um

anderen Menschen gegenüber seine Aufgaben zu erfüllen, er aber bleibt, wo er ist.

Immer wieder beugt er sich vor ihm und grüsst ihn, verharrt aber ansonsten wie

angewurzelt mit gefalteten HŠnden. Sein Herr weist ihn an, einen Kampf gegen das

Schlechte zu führen, der Diener aber rührt sich keinen Zentimeter von der Stelle und

fŠhrt mit seinen Niederwerfungen fort. Sein Herr befiehlt ihm, einem Dieb die Hand

abzutrennen, der Diener aber steht da und rezitiert mit melodischer Stimme: "Schlagt

dem Dieb die Hand ab, schlagt dem Dieb die Hand ab", ohne zu versuchen, ein System

zu errichten, unter dem einem Dieb wirklich die Hand abgetrennt würde.

Ist dieser Mann wirklich ein Diener seines Herrn? Was würdet ihr tun, wenn einer eurer

Diener sich so verhalten würde?

Warum aber betrachtet ihr Menschen, die sich Gott gegenüber so verhalten, als

aufrichtige und fromme Muslime? Wie steht es um einen Menschen, der vom

Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang mit einer Gebetskette in der Hand den

65

Namen Gottes wiederholt, ohne Unterbrechung Gebete verrichtet und die gšttlichen

Anweisungen des Koran mit schšnster Stimme rezitiert, ohne sich aber anzuschicken,

diese Anweisungen auch auszuführen? Wenn ihr ihn bei seinem "Gottesdienst" seht,

ruft ihr aus: "Was für ein frommer und hingebungsvoller Mensch!" Ihr irrt euch, weil ihr

nicht die richtige Bedeutung von 'Ibada kennt.

Ein anderer Diener ist Tag und Nacht damit beschŠftigt. Pflichten zu erfüllen, die andere

Menschen ihm aufgegeben haben. UnablŠssig mi§achtet er die Befehle seines eigenen

Herrn, versucht dies aber dadurch zu vertuschen, da§ er sich zu den vorgeschriebenen

Zeiten bei diesem einfindet und ohne Pause Lobhudeleien darbringt. Wenn ihr einen

solchen Diener hŠttet, was würdet ihr mit ihm tun? Würdet ihr ihm nicht seine

Begrüssung einfach zurückweisen? Wenn er zu euch kommen und euch Herr und

Meister nennen würde, würdet ihr ihm nicht antworten: "Du bist ein unverschŠmter

Lügner und Betrüger! Du nimmst dein Gehalt von mir, dienst aber anderen. Du nennst

mich einen Meister, dienst aber in Wahrheit jedem anderen au§er mir!" Leuchtet dieses

einfache Beispiel nicht ein?

Wie erstaunlich aber ist es, da§ die Gebete, das Fasten, das Wiederholen der Namen

Gottes mit der Gebetskette, das Koranlesen, die Pilgerfahrt und Armenabgabe (Zakat)

dieser Leute für euch Gottesdienst darstellen, obwohl sie doch Tag und Nacht das

Gesetz Gottes verletzen oder es mi§achten und den Gesetzen der UnglŠubigen folgen.

Nur aufgrund eurer falschen Vorstellung von 'Ibada urteilt ihr so oberflŠchlich!

La§t uns einen anderen Diener betrachten. Seine Uniform ist ma§geschneidert und

sauber - ganz wie sein Herr es von ihm verlangt. Er zeigt sich vor ihm mit dem

Hšchstma§ an Respekt und Verehrung. Sobald er einen Befehl hšrt, verbeugt er sich

und sagt: "Ich werde aus ganzem Herzen gehorchen." Er macht einen Eindruck, als ob

es keinen treueren Diener als ihn gŠbe. Immer tut er sich in den Lobpreisungen seines

Herrn hervor. Heimlich aber hilft dieser Mann den AufstŠndischen und Feinden seines

Herrn. nimmt an den Verschwšrungen teil, die sie gegen ihn aushecken, und arbeitet mit

ihnen zusammen, um den Namen seines Herrn zu erniedrigen. Im Dunkel der Nacht

begeht er Einbrüche in dessen Haus, am Morgen aber steht er wieder mit gefalteten

HŠnden vor seinem Herrn, ganz wie die anderen treuen Diener.

Was würdet ihr über einen solchen Diener sagen? Gewi§, ihr sagt, er sei ein Heuchler,

Aufrührer und VerrŠter. Wie aber bezeichnet ihr die sogenannten Diener Gottes, die sich

so verhalten? Ihr nennt sie Scheich, Maulana, Pir usw. Ihr haltet sie für fromme MŠnner

Gottes. Ihr habt euch von ihrer Šu§eren Erscheinung, von ihren wallenden BŠrten,

langen GewŠndern und den Malen, die sich auf ihren Stirnen durch unablŠssiges

Niederwerfen im Gebet gebildet haben, und ihren Gebetsketten mit den gro§en Perlen

tŠuschen lassen. Wieder rührt dieses Mi§verstŠndnis daher, da§ ihr den Sinn von 'Ibada

und ReligiositŠt nicht richtig verstanden habt.

Ihr denkt, da§ allein das Stehen in Richtung der Qibia Gebetsrichtung) mit gefalteten

HŠnden, das Beugen mit den HŠnden auf den Knien, das Niederwerfen mit der Stirn auf

dem Boden und das Sprechen einiger ritueller SŠtze schon Gottesdienst ('Ibada) sei. Ihr

meint, da§ das Hungern und Dursten von morgens bis abends an den Tagen des

Ramadan, das blo§e Vortragen einiger Suren aus dem Koran oder der Besuch von

Mekka und die Umrundung der Ka'ba 'Ibada sei. Kurz gesagt: Ihr glaubt, da§ 'lhada nur

aus dem Verrichten einiger Šu§erlicher Rituale und Anbetungszeremonien bestehe.

66

Immer wenn ihr jemanden seht, der diese Handlungen ausführt, denkt ihr. da§ er seine

Pflichten verwirklicht habe und ein wahrer Gottesdiener sei. Der Zweck des Koranverses

sei somit erfüllt:

'Und ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie

mir dienen."

'Ibada - Dienen das ganze Leben hindurch

Die Form von 'Ibada aber, für die Gott euch erschaffen, und die auszuführen er euch

befohlen hat, ist všllig anders: Ihr sollt dem Gesetz Gottes in allen euren Lebenslagen

folgen und alle Gesetze ablehnen, die ihm widersprechen. Jede eurer Handlungen mu§

mit der Rechtleitung Gottes im Einklang stehen. Nur dann wird euer Leben ein Leben

der Anbetung und des Gottesdienstes sein. Führt ihr ein solches Leben, so wird alles

zur 'Ibada: Ob ihr schlaft oder wach seid, e§t oder trinkt, arbeitet oder euch ausruht,

schweigt oder sprecht - alles wird zu einer Handlung der 'Ibada. Selbst wenn ihr zu

euren Familien geht und eure Kinder küsst, dient ihr Gott.

All diese Handlungen, die man gewšhnlich als weltlich betrachtet, werden religišs,

vorausgesetzt, ihr beachtet dabei die Grenzen, die euch Gott gesetzt hat, und pa§t bei

jedem Schritt auf, was erlaubt [Halal] und was verboten [Haram], was euch als Pflicht

auferlegt, und was zu vermeiden ist, welche Handlungen Gott zufriedenstellen, und

welches sein Mi§fallen erregen.

So mšgen sich z.B. in eurem tŠglichen Leben Gelegenheiten zu unrechtmŠ§iger

Bereicherung ergeben. Wenn ihr dieser Versuchung widersteht, und aus Gehorsam

gegenüber Gott euren Lebensunterhalt nur auf erlaubte Weise zu verdienen sucht, dann

wird eure Arbeit selbst zur Ibada, wofür ihr Belohnung verdient. Das Brot, das ihr für

euch, eure Frau, eure Kinder und Bedürftige nach Hause bringt, wird von Gott gesegnet

werden.

Mit allem, was ihr tut und mit jeder Minute, die ihr in Erfüllung Seines Willens und mit der

Suche nach Seinem Wohlgefallen verbringt, betet ihr Ihn an: wenn ihr einen Stein oder

ein anderes Hindernis von der Stra§e rŠumt, weil sie einen anderen Menschen verletzen

kšnnten; wenn ihr einen Kranken versorgt, einen Blinden führt oder einem Menschen in

Not helft; wenn ihr euch vor Lüge, übler Nachrede, Verleumdung und sarkastischen

Bemerkungen hütet; wenn ihr euch davor in acht nehmt, andere zu verletzen; wenn ihr

im GesprŠch immer aufrichtig und gerecht seid.

Wahre 'Ibada ist es daher, dem Gesetz Gottes zu folgen und das eigene Leben von der

Kindheit bis zum Tod in †bereinstimmung mit Seinen Geboten zu führen. Für 'Ibada gibt

es keine bestimmte Zeit, sie mu§ ohne Unterla§ verrichtet werden. Ebensowenig gibt es

nur eine bestimmte Form; in allem, was ihr sagt und tut, müsst ihr Gott verehren.

Genauso wenig, wie ihr sagen kšnnt: "Ich bin nur zu dieser bestimmten Zeit Diener

Gottes und ansonsten habe ich frei, kšnnt ihr eine bestimmte Zeit dem Gottesdienst

vorbehalten und die verbleibende Zeit davon ausgrenzen. Wenn ihr Gott wirklich verehrt

und anbetet, Ihn liebt und fürchtet, werden alle eure Taten durch diese Gefühle motiviert

67

und zu Gottesdienst werden.

Nun mšgt ihr fragen: Was ist dann die Stellung von Dingen wie Gebet [Salah],

Armensteuer (Zakat), Fasten (Saum), Wallfahrt (Hadsch) usw.?

Diese Formen des Gottesdienstes, die Allah uns verpflichtend vorgeschrieben hat,

sollen uns eigentlich auf die grš§ere und alles umfassende 'Ibada vorbereiten, die wir

wŠhrend unseres ganzen Lebens zu verrichten haben. Sie sind die Werkzeuge, mit

denen unser Leben mit Gottesdienst angefüllt wird. Das Gebet erinnert uns fünf Mal am

Tag daran, da§ wir Diener Gottes sind, und mir Ihm allein dienen sollen. Das Fasten

bereitet uns jedes Jahr wŠhrend eines ganzen Monats darauf vor. Die Armenabgabe

erinnert uns immer wieder daran, da§ das Geld, das wir verdient haben, ein Geschenk

Gottes ist. Wir dürfen es nicht nur für materielle Dinge, auch nicht für reine

Bedarfsartikel ausgeben, sondern wir müssen auch an den Anteil für den Weg Gottes

denken. Die Wallfahrt hinterlŠ§t im Herzen einen solchen Eindruck der Liebe und der

MajestŠt Gottes, da§ uns ihre Wirkung, wenn sie erst einmal fest verwurzelt ist. wŠhrend

des ganzen Lebens nicht mehr verlŠ§t.

Wenn ihr durch das Ausführen dieser gottesdienstlichen Handlungen deren wahre

Bedeutung erfa§t habt und euer ganzes Leben eine Verkšrperung der unaufhšrlichen

Anbetung Gottes wird, dann ist euer Gebet unzweifelhaft ein wahres Gebet geworden.

so wie euer Fasten, eure Armenabgabe und eure Pilgerfahrt alle ihre wahre Form

erlangt haben. Erreicht ihr dieses Ziel nicht dann hat es keinen Sinn, sich im Gebet zu

verbeugen und niederzuwerfen, Tage in Hunger und Durst zu verbringen, all die

genauen Details der Wallfahrt durchzuführen und Geld für die Armenabgabe zur Seite

zu legen. Diese Šu§erlichen gottesdienstlichen Rituale Šhneln dem menschlichen

Kšrper: Solange er eine Seele hat, sich bewegt und arbeitet, ist er ein lebendes

menschliches Wesen. Ist aber seine Seele entwichen, so ist er nichts mehr als ein

Leichnam. Ein Leichnam hat HŠnde und Füsse, Augen und Nase, aber da er keine Seele

hat, begrŠbt man ihn unter der Erde. Genauso verhŠlt es sich mit den religišsen

Ritualen, wenn sie sinnentleert geworden sind und keine Furcht vor Gott, keinen

Gehorsam, keine Liebe und Treue zu Ihm hervorbringen.

Versuchen wir nun herauszufinden, wie uns jede Handlung des rituellen Gottesdienstes

auf ein ganz der Anbetung gewidmetes Leben vorbereitet. Erkennen wir, welche gro§e

und wunderbare Wirkung eine jede davon auf unser Leben haben kann, wenn wir sie in

vollem VerstŠndnis ihrer Bedeutung und ihres Zwecks durchführen.

68

KAPITEL III

SALAH

13 Bedeutung und Segen des Gebets

Geschwister im Islam! Die grundlegende und wichtigste Form der Anbetung unter

denen, die Allah uns gelehrt hat, ist das Gebet (Salah). Es bereitet uns darauf vor. Ihn

unser ganzes Leben lang anzubeten - der Zweck, für den Er uns erschaffen hat.

†berlegt sorgfŠltig, warum es so wichtig ist, und was seine wahre Bedeutung ist.

Sich an Gott erinnern

Das Gebet ist eine Form der Anbetung. Wir sollten uns daher zunŠchst ins GedŠchtnis

zurückrufen, was Anbetung bedeutet. Anbetung bedeutet, Gott wŠhrend unseres

ganzen Lebens zu verehren, Ihm zu dienen und zu gehorchen. Wir wurden als Diener

Gottes geboren, zu keiner Zeit und unter keinen UmstŠnden kšnnen wir aufhšren, Ihm

zu dienen. Und wir bleiben Seine Diener, wie Gott es von uns wollte, als Er uns erschuf.

Genauso wenig wie ihr sagen kšnnt, da§ ihr nur für eine bestimmte Zeit die Geschšpfe

Gottes seid, genauso wenig kšnnt ihr sagen, da§ ihr Ihm nur zu bestimmten Zeiten dient

und den Rest der Zeit so verbringt, wie es euch gefŠllt. Ihr seid dafür geboren, Ihn

anzubeten. Daher sollt ihr euer ganzes Leben mit 'Ibada verbringen, und ihr dürft dies

nicht einen einzigen Moment vernachlŠssigen.

Genau aus diesem Grund verlangt Anbetung nicht, die Alltagswelt aufzugeben, in einer

Ecke zu sitzen und den Namen Gottes anzurufen. Anbetung bedeutet, da§ alles, was ihr

in dieser Welt tut, in †bereinstimmung mit Gottes Geboten stehen soll. Ob ihr schlaft,

wach seid, e§t, trinkt oder arbeitet, jede eurer AktivitŠten ist eine Anbetung Allahs, wenn

ihr sie aus Gehorsam Ihm gegenüber verrichtet.

Wenn ihr zu Hause seid mit euren Frauen und Kindern, Brüdern, Schwestern und

Verwandten, dann verhaltet euch ihnen gegenüber genauso, wie Gott es festgelegt hat.

Wenn ihr euch mit euren Freunden unterhaltet und euch vergnügt, dann bleibt euch

dessen bewu§t, da§ ihr Diener Gottes seid. Wenn ihr zur Arbeit geht und GeschŠfte mit

den Menschen abwickelt, dann behaltet Gottes Gebote darüber im Auge, welches

Verhalten richtig und rechtmŠ§ig ist und welches nicht.

Wenn ihr in der Dunkelheit der Nacht glaubt, eine Sünde begehen zu kšnnen, die

69

niemand in der Welt sehen kann, dann erinnert euch daran, da§ Gott euch sieht, und

da§ Er es ist, nicht eure Mitmenschen, den ihr fürchten sollt. Wenn ihr euch an einem

Ort befindet, an dem ihr ohne Angst vor der Polizei oder anderen Zeugen ein

Verbrechen begehen kšnntet, dann ist es an der Zeit, da§ ihr euch daran erinnert, da§

Gott alles sieht, und da§ ihr unterlassen müsst irgendetwas, das Ihm mi§fŠllt, wegen

eines vergŠnglichen Gewinns zu tun. Und wenn ihr einen materiellen Verlust erleidet

oder sonstige Nachteile habt, weil ihr dem Weg der Wahrheit und der Ehrlichkeit folgt,

dann nehmt dies ohne Murren hin, im Wissen, da§ es Allah gefŠllt, wenn ihr Ihm

gehorcht, und da§ der Gewinn, den ihr von Ihm erhaltet, jeden zeitweiligen irdischen

Verlust bei weitem überwiegt.

Diese Welt zu verlassen und an einem abgeschlossenen Ort die Perlen der Gebetskette

zu zŠhlen, ist daher kein wirklicher Gottesdienst. Gottesdienst bedeutet, im Alltagsleben

eingebunden zu sein und dabei dem Weg Gottes zu folgen. Was bedeutet, sich Gottes

zu erinnern (Dhikr)? Es bedeutet nicht blo§ das stŠndige Wiederholen des

Gottesnamens "Allah". Die wahre Erinnerung an Gott besteht darin, sich den Namen

und den Willen Gottes ins GedŠchtnis zu rufen, wenn man mit alltŠglichen Handlungen

beschŠftigt ist. Wenn ihr BeschŠftigungen nachgeht, die dazu geeignet sind, euch Gott

vergessen zu lassen, und ihr ihn trotzdem nicht verge§t, dann habt ihr euch Seiner

erinnert. In diesem Leben, in dem es viele Gelegenheiten gibt, Gott gegenüber

ungehorsam zu sein, und wo überall Versuchungen mit gro§em Profit lauern, müsst ihr

euch stŠndig an Gott erinnern und unentwegt Seinem Gesetz folgen. Dies ist die wahre

Erinnerung an Gott, auf die sich der Koran bezieht:

Und wenn das Gebet beendet ist, dann zerstreut euch im Land und trachtet

nach Allahs Gnadenfülle und gedenkt Allahs hŠufig, auf da§ ihr Erfolg haben

mšgt. (Sure 62:10)

Der Segen des Gebets

Behalten wir die umfassende Bedeutung von 'Ibada in Erinnerung und sehen wir, wie

uns das Gebet hilft, die QualitŠten zu verwirklichen, die für eine solche 'Ibada

lebensnotwendig sind, und welchen Segen es uns verleiht.

Eine stŠndige Erinnerung

Als erstes ist es für uns erforderlich, da§ wir uns stŠndig dessen bewu§t sind, da§ wir

Diener Gottes sind, und da§ jeder Augenblick unseres Lebens Seiner Anbetung und

dem Gehorsam Ihm gegenüber gewidmet sein mu§.

Dieses Bewu§tsein aufrechtzuerhalten, ist keine leichte Aufgabe, denn die Stimme des

Satans sagt euch stŠndig: "Folgt mir, und gro§er Nutzen erwartet euch!" Auch drau§en

begegnet ihr einer Vielzahl von Satanen in verschiedenen Formen, die euch auffordern:

70

"Folgt uns, sonst werdet ihr euch bald in Schwierigkeiten befinden!" Der List dieser

Satane kšnnt ihr nur widerstehen, wenn ihr euch stŠndig daran erinnert, da§ ihr die

Diener von niemandem au§er Gott seid.

Genau dies geschieht durch das Gebet! Wenn ihr am Morgen aufsteht, erinnert euch

das Gebet hieran, noch bevor ihr euren Tag beginnt. Wenn ihr wŠhrend des Tages mit

eurer Arbeit beschŠftigt seid, erinnert euch das Gebet drei Mal an diese Tatsache. Und

bevor ihr zu Bett geht, werdet ihr noch einmal daran erinnert. Das ist der erste Segen

des Gebets. Aus diesem Grund wird das Gebet im Koran als "Erinnerung" beschrieben

(Sure 29:45). Die wahre Bedeutung des Gebets und sein Zweck liegen in der

Erinnerung Gottes.

Pflichtgefühl

Da ihr bei jedem Schritt in eurem Leben Gott gehorchen sollt, ist es erforderlich, da§ ihr

eure Pflichten kennt und die Gewohnheit annehmt, sie prompt zu erfüllen. Aber wenn ihr

nicht einmal eure Pflichten kennt, wie kšnnt ihr dann Gottes Wohlgefallen erlangen und

Seinen Befehlen gehorchen? Jemand, der zwar seine Pflichten kennt, sich aber trotz

seines Wissens wegen Disziplinlosigkeit nicht um die Erfüllung der Pflichten kümmert,

kann niemals erwarten, da§ er vorwŠrts kommt und Gott zu jeder Stunde des Tages

gehorcht, wie er es müsste.

Diejenigen, die in der Armee oder bei der Polizei gedient haben. wissen, wie man ihnen

beigebracht hat, ihre Pflichten zu verstehen und auszuführen. Mehrmals am Tag und in

der Nacht wird das Hšrn zum Appell geblasen und Paraden werden abgehalten. Der

Zweck dieser †bungen ist es, die Menschen so zu trainieren, da§ sie auf Befehle

reagieren und sie ausführen. Durch diese †bung werden sehr schnell diejenigen

Menschen ausgesondert, die unfŠhig sind. dies zu tun, oder die zu faul sind. In der

gleichen Weise ruft euch das Gebet fünf Mal am Tag. Wenn sie den Adhan hšren,

müssen sich die Soldaten Allahs von allen Seiten schnell zusammenfinden und

beweisen, da§ sie darauf vorbereitet sind, Seinem Ruf zu gehorchen. Die Muslime. die

nicht reagieren, wenn sie den Adhan hšren, zeigen, da§ sie entweder die Wichtigkeit

und Bedeutung ihrer Pflicht gegenüber Gott nicht verstehen oder, falls sie sie verstehen,

da§ sie so nutzlos sind, da§ sie sich nicht eignen, in der Armee Allahs zu verbleiben.

Aus genau diesem Grund hat der Prophet (s) gesagt, da§ er am liebsten hingehen und

die HŠuser derjenigen anzünden würde, die sich nicht bewegen, nachdem sie den

Adhan gehšrt haben (Bukhari, Muslim). Und darum wurde in einem Hadith das Gebet

als der Unterschied zwischen Islam und Kufr beschrieben (überliefert von Muslim).

WŠhrend der Zeit des Propheten (s) und seiner GefŠhrten wurde niemand als Muslim

betrachtet, solange er nicht am Gemeinschaftsgebet teilnahm - selbst die Heuchler

sahen sich genštigt zu kommen. Sie wurden getadelt, nicht, weil sie das Gebet

unterlie§en, sondern weil sie es auf halbherzige Weise verrichteten:

'Und wenn sie sich zum Gebet hinstellen, dann stehen sie ungern auf, nur,

um von den Menschen gesehen zu werden und sie gedenken Allahs nur

71

selten." (Sure 4:142)

Dies zeigt, da§ ihr nicht als wahre Muslime betrachtet werden kšnnt, wenn ihr das

Gebet nicht verrichtet. Islam ist keine Sache des blo§en Glaubens, er ist eine

Lebensweise, die in der Praxis gelebt werden mu§. Islam bedeutet, sich Gott zu

unterwerfen und jede Minute gegen Kufr und alles †bel des Lebens zu kŠmpfen. Die

wichtigste Botschaft des Islam ist: Seid immer darauf vorbereitet. Gott in jedem

Augenblick zu gehorchen.

Das fünfmalige tŠgliche Gebet prüft immer und immer wieder. ob ihr euch in dieser

Weise vorbereitet habt. Diejenigen, die behaupten, Muslime zu sein, werden geprüft, ob

sie ihre Behauptung auch in die Praxis umsetzen. Wenn sie es nicht schaffen, dann ist

ihr Glaube nur von geringem Wert für den Islam. Solche Menschen empfinden das

Gebet als schwer, ihre Herzen sind ohne Ehrfurcht vor Gott, und sie sind nicht bereit,

sich Gott zu unterwerfen.

'Dies (das Gebet) ist wahrlich schwer, au§er für die Demütigen, die davon

eine Ahnung haben, da§ sie ihrem Herrn begegnen und da§ sie zu Ihm

heimkehren werden. (Sure 2:45-46)

Da§ sie das Gebet als zu schwer empfinden, um es zu verrichten, ist Beweis genug,

da§ sie keinen Glauben an Gott haben, keine Gewi§heit darüber, da§ sie zu Ihm

heimkehren, und es zeigt, da§ sie nicht willens oder nicht darauf vorbereitet sind. Ihm zu

dienen und zu gehorchen.

Das Pflichtgefühl gegenüber Gott und das Gefühl, stŠndig darauf vorbereitet zu sein.

Ihm zu gehorchen, ist der zweite Segen, den euch das Gebet bringt.

Im Bewu§tsein Gottes

Sich Gottes bewu§t zu sein bedeutet, sich Seine Anwesenheit zu vergegenwŠrtigen,

sich Seiner Liebe und der Furcht vor Ihm bewu§t zu sein, um die Kraft zu haben, das zu

vermeiden, was Ihm mi§fŠllt. Dieses Gefühl mu§ in euren Herzen stŠndig lebendig sein.

Ihr kšnnt den Islam nicht praktizieren, solange ihr nicht glaubt, da§ euch Gott zu jeder

Zeit und an jedem Ort sieht, da§ Gott all eure Handlungen kennt, da§ euch Gott selbst

in der Dunkelheit beobachtet und da§ Gott auch dann mit euch ist. wenn ihr allein seid.

Ihr kšnnt euch vor der Welt verstecken, aber nicht vor Gott. Ihr kšnnt der Bestrafung der

Welt entkommen, aber nicht Seiner Bestrafung. Es ist dieses Bewu§tsein, dieses

Gefühl, dieser Glaube, der den Menschen davon abhŠlt, Gott gegenüber ungehorsam

zu sein und ihn anspornt, die Grenzen zu beachten, die Allah ihm für sein Leben

auferlegt hat. Ohne dieses Bewu§tsein kšnnt ihr nicht so leben, wie es wahre Muslime

tun. Allah hat euch das fünfmalige tŠgliche Gebet genau deshalb auferlegt, um dieses

Bewu§tsein in den Herzen der GlŠubigen zu stŠrken. Diesen Segen hat Er Selbst so

beschrieben:

"Wahrlich, das Gebet hŠlt von SchŠndlichkeiten und Abscheulichem ab, '

(Sure 29:45)

Dieses Bewu§tsein wird durch das Gebet tief in euch verankert. Zum Beispiel verrichtet

72

ihr das Gebet nur dann. wenn ihr im Zustand der Reinheit seid und die Gebetswaschung

(Wudu9) vorgenommen habt. Aber wer wei§ es, wenn ihr euch nicht gewaschen habt.

oder wenn eure Kleidung unsauber ist, oder wenn ihr nur vorgebt, Wudu' gemacht zu

haben? Niemand! Aber so etwas tut ihr nicht, weil ihr sicher seid, da§ ihr eure

Handlungen nicht vor Gott verstecken kšnnt. Niemand wei§, ob ihr tatsŠchlich die Teile

des Gebets sprecht, die mit leiser Stimme gesprochen werden. Aber warum "betrügt" ihr

nicht auf diese Weise? Weil ihr glaubt, da§ Gott alles hšrt, da§ er euch nŠher als eure

Halsschlagader ist. Und ihr verrichtet das Gebet auch dann, wenn ihr alleine seid -

obwohl niemand da ist, der euch kontrolliert - weil ihr euch bewu§t seid, da§ es

unmšglich ist. irgendein Verbrechen vor Ihm zu verstecken. Auf diese Weise ruft das

Gebet im Herzen des Menschen Gottesfurcht wach und erhŠlt sie ebenso wie den

Glauben, da§ der Mensch in der Gegenwart Gottes lebt. Wie kšnnt ihr 24 Stunden am

lag und in der Nacht Gott anbeten. Ihm dienen und treu bleiben, ohne da§ diese Furcht

und dieses Bewu§tsein stŠndig in euren Harzen erneuert wird? Wie kšnnt ihr ohne

dieses Gefühl in eurem tŠglichen Leben ausschlie§lich um Gottes willen Gutes tun und

Schlechtes vermeiden?

Der dritte Segen des Gebets ist also, da§ es euch stŠndig Gott bewu§t macht.

Wissen um Gottes Gesetz

Der vierte Segen des Gebets ist folgender: Um Gott anzubeten, müsst ihr Sein Gesetz

kennen; denn ohne es zu kennen, kšnnt ihr es nicht befolgen. Das Gebet ist das

Werkzeug, durch das dieses Wissen genŠhrt wird. Die Teile des Koran, die ihr im Gebet

vortragt, lehren euch das Gesetz Gottes. Das Freitagsgebet und die Predigt (Khutba)

geben euch ebenfalls die Gelegenheit, etwas über die islamische Lehre zu erfahren. Es

ist euer eigener Fehler, wenn ihr euch nicht die Mühe macht, die Bedeutung dessen

herauszufinden, was ihr wŠhrend des Gebets lest. Es hat keinen Sinn, wenn ihr euch

darüber beschwert, da§ ihr es nicht versteht, wenn ihr es nicht einmal versucht habt. Auf

der anderen Seite ist es schade, da§ viele Freitagspredigten auf eine Weise gehalten

werden, die nur wenig Wissen über den Islam vermittelt.

Gemeinschaftliches Leben

Kein Muslim darf bei der Anbetung Gottes im Tumult des Lebens alleine gelassen

werden und sich selbst überlassen bleiben. Die Muslime sollen zusammenkommen, um

starke Gemeinschaften zu bilden und sich gegenseitig bei ihrer Lebensaufgabe helfen:

Gott dienen. Ihm gehorchen. Sein Gesetz beobachten und es in der Welt verbreiten.

Diejenigen, die glŠubig sind, und diejenigen, die Ihn zurückweisen, stehen sich immer

gegenüber. Der Kampf zwischen "Ergebung" und "Auflehnung" endet niemals.

Diejenigen, die sich auflehnen, brechen die Gesetze Gottes und setzen an ihrer Stelle

73

satanische Gesetze ein. Ein Muslim alleine kann diesem Ablauf keinen wirksamen

Widerstand entgegensetzen, und es ist daher notwendig, da§ sich die wahren Diener

Gottes zusammenschlie§en, um ihre KrŠfte zu bündeln. Bei der Errichtung dieser

gemeinschaftlichen StŠrke spielt das Gebet die zentrale Rolle. Das Gemeinschaftsgebet

fünfmal am Tag, das Freitagsgebet, die Gemeinschaftsgebete der beiden 'Id-Feste - all

dies lŠ§t euch wie eine starke Mauer werden und schafft in euch Zusammenhalt, Einheit

und Zielstrebigkeit, die erforderlich sind, um euch gegenseitig zu Helfern auf dem Wege

Allahs in eurem tŠglichen Leben zu machen.

Der fünfte Segen des Gebets ist es, den sozialen Zusammenhalt der Umma zu

erzeugen und zu festigen.

14 Die Gebetstexte

Geschwister im Islam! Das Gebet bereitet uns auf die 'Ibada vor. es bereitet uns darauf

vor, Gott zu dienen und Ihm zu gehorchen. Selbst, wenn ihr den genauen Sinn der

Worte, die ihr vortragt, nicht versteht, hŠlt es in euren Herzen die Gottesfurcht und das

Bewu§tsein, da§ Er überall mit euch ist und euch sieht, lebendig. Es erinnert euch

daran, da§ ihr eines Tages, zusammen mit der gesamten Menschheit, vor Gott treten

müsst, um über euer Leben Rechenschaft abzulegen. Das Gebet ruft uns immer wieder

ins Bewu§tsein, da§ wir Diener Gottes und nur von Ihm allein sind. und da§ wir nur Ihm

Gehorsam und Anbetung schulden.

Dabei ist es selbstverstŠndlich, da§ der Glaube tiefer wird, wenn man die genaue

Bedeutung der Worte, die man im Gebet aufsagt, auch wirklich versteht. Dann hat das

Gebet die Kraft, unser ganzes Leben - in Gedanken, Worten und Taten neu zu

gestalten.

Aus diesem Grunde ist es sehr wichtig, die Bedeutung der Gebetstexte zu kennen.

Der Gebetsruf (Adhan) und seine Wirkung

Betrachten wir zunŠchst einmal den Gebetsruf, der die Muslime fünfmal tŠglich mit

folgendem Wortlaut zusammenruft:

Allahu akbar, Allahu akbar

(Allah ist am grš§ten, Allah ist am grš§ten)

aschhadu an la ilaha illa-llah

(Ich bezeuge, da§ es keinen Gott gibt au§er Allah)

aschhadu anna Muhammadan rasulu'llah

74

(Ich bezeuge, da§ Muhammad der Gesandte Allahs ist)

hayya 'ala's-salah

(Kommt zum Gebet)

hayya 'ala-lfalah

(Kommt zum Heil)

Allahu akbar, Allahu akbar

(Allah ist am grš§ten, Allah ist am grš§ten)

La Haha illa'llah

(Es gibt keinen Gott au§er Allah)

Wie kraftvoll ist dieser Ruf und wie schšn seine Worte! Er erinnert uns stŠndig daran,

was für ein Schwindel doch die Machtansprüche sind, die andere Wesen erheben. Es

gibt in den Himmeln und auf Erden nur ein einziges Wesen, das anbetungswürdig ist. In

der Anbetung Gottes allein liegt unser Wohlergehen im Diesseits und im Jenseits. Wer

fühlt sich durch den Gebetsruf nicht innerlich berührt? Wie kann jemand, der Glauben in

seinem Herzen hat, diese Worte hšren, ohne das Verlangen zu verspüren, sich zu

erheben, um sein Haupt vor seinem Herrn zu beugen?

Die Gebetswaschung (Wudu')

Beim Erklingen des Gebetsrufes beginnt der Muslim, sich auf das Gebet vorzubereiten,

indem er die Waschung vornimmt. Dies macht euch klar, da§ ein Empfang vor dem

Herrn der Welten sich grundsŠtzlich von allem anderen unterscheidet. Erst wenn der

Muslim die Waschung vorgenommen hat und seine Kleider sauber sind, darf er vor

seinen Herrn treten. WŠhrend der Waschung mu§ man stets Allahs eingedenk sein.

Nach Beendigung der Waschung spricht der Muslim ein Gebet, welches der Prophet (s)

gelehrt hat. Auf diese Weise wŠscht der Muslim nicht nur seinen Kšrper, sondern auch

sein Herz. Das Gebet lautet folgenderma§en:

Aschhadu an la ilaha illa-llah wahdahu la scharika Iah, wa aschhadu anna

Muhammadan 'abduhu wa rasuluh.

Allahumma-dsch'aini mina-t-tawwabina wa-dsch'aini mina'l mutatahhirin

Ich bezeuge, da§ es keinen Gott gibt au§er Allah. Er ist einzig und hat keinen

Teilhaber. Ich bezeuge, da§ Muhammad Gottes Diener und Gesandter ist.

Oh Allah, lasse mich zu den Reumütigen und den sich Reinigenden gehšren.

75

Die Absicht (Niyya)

Danach stellt man sich zum Gebet (Salah) auf und wendet das Gesicht in

Richtung der Ka'ba in Mekka (Qibia). Dabei beginnt man mit folgenden Worten:

Allahu akbar

Allah ist am grš§ten.

Mit diesem Wort erkennt man die Herrschaft Allahs an. Man erhebt seine HŠnde in Hšhe

der Ohren und stellt sich vor, da§ man der Welt und allem, was in ihr ist, entsagt. Dann

verschrŠnkt man seine HŠnde, steht ehrfurchtsvoll vor Gott und spricht die folgenden

Texte.

Lobpreisung (Tasbih)

Man lobpreist Allah wie folgt:

Subhanaka-llahumma wa bihamdika wa tabaraka' smuka wa ta'ala

dschadduka wa la ilaha ghairuk.

Preis und Lob seien Dir. oh Allah! Segensreich ist Dein Name und hoch

erhaben ist Deine Herrschaft. Es gibt keinen Gott au§er Dir.

Zuflucht (Ta'awwud)

Danach sucht man Schutz bei Allah mit folgenden Worten:

a'udhu billahi min asch'schaitani'r-radschim

Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem verfluchten Satan.

Bismillah - Im Namen Allahs

Dann ersucht man Seinen Segen und Seine Hilfe durch die Anrufung Seines Namens:

Bismillahi-r-rahmani-r'rahim (Im Namen Allahs, des GnŠdigen, des

Bannherzigen)

76

Preis und Dank (Hamd)

Der Muslim preist Allah, dankt Ihm und bittet Ihn um Rechtleitung in seinem Leben. Dies

geschieht mit dem Vortragen der Sure Al-Fatiha, der Eršffnungssure des Koran:

Al'hamdu lillahi rabbi-l 'alamin

Lob sei Allah, dem Herrn der Welten,

ar-rahmani-r'rahim

dem Erbarmer, dem Barmherzigen,

maliki yaumi-d-din

dem Herrscher am Tage des Gerichts.

iyyaka na'budu wa iyyaka nasta'in

Dir dienen wir und Dich bitten wir um Hilfe

ihdina-s'sirata-l mustaqim

Leite uns den rechten Pfad,

sirata'lladhina an'amta 'alaihim

den Pfad derer. denen Du gnŠdig bist,

ghairi-l maghdubi 'alaihim wa la-d-dalin

nicht derer, denen Du zürnst und nicht derer. die in die Irre gehen.

Amin

So sei es! Oh Herr. erhšre unser Gehet!

Das Lesen des Korans

Nach der Rezitation der Sure Al-Fatiha trŠgt man weitere Texte aus dem Koran vor, von

denen jeder voller Weisheit und Schšnheit ist. Darin finden sich Anweisungen,

Ermahnungen, Lehren und Richtlinien, die den Muslim auf den Weg leiten sollen, um

den er gerade zuvor in der Sure Al-Fatiha gebeten hat.

Betrachten wir die Bedeutung einiger Suren, die man oft im Gebet rezitiert:

Sure Al-'Asr (103)

Wal^asr, inna'l insana la§ khusr

Beim Nachmittag (bei der Zeit)! Die Menschen sind wahrhaftig im Verlust.

illa-lladhina amanu wa 'amilu-s-salihati

77

au§er denjenigen, die glauben und gute Werke tun

wa tawasau bil-haqqi wa tawasau bis-sabr

und sich gegenseitig die Wahrheit ans Herz legen und sich gegenseitig zur

Geduld ermahnen.

Diese Sure lehrt uns, da§ der einzige Weg, der den Menschen vor Verlust, Fehltritten

und Schaden bewahrt, der Weg des Glaubens und der guten Werke ist. ZusŠtzlich soll

der GlŠubige sich mit anderen GlŠubigen zusammentun, so da§ sie sich gemeinsam

bemühen und sich gegenseitig darin unterstützen kšnnen, standhaft für die Sache der

Wahrheit einzutreten.

Sure Al-Ma'un (107)

Ara'aita-lladhi yukadhdhibu bid'din

Hast du den gesehen, der die Religion leugnet?

fa dhalika'lladhi yadu'u'l

Das ist der, der die Waise wegstš§t

wa la yahuddu 'ata ta'ami-l miskin

und nicht zur Speisung des Armen anspornt

fa wailul lil'musallin alladhina hum 'an salatihim sahun

Wehe den Betenden, die bei der Verrichtung ihres Gebets nachlŠssig sind,

alladina hum yura'un wa yamna'una'l ma'un

die nur gesehen werden wollen und die Hilfeleistung verweigern!

Diese Sure lehrt uns, da§ wir als Muslime ohne den Glauben an das Jenseits, der eine

Grundlage des Islam darstellt, nicht auf dem Weg Allahs wandeln und auch nicht

unseren Pflichten gegenüber unseren Mitmenschen nachkommen kšnnen. Denn ein

Glaube, der nicht ein Verantwortungsgefühl für die Mitmenschen und das Teilen mit

ihnen einschlie§t, ist kein wirklicher Glaube.

Sure Al-Humaza (104)

Wailul likulli humazati-l lumaza

Wehe jedem lŠsternden Verleumder,

alladhi dschama'a malan wa 'addadah

der ein Vermšgen zusammentrŠgt und es zurücklegt!

78

yahsabu anna malahu akhtadah

Er meint, da§ sein Vermšgen ihn unsterblich mache.

kalla layumbadhanna§'l hutama

Aber nein! Er wird wahrlich in Al-Hutama geschleudert werden.

wa ma adraka ma-l hutama

Doch was lŠ§t dich wissen, was Al-Hutama ist?

naru-llahi-l muqada

Es ist Allahs angezündetes Feuer,

allati tattali'u 'ala-l af'ida

das bis zu dem Innersten der Herzen vordringt.

innaha 'alaihim mu'sada

Es schlŠgt über ihnen zusammen

§ 'amadim mumaddada

in langgestreckten SŠulen.

Auch diese Sure belehrt uns über wichtige soziale Verhaltensweisen. Sie belehrt

diejenigen, die andere verleumden und falsch über sie reden. Die Liebe zu weltlichem

Reichtum führt dazu, da§ wir anderen mit Verachtung begegnen. Aber diesen Reichtum

müssen wir eines Tages zurücklassen, um ihn in Form eines Feuers, das in unseren

Herzen brennen wird, wiederzusehen.

Kurz: Welche Sure oder Verse aus dem Koran wir auch im Gebet vortragen, sie

enthalten immer eine Lehre oder Leitung und zeigen uns die Gebote Gottes auf, an die

wir uns halten sollen.

Verbeugung (Ruku')

Nach der Aufsagen einer Sure bzw. einiger Verse aus dem Koran spricht man erneut

"Allahu akhar" und verbeugt sich vor seinem Herrn, wobei die HŠnde auf den

Oberschenkeln liegen. In dieser Haltung sagt man drei-, fünf- oder siebenmal:

Subhana rabbiya-l 'azim

(Preis sei meinem Herrn, dem Erhabenen)

Dann richtet man sich wieder auf und sagt:

Subhna-llahu liman hamidah, rabbana wa laka'l hamd

(Allah hšrt den, der Ihn lobpreist, unser Herr, gelobt seist Du!)

79

Niederwerfung (Sudschud)

Jetzt sagt man erneut "Allahu akbar" und wirft sich nieder mit den Worten:

Subhana rabbiya'l 'ala

(Preis sei meinem Herrn, dem Allerhšchsten)

Sitzen (Dschalsa)

Dann nimmt man die sitzende Haltung mit "Allahu akbar" ein und spricht folgendes

Gebet:

At'tahiyyatu lillahi was-salawatu wat'tayyibat

(Der Gru§ des Lobes. Gebete und gute Taten gebühren Allah)

as'salamu 'alaika ayyuha-n'nabiyyu wa rahmatu-llahi wa barakatuh

(Friede sei mit Dir, oh Prophet, und der Segen Allahs und Seine Gnade)

as-salamu 'alaina wa 'ala 'ibadi-llahi-s-salihin

(Friede sei mit uns und den aufrichtigen Dienern Allahs)

Aschhadu an la ilaha illa-llah wa aschhadu anna Muhammadan 'abduhu wa

rasuluh

(Ich bezeuge, da§ es keinen Gott gibt au§er Allah, und ich bezeuge, da§

Muhammad Sein Diener und Gesandter ist)

WŠhrend der Rezitation der letzten Zeile dieses Gebets, welche das

Glaubensbekenntnis beinhaltet, erhebt man den Zeigefinger der rechten Hand: Dies soll

die Erneuerung des Versprechens und der Verpflichtung symbolisieren, die der Muslim

mit seinem Leben als Zeuge eingegangen ist. Deshalb soll man diese Worte mit

besonderer Aufmerksamkeit und Betonung aussprechen.

Der Segenswunsch für den Propheten (s)

Vor Beendigung des Gebets spricht man noch folgende SŠtze

Allahumma salli 'ala Muhammadin wa 'ala ali Muhammadin kama sallaita 'ala

Ibrahima wa 'ala ali Ibrahima innaka hamidum madschid. Allahumma barik

'ala Muhammadin wa 'ala ali Muhammadin kama barakta 'ala Ibrahima wa

'ala ali Ibrahima innaka hamidum madschid.

ãOh Allah, schenke Muhammad und seinen Angehšrigen Heil, wie Du

Abraham und seinen Angehšrigen Heil geschenkt hast, wahrlich Du bist der

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Preiswürdige und Ruhmvolle! Oh Allah, segne Muhammad und seine

Angehšrigen, wie Du Abraham und seine Angehšrigen gesegnet hast,

wahrlich Du bist der Preiswürdige und Ruhmvolle!"

Das Schutzsuchen

Zum Schlu§ des Gebets fügt man ein besonderes Gebet an, in dem man den Schutz

Gottes vor allen Einflüssen des Bšsen sucht:

Allahumma inni a'udu bika min 'adhabi dschahan' nam, wa a'udu bika min

'adhabi-l qabr, wa a'udu bika min fitnati'l masihi-d-dadschal, wa a'udu bika

min fitnati'l mahya wal'mamat wa a'udu bika min al-ma'thimi wal'maghrim

"Oh Allah, ich suche Zuflucht vor der Strafe der Hšlle, vor der Bestrafung im

Grab. der Zwietracht des falschen Messias den Prüfungen von Leben und

Tod. und vor Sünde und Schuld."

Der Friedensgru§ (Salam)

Nach dem Vortragen des obigen Bittgebets wird das Gebet abgeschlossen - der

Empfang vor dem Herrn der Welten ist beendet. Dazu wendet man den Kopf zunŠchst

nach rechts, dann nach links und bittet mit den folgenden Worten um Sicherheit und

Segen für alle Weltenbewohner:

As'salamu 'alaikum wa rahmatu-llah,

(Friede sei mit euch und Allahs Gnade)

Dieser Friedensgru§ soll die gute Botschaft symbolisieren, die der Betende den

Menschen nach Beendigung seines Gebets bringt.

Das oben beschriebene Gebet besteht aus zwei Rak'a, wie dies beim Morgengebet der

Fall ist. Zur Mittagszeit steht der Muslim erneut vor seinem Schšpfer im Gebet, ebenso

am Nachmittag und kurz nach Sonnenuntergang, bevor er vor dem Schlafengehen mit

seinem letzten Gebet den Tag beschlie§t.

Das Qunut- Bittgebet

Den abschlie§enden Teil des Nachtgebets bildet das sogenannte Witr- Gebet. In dessen

letzten Rak'a (gewšhnlich der dritten), durch welche die Anzahl aller Rak'a ungerade

wird, schlie§t man einen wichtigen und umfassenden Bund mit seinem Herrn. Dies wird

Qunut genannt, wšrtlich "Anflehung" oder "Ergebenheit". Der Text lautet

81

folgenderma§en:

Allahumma inna nasta'inuka wa nastagh§ruka wa nu'minu bika wa

natawakkalu 'alaika wa nuthni 'alaika-l khaira kullahu wa naschkuruka wa la

nak-furuka wa nakhia'u wa natruku man yafdschuruk

"Oh Allah, wir bitten Dich um Deine Hilfe und Deine Vergebung. Wir glauben

an Dich und vertrauen auf Dich. Wir preisen Dich mit allem Guten. Wir

danken Dir und verleugnen Dich nicht und verlassen jeden, der Dir nicht

gehorcht."

Allahumma iyyaka na'budu wa laka nusalli wa nasd' schudu wa ilaika nas'a

wa nahfidu, wa nardschu rahmataka wa nakhscha 'adhabaka inna 'adhabaka

bilkuffari mulhiq

"Oh Allah, Dir allein dienen wir und Dich allein boten wir an! Vor Dir werfen

wir uns nieder und verneigen uns. Alle unsere Bemühungen und

Anstrengungen sind auf Dich gerichtet. Das Ziel all unserer Taten bist Du. Wir

hoffen auf Deine Gnade und fürchten Deine Strafe. Gewi§ erreicht Deine

Strafe die UnglŠubigen."

Charakterformung

Liebe Geschwister, der Gebetsruf versammelt uns Muslime fünfmal am Tag in der

Gegenwart des Herrn der Welten. Fünfmal am Tag lassen wir alles stehen und liegen,

um zu Ihm zu eilen. Vor Jedem Gebet reinigen wir uns kšrperlich und geistig durch die

Gebetswaschung. Wir kennen alle die Bedeutung dessen, was wir im Gebet sprechen.

Ist es unter diesen Voraussetzungen nicht zu erwarten, da§ Gottesfurcht unser Herz

durchdringt, da§ wir uns schŠmen, Gottes Gebote zu verletzen und da§ unsere Sünden

schwer auf unserem Gewissen lasten? Wie kann also jemand, der vom Gebet zur Arbeit

zurückkehrt, sich erlauben, zu lügen, unehrenhaft zu handeln, die Rechte anderer zu

mi§achten. Bestechungsgelder und Zinsen zu geben oder zu nehmen und unzüchtige

oder unerlaubte Dinge zu tun? Wie kann jemand, wenn er all dies tut, wieder vor Gott

treten, um das nŠchste Gebet zu verrichten und seinen Gehorsam zu bestŠtigen?

36 Mal am Tag sprechen wir den Satz "Dir allein dienen wir, und Dich allein bitten wir

um Hilfe". Kšnnen wir dann hingehen und andere um einen Gefallen bitten?

Richtig verstanden und durchgeführt mu§ das Gebet einen positiven Einflu§ auf unsere

innere Einstellung und Moral haben und - wenn notwendig - auch unser Leben

grundsŠtzlich verŠndern. Deshalb betont Allah im Koran:

"Wahrlich, das Gebet hŠlt ab vor Schandbarem und Verbotenem.Ò (Sure

29:45)

Ist dies nicht der Fall, dann liegt die Ursache bei uns selbst und nicht im Gebet. Es ist

auch nicht die Schuld von Wasser und Seife, da§ Kohle schwarz ist.

Ein wichtiger Grund dafür, da§ das Gebet seine reinigende Wirkung nicht erzielt, kann

auch darin liegen, da§ jemand die Worte, die er auf Arabisch vortrŠgt, nicht richtig

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versteht oder ihnen nicht genug Bedeutung beimi§t. Wenn man sich aber ein bi§chen

bemüht und versucht, diese Verse auch in seiner Muttersprache auswendig zu lernen,

bringt das gro§e Belohnung.

15. Der Segen des Gemeinschaftsgebets

Liebe Geschwister im Islam! Es ist uns allen klar, da§ das Gebet als solches eine

besondere Kraft hat, die es uns ermšglicht, eine hšhere Stufe des Gehorsams und der

Anbetung zu erlangen. Nun stellt euch vor, um wieviel wertvoller es wird und um wieviel

mehr seine Wirkung, eine Wandlung in uns zu vollziehen, steigt, wenn es

gemeinschaftlich verrichtet wird. Gott hat uns mit dieser Form des Gebets ein gro§es

Geschenk gegeben.

Aber zunŠchst sollten wir noch einmal darüber nachdenken, was Gottesdienst bedeutet

und wie wir durch das Gebet darauf vorbereitet werden. Gottesdienst hei§t, sich zum

Diener Gottes zu machen, sich Seinem Willen zu ergeben und stets bereit zu sein, Ihm

zu gehorchen. Die Eigenschaften, die es uns ermšglichen, diese Ebene des

Gottesdienstes zu erreichen, werden in uns durch das Gebet geformt. Dazu gehšren:

das Bewu§tsein, Diener Gottes zu sein; der Glaube an Gott, Seinen Gesandten und

Sein Buch, der Glaube an das Jenseits, Gottesfurcht, das Bewu§tsein, da§ Gott alles

wei§ und immer gegenwŠrtig ist; die WillensstŠrke und Bereitschaft, Ihm zu gehorchen

und das Wissen um Seine Anweisungen.

Persšnlicher Gottesdienst

Weiteres Nachdenken zeigt, da§ der Muslim als Einzelner, mšge er auch noch so

perfekt sein, Gott nicht so dienen kann, wie es Ihm gebührt, es sei denn, er tut dies

zusammen mit anderen Muslimen. Man kann nicht allen Anweisungen Gottes folgen,

bevor nicht all die anderen Menschen, mit denen man Tag für Tag zusammenkommt

und stŠndig in Kontakt steht, nicht ebenso an diesem Gottesdienst teilnehmen. Der

Mensch ist nicht allein auf dieser Welt: sein ganzes Leben ist eingebunden in unzŠhlig

viele Beziehungen zu seinen Familienmitgliedern, GeschŠftspartnern. Freunden,

Nachbarn und Bekannten.

Gottesdienst umfa§t alle diese Beziehungen, ebenso wie er das Innere des Menschen

einschlie§t. Wenn alle diese Menschen sich vereinen, um nach dem Willen Gottes zu

leben, dann kann es ihnen auch gelingen, wahrhaftige Diener Gottes zu werden. Wenn

sie aber alle zusammen ungehorsam sind oder sich nicht gegenseitig in der Befolgung

der Gebote Gottes unterstützen, ist es dann nicht nahezu unmšglich für den Einzelnen,

sein ganzes beben nach dem Gesetz Gottes auszurichten?

Beim aufmerksamen Lesen des Koran wird deutlich, da§ es nicht Gottes Wille ist, da§

83

ein Mensch allein für sich Ihm treu und ergeben ist. Dies ist nicht genug. Wir sollten

bestrebt sein, die ganze Menschheit gottergeben zu machen. Sein Wort zu verbreiten

und Sein Gesetz auf Erden zu errichten. Wo immer die Herrschaft des Satans die

Oberhand hat, mu§ man versuchen, sie zu beseitigen. Niemand au§er Gott allein darf

Herrscher im Leben des Menschen sein.

Diese ungeheure Pflicht, die uns von Allah auferlegt wurde, kann nicht von einem

einzigen Muslim allein erfüllt werden. Selbst Hunderttausende von Muslimen, wenn sie

einzelne Personen bleiben. kšnnen nicht viel gegen die KrŠfte der Diener des Satans

bewirken. Deshalb müssen wir Muslime gemeinsam daran arbeiten, diese ehrenhafte

Aufgabe zu erfüllen, und zwar zielstrebig, aber nicht jeder für sich.

Dies beinhaltet nicht nur, da§ die Muslime sich zusammenschlie§en, sondern da§ sie

auch aufs €u§erste zusammenhalten. Die Beziehungen der Muslime in dieser

Gemeinschaft müssen auf der Grundlage der †bereinstimmung aufgebaut sein, ohne

Auseinandersetzungen und Streitigkeiten. Sie sollen ihrem jeweiligen Oberhaupt

gehorchen und die Grenzen dieses Gehorsams auch wirklich verstehen, d.h. wann es

zu gehorchen gilt und wann nicht.

Im folgenden soll dargelegt werden, wie das Gemeinschaftsgebet alle diese

unabdingbaren Eigenschaften fšrdert.

Der Ruf zur Versammlung

Wenn die Muslime durch den Adhan zum Gebet gerufen werden, lassen sie alles

liegen und stehen, um sich zur Moschee zu begeben. Das Herbeistršmen der

Muslime von allen Seiten beim Hšren des Gebetsrufes und ihr Versammeln an einem

zentralen Ort weckt in ihnen einen Sinn für Disziplin, wie man ihn z. B. auch in der

Armee findet. Dort bedeutet das Ertšnen des Horns, da§ die Soldaten zum

Kommandanten gerufen werden. Ihr unmittelbarer Gedanke ist der, dem Ruf zu

gehorchen und sich an einem zuvor vereinbarten Ort zu sammeln. In der Armee wird

dieses System eingesetzt, um in jedem Soldaten das Gefühl des Gehorsams zu

wecken, und zwar sowohl auf der Ebene des Einzelnen als auch in der Gruppe, und um

sie in einer übereinstimmenden Mannschaft zu vereinigen. Auf diese Weise ist

garantiert, da§ sie im Falle einer bewaffneten Auseinandersetzung als eine Einheit mit

gleichen Zielen kŠmpfen. Wenn Soldaten, unabhŠngig davon wie gut jeder einzelne

kŠmpfen kann und wie gut trainiert und tapfer er ist, im Kampf jeder für sich kŠmpfen

würde, dann kšnnte ein Heer von fünfzig feindlichen Soldaten tausend solcher tapferer

Soldaten besiegen, indem es sich jeden einzelnen vornimmt.

Genau aus diesem Grund ist den Muslimen zur Pflicht gemacht worden, sich fünfmal am

Tag zum Gebet zu versammeln, sobald sie den Gebetsrufhšren, und alles andere hinten

anzustellen. Aber der Vergleich mit den Soldaten endet hier. Als Muslime sind wir die

Armee Gottes, und die Pflicht dieser Armee ist sehr viel hŠrter und unterscheidet sich

viel mehr von irgendeiner anderen Armee auf dieser Welt. Diese Armeen kŠmpfen zu

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einer bestimmten Zeit an einer Front, und meist aus selbstsüchtigen Motiven. Aber die

Armee Gottes kŠmpft einen stŠndigen Kampf, nŠmlich gegen die Macht des Bšsen in

jedem Einzelnen und auf der ganzen Welt. Das fünfmal tŠgliche Versammeln beim

Erklingen des "gšttlichen Hlorns" ist ein Zeichen stŠndiger Bereitschaft für diesen

dauernden Kampf. Angesichts dieser ungeheuren Aufgabe, der die Muslime

gegenüberstehen, darf diese strenge Disziplin keine grš§ere Herausforderung sein.

Gegenseitiges Kennenlernen

Das Versammeln in der Moschee bringt vielerlei Nutzen mit sich: Dort trifft man andere

Geschwister, lernt sich kennen und kommt sich nŠher. Und wodurch kommt man

einander nŠher? Man kommt sich nŠher als Diener Gottes, als Nachfolger des einen

Propheten (s), als Menschen, die an das eine Buch glauben und die ein einziges Ziel in

ihrem Leben haben, sowohl innerhalb als auch au§erhalb der Moschee. Diese

Brüderlichkeit, Einheit und Verbundenheit erwecken automatisch das Gefühl, zu einer

einzigen Gemeinschaft zu gehšren, Soldaten derselben Armee und Geschwister zu

sein. Die Interessen, die Ziele, die Verluste und Gewinne sind dieselben, und das Leben

jedes Einzelnen ist mit dem des anderen verbunden.

Kameradschaft

Innerhalb dieser Gemeinschaft sehen sich die Muslime nicht als Feinde oder Fremde,

sondern als Freunde und Brüder. Deswegen empfindet ein Muslim, der seinen Bruder in

zerrissenen Kleidern oder unglücklich, einen anderen hungrig oder behindert,

verkrüppelt oder blind sieht, automatisch Mitleid mit ihm. Aus diesem Grund sollen

diejenigen unter uns, die gesund sind und denen es gut geht, denen helfen, die arm und

bedürftig sind. Diejenigen, die in Schwierigkeiten sind, müssen den Mut haben, auf die

Reichen zuzugehen. Diejenigen, die aus irgendeinem Grund nicht in die Moschee

kommen kšnnen, soll man zu Hause besuchen. Und wenn ein Bruder stirbt, soll man an

seinem BegrŠbnis teilnehmen und den Kummer mit der trauernden Familie teilen. All

dies stŠrkt das Gefühl gegenseitiger Zuneigung und führt dazu, da§ der eine dem

anderen hilft.

Ein gesegneter Zweck

†berlegen wir weiter: Die Muslime versammeln sich an einem gesegneten Ort zu einem

gesegneten Zweck. Es handelt sich nicht um eine Versammlung von Dieben,

Trunkenbolden, Spielern oder Ausbeutern, sondern um eine Versammlung von Dienern

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Allahs zum Zweck der Anbetung Allahs in Seinem Haus. In einem solchen Rahmen

versinkt eine aufrichtige Person wegen ihrer Sünden unweigerlich in Scham. Aber diese

Scham und der Wunsch nach Reue sind noch grš§er, wenn betroffene Personen oder

solche, die die Sünden bezeugen kšnnten, mit anwesend sind. Der Segen des

Gemeinschaftsgebets wŠchst um ein vielfaches, wenn jedes Mitglied dieser

Gemeinschaft wei§, wie es dem anderen mit Rat zur Seite stehen kann. und wenn jeder

dem anderen mit Zuneigung, Liebe und VerstŠndnis hilft, seine Fehler zu finden und zu

korrigieren. So kšnnen Fehler des Einzelnen schnell beseitigt werden, und die

Gemeinschaft wŠchst schneller in Tugend und Gottesfurcht zusammen.

Brüderlichkeit

Dies ist der Nutzen, der jedem Einzelnen nur durch das blo§e Versammeln zum Zwecke

des Gebets zukommt. Aber es liegt noch viel mehr Segen in der Art und Weise, wie das

Gemeinschaftsgebet verrichtet wird.

Die Muslime stehen in einer Reihe, Schulter an Schulter. Keiner ist in seiner Stellung

hšher oder niedriger als sein Nachbar. Beim Gebet in der Moschee, in der Gegenwart

Gottes, sind alle gleich. Niemand fühlt sich beschmutzt, wenn ihn die Hand oder der

Kšrper eines Mitbetenden berührt. Alle haben die gleiche Reinheit, weil alle Menschen

sind. Alle sind Geschšpfe Gottes und GlŠubige der einen Religion.

SŠmtliche nationalen und sprachlichen Vorurteile werden ebenfalls bedeutungslos.

Obwohl es zwischen den Muslimen viele Unterschiede bezüglich der Familien- oder

Sippenzugehšrigkeit, der NationalitŠt oder der Sprache gibt, stehen dennoch alle in

einer Reihe und beten den Einen Gott an. Dies bedeutet, da§ alle Muslime ein Volk sind

und zu einer Nation gehšren. Trennungen aufgrund der Familie, des Stammes oder der

NationalitŠt verlieren in diesem Augenblick ihre Grundlage. Das verbindende Glied ist

der gemeinsame Dienst an Gott und die Anbetung Gottes. Wenn die Muslime eine

Einheit im Gebet sind, warum sind sie dann in so vielen anderen Dingen

unterschiedlicher Meinung?

Einheitlichkeit in den Gebetshaltungen

Wenn die Muslime im Gebet also Schulter an Schulter stehen, dann bieten sie das Bild

einer Armee, die vor ihrem Herrscher zur Parade aufmarschiert ist. Durch das

gemeinsame Stehen in einer Reihe und den Einklang der Bewegungen entwickelt sich

ein bemerkenswerter Geist der Einheit in jedem Einzelnen. Diese †bung wird von den

Muslimen verlangt, damit sie eins werden im Dienst an Gott, indem sie nŠmlich alle

gemeinsam ihre HŠnde erheben und die restlichen Gebetshaltungen einnehmen, als

wŠren sie nicht zehn, zwanzig, hundert oder tausend Menschen, sondern eine einzige

Person.

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Einheitlichkeit in den Gebetstexten

Was tun die Muslime also, nachdem sie sich in einer Reihe aufgestellt haben?

Einheitlich ergeben sie sich in dem, was sie sprechen, ihrem Herrn:

iyyaka na'budu wa iyyaka nasta'in

(Dir allein dienen wir und Dich allein bitten wir um Hilfe)

ihdina-s'sirata-l mustaqim

(Leite uns den rechten Pfad)

Und ebenso:

Rabbana wa laka-l hamd

(Unser Herr. Lob sei Dir)

As-salamu alaina wa 'ata 'ibadi'llahi-s'salihin

(Friede sei mit uns und den aufrichtigen Dienern Al lahs)

Bei der Beendigung des Gebets bittet jeder um Frieden, Gnade und Barmherzigkeit für

den anderen, indem er spricht

As-salamu 'alaikum wa rahmatu'llah

(Friede sei auf euch und die Gnade Allahs)

Das bedeutet, da§ wir alle dem anderen das Beste wünschen. Alle versammeln sich im

Gebet, um den Einen Herrn um das Wohlergehen aller zu bitten. Keiner ist dabei alleine.

Keiner bittet um alles für sich alleine. Der Wunsch aller ist, da§ die Gnade Allahs allen

zuteil werde, da§ alle auf dem rechten Pfad wandeln und da§ alle gemeinsam an den

Segnungen Allahs teilhaben mšgen.

Auf diese Weise verbindet das Gebot die Herzen, stellt Harmonie her in den Gedanken

und lŠ§t eine Beziehung entstehen, in der jeder dem anderen nur Gutes wünscht.

Leitung des Gebets

SelbstverstŠndlich verrichten die Muslime das Gemeinschaftsgebet nie ohne Imam, der

die Gemeinschaft im Gebet leitet. Selbst wenn nur zwei Muslime gemeinsam beten, ist

einer von ihnen der Imam und der andere folgt ihm. Nachdem sich die Gemeinschaft

(Dschumaa) einmal zusammengefunden hat, ist es nicht mehr erlaubt, das Gebet

au§erhalb dieser Gemeinschaft zu verrichten. Wenn jemand dies trotzdem tut, so ist

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sein Gebet ungültig. Kommt jemand zu spŠt, so mu§ er sich der Gemeinschaft hinter

demselben Imam anschlie§en.

All diese Regeln gelten aber nicht nur für das Gebet. Sie lehren uns nŠmlich etwas sehr

Wichtiges: Wenn man als Muslim leben will, dann soll man so leben, wie man betet:

vereint und organisiert. Eine Gemeinschaft kann ohne Leiter nicht organisiert sein.

Wenn man einmal organisiert ist und sich dann als Einzelner davon abspaltet, so kann

man das Leben des Betreffenden nicht mehr als das Leben eines Muslims bezeichnen.

Wesen und Art der Leitung

Das ganze Leben eines Muslims ist ein Leben des Gebets; die ganze Welt ist für ihn

eine "Moschee", in der nur der eine Gott angebetet werden darf. Die Beziehung

zwischen dem Imam und den Mitbetenden beim Gemeinschaftsgebet soll den Muslimen

wichtige Dinge über die "Führerschaft" vermitteln: wie man sich zu den jeweiligen

Anführern au§erhalb der Moschee verhŠlt; was ihre Pflichten und was ihre Rechte sind;

wie man ihnen Gehorsam leistet und in welchen Angelegenheiten; wie man sich verhŠlt,

wenn sie Fehler begehen; inwieweit man ihnen Folge leisten mu§, wenn sie etwas

falsch machen; wann man das Recht und die Pflicht hat, sie auf ihre Fehler

hinzuweisen; wann man verlangen kann, da§ sie ihre Fehler korrigieren und unter

welchen Bedingungen man sie von ihrer Rolle als Leiter der Gemeinschaft entheben

kann.

Wie man das organisierte und gemeinschaftliche Leben gestaltet, kann man als Muslim

fünfmal am Tag in jeder kleinen Moschee lernen.

Dazu mu§ man nur einige wichtige Regeln beachten, die den Imam und die Leitung der

Gemeinschaft betreffen:

1. Fršmmigkeit und Tugend

Der Imam mu§ vorbildlich in Charakter, Fršmmigkeit und Aufrichtigkeit sein. Er mu§

über ein grš§eres Wissen als die anderen verfügen, was den Islam und besonders den

Koran betrifft. Er sollte etwas Šlter sein. Der Prophet (s) erklŠrte auch, welche dieser

Eigenschaften wichtiger sind als die anderen. Daraus kann man lernen, nach welchen

Gesichtspunkten man einen Leiter für die Gemeinschaft oder ein Oberhaupt für den

Staat auswŠhlt.

2. Mehrheitsentscheidung

Der Imam soll das Wohlwollen und die Achtung der Mehrheit der Gemeinschaft

genie§en. Keiner sollte das Gebet ohne die Zustimmung der Mehrheit leiten. Auch darin

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liegt ein wichtiges Prinzip für die Auswahl eines Leiters.

3. Wohlwollen und Mitgefühl

Ein Imam mu§ die Gemeinschaft im Gebet so leiten, da§ auch die Šlteren Mitglieder

keine Schwierigkeiten haben, dem Gebet zu folgen. Er sollte also keine allzu langen

Suren lesen und nicht zu lange im Ruku' oder Sudschud verweilen, da dies nur für die

jungen, starken und gesunden Mitglieder sowie für solche, die viel Zeit haben,

angemessen ist. Er soll auch auf diejenigen Rücksicht nehmen. die alt, krank, schwach

oder sehr mit ihrer Arbeit beschŠftigt sind. Der Prophet (s) hat uns ein Beispiel in

Freundlichkeit, Mitgefühl und Liebe gegeben: Wenn er hšrte, da§ ein Kind weinte,

wŠhrend er die Gemeinschaft im Gebet leitete, kürzte er gewšhnlich ab, so da§ die

Mutter, die mitbetete, schnell wieder zu ihrem Kind gehen konnte (Bukhari, Muslim).

4. Niederlegung des Amtes

Wenn dem Imam bei der Leitung des Gebets etwas zustš§t, dann mu§ er sein Amt

sofort an eines der Mitglieder, die hinter ihm beten, abgeben. Der Führer eines Staates

mu§ also sein Amt niederlegen, sobald er merkt, da§ er nicht mehr imstande ist. seine

Funktion richtig auszuüben. Darin liegt keine Schande, und auch Selbstsucht darf ihn in

diesem Fall nicht davon abhalten.

5. Gehorsam gegenüber dem Imam

Dem Imam ist wŠhrend des Gebets strengstens Folge zu leisten. Es ist nicht erlaubt,

eine andere Gebetshaltung einzunehmen. bevor nicht auch er dies getan hat. Einem

Hadith zufolge warnt der Prophet (s) denjenigen, der sich vor dem Imam vorbeugt oder

niederwirft. davor, da§ er nach dem Tod als Esel auferstehen würde (Bukhari, Muslim).

Darin liegt für alle Mitglieder der Gemeinschaft eine Lehre, wie man dem zu gehorchen

hat. der die Führungsposition innehat.

6. Hinweisen auf und Verbessern von Fehlern

Der Imam kann natürlich auch einen Fehler im Gebet machen. Er steht z. B. auf, wenn

er eigentlich sitzenbleiben sollte, oder umgekehrt. Auf solche Unachtsamkeiten wird er

dadurch aufmerksam gemacht, da§ man "subhan Allah" sagt, was in diesem

Zusammenhang bedeutet: "Allah ist erhaben, heilig und fehlerlos; es ist nicht

verwunderlich, da§ du einen Fehler begangen hast, aber verbessere ihn!ÒAuf diese

Weise aufmerksam gemacht, mu§ der Imam seinen Fehler ohne Zšgern und

Unbehagen und ohne das Gefühl des Verlusts an Ansehen verbessern.

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Wenn der Imam, nachdem er derart zur Richtigstellung aufgefordert wurde, sicher ist,

da§ das, was er tat, richtig war. dann kann er nach seinem Gutdünken fortfahren. In

diesem Fall ist es die Pflicht der Gemeinschaft, ihm zu folgen, obwohl sie wei§, da§ er

einen Fehler gemacht hat. Nach Beendigung des Gebets haben die Mitbetenden das

Recht, zu versuchen, den Imam von seinem Fehler zu überzeugen und von ihm zu

verlangen, das Gebet zu wiederholen.

7. Kein Gehorsam bei sündigem Verhalten

Die oben beschriebene Vorgehensweise bezieht sich auf geringfügige Fehler. Wenn

aber der Imam entgegen der Sunna des Propheten (s) den Ablauf des Gebets Šndert

oder wissentlich den Koran falsch liest oder wŠhrend des Gebets Worte des Kufr und

Schirk Šu§ert oder eine offenkundige Sünde begeht, dann müssen die Mitglieder der

Gemeinschaft aufstehen und das Gebet abbrechen. Anhand der oben aufgeführten

sieben Punkte lassen sich eindeutige Parallelen ziehen zwischen der Beziehung von

Imam und Gemeinde sowie zwischen dem Oberhaupt eines Staates und den Bürgern.

16: Hat das Gebet seine Kraft verloren?

Liebe Geschwister im Islam! Bestimmt hat sich jeder Muslim schon einmal die folgenden

Fragen gestellt: Warum bewirkt das Gebet, so gut und nützlich es auch sein mag. nur so

wenig in unserem Leben? Warum verbessert es nicht unsere Moralvorstellungen?

Warum verwandelt es die Muslime nicht in eine einzige Kraft. die sich für die Sache

Allahs einsetzt? Warum leben wir weiterhin in Schande und Unterdrückung?

Die übliche Antwort auf diese Frage kšnnte folgenderma§en lauten: Die Muslime beten

entweder nicht regelmŠ§ig oder nicht in der von Allah und dem Propheten (s)

vorgeschriebenen Weise. Aber diese Antwort ist wenig zufriedenstellend. Deshalb sind

ausführlichere ErlŠuterungen notwendig.

Das Gleichnis von der Uhr

Nehmen wir einmal eine Wanduhr. Sie besteht aus sehr vielen miteinander

verbundenen Einzelteilen. Wenn man die Uhr aufzieht, bewegen sich plštzlich alle diese

Teile. Das Ergebnis dieser Bewegung sieht man dann am Zifferblatt. Beide Zeiger

bewegen sich, um Stunden, Minuten und Sekunden anzuzeigen. Die Uhr hat den

Zweck, die genaue Zeit anzuzeigen. Alle Teile, die dazu notwendig sind. wurden

zusammengesetzt, und der Aufziehmechanismus so gebaut, da§ jedes einzelne Teil

sich entsprechend bewegt. Nur wenn alle Teile richtig zusammengesetzt und die Uhr

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richtig eingestellt wurde, kann sie ihren Zweck, für den sie hergestellt wurde, erfüllen.

Zieht man sie nicht auf, dann kann sie auch die Zeit nicht anzeigen. Zieht man sie auf.

aber nicht in der vorgeschriebenen Weise, dann steht sie oder geht nicht richtig. Entfernt

man einige Teile und zieht sie dann auf, passiert überhaupt nichts. Ersetzt man einige

Teile durch die einer NŠhmaschine und zieht sie dann auf. zeigt sie weder die Zeit an.

noch kann sie ein Stück Stoff nŠhen. LŠ§t man alle Teile an ihrem Platz, unterbricht

aber die Verbindungen untereinander, dann bewegt sich auch nach dem Aufziehen

nichts. Allein das Vorhandensein aller Teile erfüllt nicht den Zweck, für den die Uhr

hergestellt wurde, weil die Anordnung der Teile sowie ihre Verbindung verŠndert

wurden.

In all diesen FŠllen ist das Vorhandensein der Uhr und der Vorgang des Aufziehens

nutzlos, obwohl ein Au§enstehender Beobachter nicht sagen kann, da§ es sich nicht um

eine Uhr handele oder da§ man sie nicht aufgezogen habe. Er wird natürlich sagen, da§

es sich um eine Uhr handelt, und er erwartet, da§ sie auch als solche ihren Zweck

erfüllt. €hnlich verhŠlt es sich, wenn er sieht, da§ die Uhr aufgezogen wird. Er freut sich

darüber und hofft, das Ergebnis des Aufziehens beobachten zu kšnnen. Aber wie kann

diese Erwartung erfüllt werden, wenn das. was von weitem wie eine Uhr aussieht, in

Wirklichkeit gar keine Uhr mehr ist?

Das Ziel der muslimischen Gemeinschaft

Stellen wir uns den Islam wie diese Uhr vor. Genauso wie es die Aufgabe der Uhr ist,

die Zeit anzuzeigen, so besteht das Ziel des Islam darin, da§ die Muslime auf der Erde

als die Statthalter Gottes leben, als Zeugen Gottes für die Menschheit und als

Verfechter der Wahrheit. Als Muslime werden wir aufgefordert, allen Menschen den

Islam weiterzugeben:

Ihr seid die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand. Ihr gebietet das,

was Rechtens ist, und ihr verbietet das Unrecht, und ihr glaubt an Allah, (Sure

3:110)

Und so machten Wir euch zu einer Gemeinde der Mitte, auf da§ ihr Zeugen

seiet über die Menschen. (Sure 2:143)

Verhei§en hat Allah denen, die von euch glauben und gute Werke tun, da§

Er sie gewi§ zu Nachfolgern auf der Erde machen wird, (Sure 24:55)

Und kŠmpft gegen sie, damit keine Verführung mehr stattfinden kann, und

kŠmpft, bis sŠmtliche Verehrung auf Allah allein gerichtet ist. (Sure 8:39)

91

Ganzheit der islamischen Lehre

Um diesen Zweck zu erfüllen, sind, wie im Beispiel der Uhr, viele verschiedene Teile

notwendig, und diese wurden im Islam zusammengefügt. Glauben und

Moralvorstellungen, Regeln für das alltŠgliche Leben, die Rechte Gottes, Seiner Diener,

jedes Einzelnen, jeder Sache auf der Welt, der man begegnet. Regeln für das Verdienen

und Ausgeben von Geld, Gesetze für Kriegs- und Friedenszeiten, Vorschriften für das

Regieren und Grenzen des Gehorsams - all dies sind Bestandteile des Islam. Wie bei

der Uhr sind sie so miteinander verbunden, da§, sobald der Aufziehmechanismus

startet, jedes Teil anfŠngt, sich zu bewegen, und mit der Bewegung aller Teile wird der

gewünschte Erfolg erzielt.

Die Herrschaft Gottes auf der Welt und die Herrschaft des Islam werden sich

durchsetzen, genauso wie durch die Bewegung der einzelnen Teile die Uhr die Zeit

anzeigt.

Zur festen Verbindung der einzelnen Teile der Uhr wurden Schrauben und andere kleine

Metallteile verwendet. Zur Verbindung aller Teile des Islam gibt es die Dschama'a bzw.

Organisation. Die Muslime müssen sich organisieren und Anführer haben, die mit

entsprechendem Wissen und mit der nštigen Gottesfurcht ausgestattet sind. Diejenigen

unter ihnen, die Wissen besitzen, sollen ihnen helfen, und die Gemeinschaft mu§ ihnen

gehorchen, denn sie alle sind bestrebt, den Gesetzen Gottes zu folgen.

Wenn alle Teile richtig zusammengefügt sind. ist es notwendig, das Ganze regelmŠ§ig

aufzuziehen, um die Einzelteile in Bewegung zu setzen und einen Stillstand zu

vermeiden: Das fünfmal tŠgliche Gebet ist eine Form des Aufziehens, es setzt die

Energie frei, die für ein aktives Leben im Islam nštig ist.

Auch das Reinigen der Uhr darf nicht vergessen werden: das Fasten an drei§ig Tagen

im Jahr reinigt Herz und Geist. …len ist ebenfalls erforderlich: die Armenabgabe ist wie

šl, das einmal im Jahr alle Teile schmiert. Und schlie§lich ist auch eine

Generalüberholung des Ganzen notwendig: die Pilgerfahrt, die wenigstens einmal im

Leben durchgeführt werden soll. Wird sie jedoch šfter vollzogen, so ist es um so besser.

Sinnentstellung

Die VorgŠnge des Aufziehens, Reimgens, šlens und †berholens sind nur dann von

Nutzen, wenn alle Teile im Rahmengefüge, in der vom Uhrmacher beabsichtigten Weise

zusammengefügt sind und so funktionieren, da§ sie sich unmittelbar beim Aufziehen

anfangen zu bewegen und das Ergebnis hervorbringen.

Leider hat sich die heutige Situation sehr verŠndert. ZunŠchst einmal gibt es die

eigentliche Gemeinschaft, die Organisationsstruktur, die die Einzelteile der Uhr

verbinden soll, als solche nicht mehr. Die Folge davon ist, da§ alle Teile

verlorengegangen sind, und jedes seinen eigenen Weg geht. Jeder tut das, wozu er

Lust hat. Keiner stellt irgendetwas in Frage. Jeder ist für sich und sich selbst genüge.

Wenn jemand nach den islamischen Regeln leben mšchte, kann er das tun, wenn er es

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nicht mšchte, dann mu§ er es auch nicht.

Und weil auch diese sogenannte Freiheit die Menschen nicht zufrieden gestellt hat.

haben sie viele Teile der Uhr herausgenommen und sie durch andere ersetzt: ein

überzŠhliges Teil einer NŠhmaschine, einer Fabrik oder eines Automotors. Wir nennen

uns selbst Muslime, aber trotzdem dienen wir dem Unglauben, trotzdem nehmen wir

Zinsen, versichern unser Leben und reichen falsche Klagen vor Gericht ein. Unsere

Tšchter, Schwestern und Frauen lšsen sich von den islamischen Regeln und unsere

Kinder werden sŠkularistischmaterialistisch erzogen. Manche sind Schüler von Gandhi

geworden, andere wiederum folgen Lenin.

Gibt es irgendetwas Unislamisches, das wir noch nicht in die Uhr des Islam eingebaut

haben?

Trotz alledem erwarten wir, da§ die Uhr funktioniert, wenn wir sie aufziehen! Und

natürlich glauben wir auch, da§ das Reinigen, …len und †berholen einen Sinn hat.

Würden wir aber nur ein bi§chen nachdenken, dann würden wir sehen, da§ wir die Uhr

in dem Zustand, in den wir sie gebracht haben, unser ganzes Leben lang aufziehen,

šlen und überholen kšnnen, ohne da§ es irgendetwas nützt. Es wird sich nichts Šndern,

solange wir nicht die fremden Teile entfernen, sie durch Originalteile ersetzen und die

ursprüngliche Situation wiederherstellen. Dann und nur dann wird das Aufziehen und

alles andere auch zu Ergebnissen führen.

Gottesdienst ohne Auswirkungen

Dieser oben beschriebene Zustand ist die wirkliche Ursache, weshalb Gebet. Fasten,

Armenabgabe und Pilgerfahrt keine Auswirkungen in unserem Leben haben. Es sind nur

sehr wenige unter uns, die diese gottesdienstlichen Handlungen ausführen. Aufgrund

der Auflšsung der islamischen Gemeinschaft ist jeder Einzelne eigenstŠndig geworden.

Ob wir unsere Pflichten erfüllen oder nicht, interessiert niemanden. Und auch diejenigen,

die ihre Pflichten offensichtlich ausüben, tun dies nicht richtig. Sie nehmen nicht

regelmŠ§ig am Gemeinschaftsgebet teil. Man wŠhlt jemanden als Leiter für das Gebet

aus, nur weil er nichts anderes zu tun hat. Das sind Menschen, die von dem Brot leben,

das in den Moscheen kostenlos verteilt wird, Menschen ohne Bildung und ohne

moralische QualitŠten. Wie kšnnen Gemeinschaftsgebete, die von solchen Menschen

geleitet werden, uns in Führer für die Menschheit verwandeln? €hnlich ist es, was das

Fasten, die Armenabgabe und die Pilgerfahrt anbelangt.

Trotz all der aufgezŠhlten Fakten, so kann man argumentieren, gibt es doch immer noch

genug Muslime, die ihre religišsen Pflichten gewissenhaft ausführen. Aber warum macht

das keinen Unterschied? Nun, wie bereits erwŠhnt, wenn die Teile der Uhr

verlorengegangen und zahlreiche fremde Teile an ihrer Stelle eingesetzt wurden, dann

ist es gleich, ob man sie aufzieht, reinigt und šlt oder nicht. Von weitem sieht es wie eine

Uhr aus. Ein Au§enstehender Betrachter mag das alles für Islam und uns für Muslime

halten. Aber was er nicht sehen kann, ist. wie schlecht es im Inneren aussieht.

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Die bedauerliche Lage der Muslime

Liebe Geschwister! Aus den obigen Ausführungen wird deutlich, warum die Muslime

trotz ihrer Gebete und ihres Fasten in vielen Teilen der Welt immer noch unterdrückt

werden. Aber was noch bedauerlicher ist, ist die Tatsache, da§ - obwohl die Mehrheit

diese Situation bedauert - wohl 999 von 1000 Muslimen nicht bereit sind, etwas an ihrer

Situation zu Šndern. Sie fühlen in ihrem Herzen nicht das Bedürfnis, die Uhr des Islam

wieder richtig zusammenzufügen. Sie befürchten, da§ dies bedeuten kšnnte, da§ auch

ihre Lieblingsteile entfernt werden müssten, und das wollen sie nicht. Sie befürchten, da§

das Einstellen der Teile bedeuten kšnnte, da§ sie Selbstdisziplin üben müssten, und

dazu sind sie nicht bereit.

Stattdessen ziehen sie es vor, die Uhr nur für Schmuckzwecke zu benutzen, die man

vorzeigen kann und von der man sagen kann, wie wunderbar der Islam doch sei und

was er vollbringen kšnne. Diejenigen, die diese Uhr eigentlich mehr lieben sollten als

andere, würden sie gerne immer wieder eifrig aufziehen und sorgfŠltig reinigen; aber sie

sind weder bereit, ihre Teile richtig zusammenzufügen oder festzuschrauben, noch sind

sie bemüht, sich der fremden Teile zu entledigen.

Es wŠre schšn, wenn man diese Ansichten und Verhaltensweisen billigen kšnnte, aber

man kann als Muslim nicht etwas guthei§en, was man für falsch hŠlt. Die Muslime

würden auch nicht mehr erreichen, wenn sie zusŠtzlich zum fünfmal tŠglichen Gebet,

noch das Tahadschud (freiwilliges Nachtgebet), das Ischraq- (Gebet nach

Sonnenaufgang) und das Duha- Gebet (am Vormittag) verrichten, einige Stunden am

Tag den Koran lesen und au§erhalb des Ramadan noch monatelang freiwillig fasten

würden. Darum geht es nicht. Vielmehr müssen die ursprünglichen Teile wieder in die

Uhr eingebaut und festgemacht werden. Dann würde sie auch mit dem wenigen nštigen

Aufziehen problemlos laufen, und man müsste sie auch viel seltener reinigen und šlen.

Wa ma 'alaina illa'l balagh

Wir sind nur dafür verantwortlich, die Wahrheit weiterzugeben.

KAPITEL IV

DAS FASTEN

17. Bedeutung und Segen des Fastens

Geschwister im Islam! Die zweite Art des Gottesdienstes, die Allah uns als Pflicht

auferlegt hat, ist das Fasten (Saum). Es beinhaltet, da§ man sich von der

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MorgendŠmmerung bis zum Sonnenuntergang von Essen, Trinken und

Geschlechtsverkehr fernhŠlt. Wie das Gebet ist auch diese Form des Gottesdienstes

Teil der Gesetze (Schari'a), die uns alle Propheten gebracht haben. Ihre AnhŠnger

fasteten ebenso wie wir. Allerdings haben sich die Regeln, die Anzahl der Fastentage

und der Fastenzeitraum im Laufe der Zeit, d.h. von einer ScharUa bis zur nŠchsten,

verŠndert. Obwohl heutzutage das Fasten immer noch ein Bestandteil vieler Religionen

ist, haben die Menschen die ursprüngliche Form ihrer jeweiligen Fastentradition durch

eigene ZusŠtze verŠndert.

Oh ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen

vorgeschrieben war, die vor euch waren. (Sure 2:183)

Warum wurde gerade diese Form des Gottesdienstes zu allen Zeiten von den

Menschen praktiziert?

Ein Leben erfüllt mit Gottesdienst

Das Ziel des Islam besteht darin, das Leben des Menschen in ein Leben des

Gottesdienstes zu verwandeln. Er wird als Diener geboren, und es liegt in seinem

Wesen, dem Schšpfer zu dienen. Nicht einen einzigen Augenblick seines Lebens darf

der Mensch leben. ohne Gott zu dienen, d.h. sich im Denken und im Handeln Ihm zu

unterwerfen. Der Mensch mu§ sich immer bewu§t sein, was er tun soll. um Gottes

Wohlgefallen zu erlangen, und was er vermeiden soll. Er soll den Weg beschreiten, der

zu Allahs Wohlgefallen führt, und das meiden, wodurch er bei Allah in Ungnade fŠllt -

genauso wie er die Glut des Feuers meidet.

Nur wenn unser ganzes Leben als Muslime auf dieses Ziel hin ausgerichtet ist, haben

wir unserem Herrn gedient, so wie es Ihm gebührt, und haben entsprechend dem

folgenden Koranvers gehandelt:

"Ich habe die Dschinn und die Menschen nur, damit sie Mir dienen. (Sure

51:55)

Ein Leben voller Anbetung

Der eigentliche Zweck gottesdienstlicher Riten, wie z. B. des Gebets, des Fastens, der

Armenabgabe und der Pilgerfahrt, besteht darin, den Muslim zu einem Leben všlliger

Anbetung zu führen. Als Muslime dürfen wir niemals denken, da§ wir uns von unserer

Verpflichtung gegenüber Allah allein dadurch freisprechen kšnnten. Wir dürfen nicht

annehmen, da§ wir schon all unsere Pflicht erfüllt hŠtten, wenn wir uns fünfmal am Tag

vor ihm verbeugen und niederwerfen, an drei§ig Tagen im Ramadan von morgens bis

abends hungern und dursten, von unserem Reichtum den Armen abgeben und einmal

im Leben die Pilgerfahrt vollziehen. Durch all diese Handlungen sind wir nicht von

unserer Stellung als Diener Allahs von Ihm befreit, noch kšnnen wir einfach tun und

95

lassen, was wir wollen. Vielmehr liegt der eigentliche Sinn dieser gottesdienstlichen

Handlungen, die Allah den Menschen auferlegt hat. darin, die Persšnlichkeit der

Menschen so zu entwickeln, da§ sie ihr ganzes Leben in ein Leben der Anbetung

Gottes verwandeln kšnnen.

Wie kann uns das Fasten auf ein Leben des Gottesdienstes vorbereiten?

Fasten und Persšnlichkeitsentwicklung

Persšnlicher Gottesdienst

Alle gottesdienstlichen Handlungen im Islam erfordern eine kšrperliche TŠtigkeit, nicht

aber das Fasten. Beim Gebet steht der Muslim und sitzt, verbeugt sich und wirft sich

nieder - all dies ist sichtbar für jeden. Bei der Pilgerfahrt unternimmt man eine lange

Reise, gemeinsam mit Tausenden anderer Menschen. Auch die Armenabgabe

funktioniert nur, wenn zwei Personen anwesend sind. nŠmlich der Spender und der

EmpfŠnger. Keine dieser Handlungen bleibt verborgen - bei ihrer Ausübung sind immer

andere Menschen beteiligt.

Aber das Fasten ist eine Form des Gottesdienstes, die rein auf der persšnlichen Ebene

ablŠuft. Nur der Allwissende wei§, da§ Sein Diener fastet. Jeder Muslim sollte vor der

MorgendŠmmerung etwas zu sich nehmen [Sahur] und mu§ sich bis zum

Fastenbrechen (iftar)) vom Essen und Trinken fernhalten. Aber wenn man dazwischen

heimlich i§t und trinkt, dann wei§ dies nur Allah.

Ein sicheres Zeichen des Glaubens

Dieser persšnlicher Bestandteil des Fastens setzt einen starken Glauben an Allah, den

Allwissenden, voraus. Nur wenn der Glaube wahrhaftig und stark genug ist, denkt man

nicht daran, insgeheim zu essen oder zu trinken. Selbst im hei§esten Sommer, wenn die

Kehle vor Durst ausgetrocknet ist, wird man nicht einen Tropfen Wasser trinken. Auch

wenn man sich vor Hunger schwach und všllig ermattet fühlt, wird man nichts essen.

Um all dies zu tun, braucht man eine feste †berzeugung davon, da§ nichts vor Gott

verborgen gehalten werden kann. Wie gro§ mu§ die Gottesfurcht im Herzen des

Fastenden sein!

Ein Muslim fastet einen ganzen Monat lang nur aufgrund seines tiefen Glaubens an die

Belohnung bzw. Bestrafung im Jenseits. Hat jemand auch nur den geringsten Zweifel

daran, am Jüngsten Tag dem Schšpfer zu begegnen, würde er dieses Fasten nicht

durchhalten. Mit Zweifeln im Herzen kšnnen solche Dinge nicht vollbracht werden.

Eine einmonatige †bung

Auf diese Weise prüft Allah den Glauben eines jeden Muslims einen ganzen Monat im

Jahr. Besteht der Muslim diese Prüfung mit Erfolg, dann wird sein Glaube stŠrker und

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tiefer. Das Fasten ist nŠmlich sowohl eine Prüfung als auch eine †bung. Wenn jemand

bei einem anderen Geld hinterlegt, dann prüft er damit dessen Aufrichtigkeit. Wenn

dieser das Geld nicht für seine eigenen Zwecke benutzt, dann besteht er nicht nur die

Prüfung, sondern zeigt sich auch fŠhig, in Zukunft grš§ere Geldmengen zu verwalten.

Auf Šhnliche Weise prüft Allah in einer einmonatigen Probe viele

Stunden tŠglich den Glauben der Muslime. Besteht man diese Prüfung, dann wŠchst

auch die Kraft, sich in Zukunft von anderen sündhaften Dingen fernzuhalten. Dies geht

aus dem Koran hervor:

Oh ihr, die ihr glaubt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen

vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr Allah fürchten.

(Sure 2:183)

Gehorsam einüben

Das Fasten hat aber noch ein anderes Merkmal. Wir befolgen dadurch die Forderungen

der Scharf'a mit ausgesprochenem Nachdruck über einen lŠngeren Zeitraum hinweg.

Das Gebet dauert nur einige wenige Minuten. Die Armenabgabe wird lediglich einmal im

Jahr bezahlt. Und obwohl die Zeit, die man auf der Pilgerfahrt verbringt, lang ist, so ist

sie nur eine Zeitspanne einmal im Leben, und für manche noch nicht einmal das. In der

Schule des Fastens aber wird der Muslim darin ausgebildet, der Schari'a des Propheten

Muhammad (s) einen ganzen Monat lang jedes Jahr, Tag und Nacht, zu folgen.

Der Muslim steht noch vor der MorgendŠmmerung zum Sahur auf, hšrt zu einem

bestimmten Zeitpunkt mit Essen und Trinken auf, unterlŠ§t bestimmte Dinge den

ganzen Tag über und bricht das Fasten nach Sonnenuntergang. Dann ruht er sich für

kurze Zeit aus, bevor er sich zum Tarawih-Gebei aufmacht.

Jedes Jahr lebt der Muslim einen ganzen Monat lang von der MorgendŠmmerung bis

zum Sonnenuntergang wie ein Soldat in der Armee einen disziplinierten Tagesablauf,

indem er die ganze Zeit über bestimmte Regeln befolgt. Danach geht er für die nŠchsten

elf Monate wieder seinen üblichen Pflichten nach. Dabei sollte die einmonatige †bung

des Fastens sich im Verhalten widerspiegeln, und das nŠchste Jahr wieder gutgemacht

werden, falls sich irgendein Mangel zeigt.

Fasten in der Gemeinschaft

Eine tiefgreifende †bung wie das Fasten kann nicht von einem Einzelnen allein,

losgelšst von der Gemeinschaft, durchgeführt werden. Wie in der Armee müssen alle

gleichzeitig mit dem Erklingen des Horns handeln, so da§ Gemeinschaftsgefühl entsteht

und man lernt, einheitlich zu handeln, und da§ man sich gegenseitig in der Aufgabe der

Persšnlichkeitsentwicklung hilft. Was dem einen fehlt, kann ein anderer ausgleichen,

und was auch diesem mangelt, kann wieder ein anderer wettmachen.

Der Monat Ramadan ist für alle Muslime zum gemeinsamen Fasten bestimmt. Diese

Betrachtungsweise verwandelt den individuellen in einen gemeinschaftlichen

Gottesdienst. Genauso wie die zahl eins mit 1000 multipliziert eine stattliche Zahl ergibt,

so wird auch der moralische und geistige Nutzen des Fastens vervielfacht, wenn

Millionen von anderen Menschen mitfasten.

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Im Monat Ramadan wird die gesamte Umgebung vom Geist der Aufrichtigkeit, Tugend

und Fršmmigkeit erfüllt. So wie im Frühling die Blüten sprie§en, so wŠchst auch die

Gottesfurcht im Ramadan. Jeder einzelne bemüht sich besonders, Sünden zu

vermeiden, und bei einem Fehltritt wei§ jeder, da§ er auf die Hilfe der anderen, die mit

ihm fasten, zŠhlen kann. Jeder hat den Wunsch, gute Taten zu vollbringen, die Armen

zu speisen, die Mittellosen zu kleiden, den Verzweifelten zu helfen, an jeder guten Tat

teilzunehmen und das Schlechte zu vermeiden. So wie die Blumen zu bestimmten

Jahreszeiten blühen, so ist der Ramadan die Zeit des Jahres, in der das Gute und die

Aufrichtigkeit wachsen und gedeihen kšnnen.

Aus diesem Grund sagte der Prophet (s):

"Jede gute Tat des Menschen wird um ein vielfaches vermehrt, zehn- bis

siebenhundertfach. Aber Allah spricht: Das Fasten ist eine Ausnahme. Es ist

nur für Mich, und Ich gebe soviel Belohnung wie Ich will. (Bukhari, Muslim).

Alle guten Taten wachsen entsprechend der Absicht dessen, der sie tut, und der

Ergebnisse, aber ihnen ist eine Grenze gesetzt. Beim Fasten gibt es keine solche

Grenze, Im Ramadan, in der Jahreszeit der Blüte des Guten und der Fršmmigkeit,

pflegen nicht nur einer, sondern Millionen von Menschen gemeinsam diesen Garten der

Tugend. Je mehr gute Taten man in diesem Monat aufrichtig tut, und je grš§eren

Nutzen man für sich selbst aus seinem Segen zieht, um so stŠrker wird dieser Nutzen

auch auf die anderen Geschwister übergehen. Je stŠrker man sich die Wirkung des

Fastens auf das eigene Leben wŠhrend der restlichen elf Monate erhŠlt, desto mehr

wird der Garten blühen, und zwar grenzenlos. Und wenn das Wachstum des Gartens in

irgendeiner Weise behindert wird, dann liegt der Fehler gewi§ bei uns selbst.

Wo sind die Ergebnisse?

Nun wird vielleicht der eine oder andere zu sich selbst sagen: Ich faste und bete, aber

die versprochenen Ergebnisse sehe ich nicht. Ein Grund dafür wurde bereits vorher

eršrtert. Nachdem die lebenswichtigen Verbindungen zwischen verschiedenen Teilen

des Islam unterbrochen und durch viele neue Teile ersetzt worden sind, kann man nicht

die gleichen Ergebnisse erwarten, die entstehen würden, wenn der Islam ganzheitlich

gelebt wird.

Ein zweiter Grund ist die verŠnderte Betrachtungsweise des Begriffs "Gottesdienst". Ihr

glaubt, da§ die blo§e Enthaltsamkeit vom Essen und Trinken von der

MorgendŠmmerung bis zum Sonnenuntergang alles beinhaltet, was das Wort "Ibada"

einschlie§t. Wenn man all das tut, hat man Allah gedient. 99 % der Muslime, oder mehr,

haben den wahren Geist des Gottesdienstes, der alle Handlungen durchdringen sollte,

nicht verstanden. Und deshalb bringen diese gottesdienstlichen Handlungen nicht ihren

wirklichen Nutzen hervor. Denn im Islam gründet alles auf der Absicht und dem richtigen

VerstŠndnis.

98

18. Das wahre Wesen des Fastens

Sinn und Zweck

Geschwister im Islam! Jede Art von Arbeit, die wir verrichten, hat zwei Seiten. Die erste

Seite ist der Zweck, den wir mit der Arbeit verfolgen, die zweite Seite ist die besondere

Art und Weise. wie wir die Arbeit ausführen, um zum Ziel zu gelangen. Der Hauptgrund

der Nahrungsaufnahme für den Menschen besteht beispielsweise darin, zu überleben

und kšrperlich gesund zu bleiben. Die Methode zur Erlangung dieses Ziels ist, da§ wir

Nahrung in den Mund stecken, sie kauen und herunterschlucken. Dies ist die effektivste

und sinnvollste Art und Weise, das genannte Ziel zu erreichen. Aber jeder wei§, da§ das

Wichtigste beim Essen der Zweck ist und nicht die Art und Weise des Essens als

Vorgang an sich.

Was würdet ihr wohl sagen, wenn jemand versuchen würde, SŠgemehl, Asche oder

Schlamm zu essen? Man würde ihn als verrückt bezeichnen. Und warum? Weil er

offensichtlich den wahren Sinn des Essens nicht verstanden und fŠlschlicherweise

angenommen hat, da§ Essen aus Kauen und Herunterschlucken bestehe. Ebenso

würde man jemanden für verrückt erklŠren, der absichtlich das erbricht, was er gerade

gegessen hat, und sich dann darüber beschwert, da§ er keinen Nutzen aus der

Nahrungsaufnahme ziehen kšnne, da er von Tag zu Tag dünner würde. Dieser Mensch

gibt dem Essen die Schuld, die eigentlich seiner eigenen Unwissenheit zuzuschreiben

ist. Obwohl natürlich auch Šu§ere Handlungen notwendig sind, weil sonst das Essen gar

nicht in den Magen gelangen würde, kann der Sinn des Essens nicht allein durch diese

erreicht werden.

€u§ere Handlungen und innerer Sinn

Vielleicht ist es nun leichter zu verstehen, warum der Gottesdienst der Muslime

so wirkungslos und leer geworden ist. Der grš§te Fehler besteht nŠmlich darin,

Gebet und Fasten in ihrer Šu§eren Erscheinung als die wirkliche Art des Gottesdienstes

zu begreifen. Wenn man das als Muslim tut, dann gleicht man demjenigen. der glaubt,

da§ allein die vier VorgŠnge, nŠmlich das Aufnehmen von etwas E§barem, das

Hineinstecken in den Mund, das Kauen und das Herunterschlucken den Vorgang der

Nahrungsaufnahme ausmachen. Dieser Mensch nimmt an, da§ jeder, der diese vier

Dinge tut, etwas gegessen hat. Er wartet auch auf den Nutzen des Essens, aber

unabhŠngig davon, ob er Schlamm oder Steine gegessen oder das soeben verspeiste

Brot wieder erbrochen hat.

Wie lŠ§t sich sonst die Tatsache erklŠren, da§ ein Mensch, der fastet und auf diese

Weise Gott von der MorgendŠmmerung bis zum Sonnenuntergang dient, gerade in

dieser Form der Anbetung jemanden belügt oder verleumdet? Warum fŠngt er unter

dem geringsten Vorwand Streit an und beschimpft andere? Wie kann er es wagen, die

99

Rechte anderer zu beeintrŠchtigen? Warum verdient er mit unerlaubten Mitteln Geld und

gibt es unerlaubterweise auch anderen? Und wie kann jemand, der all dies getan hat,

noch behaupten, er habe Allah gedient? Gleicht dies nicht den Taten dessen, der Asche

und Schlamm i§t und alleine durch die blo§e Erfüllung der vier Bedingungen des

Essens glaubt, er habe tatsŠchlich gegessen?

Wie kšnnen wir von uns sagen, wir hŠtten Allah wŠhrend des Ramadan gedient, wenn

die Wirkung dieser ganzen †bung der geistigen und moralischen Erbauung bereits am

ersten Tag des folgenden Monats verlorengeht? WŠhrend der Festtage tun wir all das,

was AndersglŠubige an ihren Feiertagen auch tun; manchmal geht das sogar soweit,

da§ wir Ehebruch begehen, Alkohol trinken und Glücksspiel betreiben. Es kommt sogar

vor, da§ mancher tagsüber fastet und nachts Alkohol trinkt und Ehebruch begeht. Gott

sei Dank ist die Mehrzahl der Muslime nicht so tief gesunken. Doch sind wir einmal

ehrlich: Wie viele von uns behalten noch am zweiten Festtag ein Stückchen Fršmmigkeit

und Tugend im Herzen?

Falsche Auffassung von Gottesdienst

Der Grund für das Verhalten der meisten von uns liegt in der Tatsache begründet, da§

wir die wahre Bedeutung des Gottesdienstes nicht mehr kennen. Wir glauben, da§ das

blo§e sich Fernhalten von Essen und Trinken wŠhrend des Tages Fasten bedeutet. Wir

nehmen dies deshalb bis auf die kleinsten Details ernst. Wir fürchten Gott so sehr, da§

wir den geringsten Versto§ gegen die Regeln zu vermeiden suchen, aber wir kšnnen

uns nicht vorstellen, da§ nicht allein der Hunger und der Durst der Sinn des

Gottesdienstes sondern nur seine Form ist.

Diese Gestalt dient dazu, im Menschen Gottesfurcht und -liebe, Willens- und

CharakterstŠrke zu festigen, so da§ er fŠhig ist, auch gegen seine Wünsche scheinbar

sich lohnende, aber Allah mi§fŠllige Dinge zu unterlassen und solche Dinge zu tun, die

vielleicht mit Risiken und Verlusten verbunden sind, aber Allah gefallen. Diese StŠrke

kann man nur entwickeln, wenn man den Sinn des Fastens verstanden hat und die

†bung des Fastens als Zügelung der kšrperlichen Begierden allein aus Furcht und

Liebe zu Gott getan hat.

Was aber geschieht nach dem Ramadan? Wir vergessen alles. was wir durch das

Fasten gewonnen haben, so wie jemand, der gegessen hat und sich selbst zum

Erbrechen bringt. So wie man kšrperlich nur stark werden kann, wenn man sich richtig

ernŠhrt. die Bestandteile der Nahrung ins Blut übergehen und so den ganzen Kšrper

durchdringen, so kann man geistig nur wachsen. wenn man sich des wahren Sinns des

Fastens bewu§t ist und dieses Bewu§tsein in Herz, Verstand und Denkweise übergeht.

Fasten: ein Schritt zur Fršmmigkeit

Allah hat uns das Fasten zur Pflicht gemacht, damit wir gottesfürchtig werden mšgen.4

100

Natürlich kann uns keiner die Garantie dafür geben, da§ wir wirklich gottesfürchtig und

aufrichtig werden. Nur wer den Sinn des Fastens erkennt und ihn zu erfüllen strebt, dem

wird dieser Segen zuteil werden. Wer dies nicht tut. kann auch keinen Vorteil davon

erwarten.

Voraussetzungen für richtiges Fasten

Der Prophet (s) hat den wahren Sinn des Fastens mehrfach betont und erklŠrt, da§ das

Fasten des Menschen, der zwar kšrperlich die Bedingungen des Fastens erfüllt, aber

den Geist dabei vernachlŠssigt, bei Gott nicht angenommen wird.

Sich-Fernhalten von Falschheit

Der Prophet (s) sagte:

"Wer nicht die Falschheit in Wort und Tat aufgibt, von dem braucht Allah auch

nicht, da§ er sich des Essens und Trinkens enthŠlt." (Bukhari).

Bei einem anderen Anla§ sagte er:

"Es gibt viele Menschen, die fasten, aber nichts davon haben au§er Hunger

und Durst; und es gibt viele, die nachts im Gebet stehen, aber nichts davon

haben au§er Schlaflosigkeit." (Darimi).

Die Lehre, die wir aus diesen Worten ziehen, ist eindeutig und unmi§verstŠndlich:

Hunger und Durst allein ist kein Gottesdienst. sondern nur ein Mittel zu dessen

Ausübung. Und wahrhaftiger Gottesdienst bedeutet, aus Gottesfurcht und Liebe zu Gott

alles zu vermeiden, was gegen die Gesetze Gottes ist. und stattdessen Dinge zu tun.

die gottgefŠllig sind, und sich von der wahllosen Befriedigung kšrperlicher Bedürfnisse

fernzuhalten. Wenn jemand fastet und dabei den eigentlichen Sinn des Fastens vergi§t,

so bereitet er seinem Magen nur nutzlose Unannehmlichkeiten.

Selbstreinigung

Der Prophet (s) weist uns auch auf ein anderes Ziel des Fastens hin:

"Wer im Ramadan in festem Glauben und in der Hoffnung auf Belohnung

fastet, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben." (Bukhari, Muslim).

Glauben bedeutet, da§ der Muslim immer im Bewu§tsein Gottes leben und auf ihn

vertrauen soll. Hoffnung auf Belohnung bedeutet. da§ der Muslim nach Allahs

Wohlgefallen streben soll. indem er stŠndig seine Gedanken und Taten prüft, um sicher

zu gehen, nichts gegen den Willen Allahs zu tun, und da§ er an die Belohnung, die ihm

von Allah und Seinem Gesandten versprochen wurde, glaubt und darauf hofft. Beachtet

ein Muslim diese beiden Dinge, so wird (t mit der Vergebung seiner vergangenen

101

Sünden belohnt. Der Grund dafür ist offensichtlich: selbst wenn jemand einmal

ungehorsam war, wird er dann reuevoll zu seinem Herrn umkehren.

Der Prophet sagte:

"Ein reuiger Sünder ist wie jemand, der niemals eine Sünde begangen hat."

(Ihn Madscha).

Schutz vor Sünde

Bei einer anderen Gelegenheit sagte der Prophet (s):

"Das Fasten ist ein Schutz. So soll der, der fastet, keine unzüchtigen Reden führen und

sich nicht tšricht verhalten; und wenn jemand ihn bekŠmpft oder ihn beschimpft, soll er

zweimal sagen: .Ich faste. (Bukhari. Muslim).

Gutes tun

Der Prophet (s) wies einmal darauf hin. da§ jemand, der fastet. mehr Gutes tun soll als

sonst und fest bestrebt sein sollte, zu anderen freundlich zu sein. Der Fastende soll

verstŠrkt Mitgefühl und Liebe für seine Glaubensgeschwister zeigen, weil er dadurch,

da§ er am eigenen Leib Hunger und Durst erfŠhrt, besser in der Lage ist. das Leid der

Bedürftigen zu verstehen.

"Wer im Ramadan einem Fastenden eine Mahlzeit ausgibt. mit der er sein

Fasten brechen kann, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben, er

wird vor dem. Feuer der Hšlle bewahrt und seine Belohnung wird dieselbe

sein wie die eines Fastenden." (Baihaqi).

Abdullah Ihn Abbas berichtet, da§ der Prophet (s) im Ramadan ausgesprochen

freundlich und grosszügig war. Kein Bettler ging mit leeren HŠnden von seiner Tür weg,

und so viele Sklaven wie mšglich wurden freigelassen. (Baihaqi).

102

KAPITEL V

ZAKAT

19. Die Wichtigkeit der Armenabgabe

Geschwister im Islam! Die wichtigste SŠule des Islam nach dem Gebet ist die Zakat, die

Armenabgabe. Im Koran wird die Bedeutung der Zakat an zahlreichen Stellen

verdeutlicht, auch wenn das Fasten im Allgemeinen als die nŠchste wichtige SŠule nach

dem Gebet betrachtet wird. Auf diesen zwei gro§en SŠulen ist das GebŠude des Islam

errichtet. Wenn sie zerstšrt sind, kann auch der Islam kaum überleben.

Bedeutung von Zakat

Das Wort Zakat bedeutet ursprünglich "Reinigung". Im Islam wird dieses Wort dafür

verwendet, da§ man als Muslim einen Teil seines Reichtums für die Bedürftigen und

Armen abgibt. Dadurch, da§ man den anderen gibt, wird das Vermšgen und zugleich

auch das Ego (Nafs) "gereinigt". Wenn man als Muslim den Armen und Bedürftigen

nicht das gibt, was ihnen zusteht, bleibt das Vermšgen unrein. Damit ist auch der

Mensch selbst in seinem Inneren unrein. Sein Herz ist eng und voller Undankbarkeit.

Der Mensch ist vom Egoismus beherrscht, er betet den Reichtum nahezu an. Obwohl

Gott in Seiner Güte und Grosszügigkeit diesem Menschen mehr an Reichtum gegeben

hat, als für sein †berleben notwendig ist, schmerzt es ihn, Ihm Seinen Anteil davon

abzugeben. Wie kann man von so einem Menschen jemals erwarten, da§ er allein zum

Wohlgefallen Gottes etwas Gutes tut. oder da§ er irgendein Opfer für den Islam und für

seinen Glauben erbringt?

Zakat - ein Prüfstein

Indem uns Allah auferlegt hat, Zakat zu bezahlen, unterwirft Er jeden Einzelnen von uns

einer Prüfung. Nur wenn jemand bereitwillig um Allahs willen von seinem Reichtum den

Teil abgibt, der seine eigenen Bedürfnisse überschreitet, und damit den Armen und

Bedürftigen hilft, wird er von Allah geachtet und verdient, zu den GlŠubigen gezŠhlt zu

werden. Gibt jemand nicht einmal diesen kleinen Teil ab, so ist er bei Allah weder

geachtet noch wird er als wahrhaft glŠubiger Diener anerkannt. Dieser Mensch Šhnelt

dann einem faulen Glied, das man besser entfernt, bevor es den ganzen Kšrper der

muslimischen Gemeinschaft zersetzt.

103

Nach dem Tode des Propheten (s) hatten sich einige StŠmme geweigert. Zakat zu

bezahlen. Abu Bakr erklŠrte diesen den Krieg, so als hŠtten sie den Islam verleugnet

und wŠren zu UnglŠubigen geworden, obwohl sie ihre Gebete verrichteten und ihren

Glauben an Allah und den Gesandten bezeugten. Sie waren wie ein faules Glied. Denn

der Islam ist ein Ganzes, von dem die Armenabgabe ein wichtiger Teil ist. Ohne die

Armenabgabe verlieren sogar das Gebet, das Fasten und der Iman ihre

Glaubwürdigkeit.

Ursprung der Zakat

Wenn man den Koran studiert, stellt man fest, da§ das Gebet und die Armenabgabe

den Nachfolgern aller Propheten schon in früheren Zeiten auferlegt wurde. †ber den

Propheten Abraham. seine Nachkommenschaft und Nachfolger wird beispielsweise

gesagt:

Und Wir machten sie zu Vorbildern, die auf unser Gehei§ die Menschen

rechtleiteten, und Wir gaben ihnen ein. Gutes zu tun, das Gebet zu verrichten

und die Zakat zu entrichten. Und sie verehrten Uns allein. (Sure 21:73)

†ber den Propheten Ismael wird berichtet:

Und er pflegte seinen Angehšrigen Gebet und Zakat ans Herz zu legen und

war seinem Herrn wohlgefŠllig. (Sure 19:55)

Der Prophet Moses betete einst für sein Volk: "Oh Allah, gib uns Gutes sowohl im

Diesseits als auch im Jenseits!"

Allah antwortete darauf:

Ich treffe mit Meiner Strafe, wen Ich will; doch Meine Barmherzigkeit umfa§t

alle Dinge: So werde Ich sie bestimmen - sowohl für jene. die Mich fürchten

und die Zakat entrichten, als auch für jene die an Unsere Zeichen glauben.

(Sure 7:156)

Da das Leben der AnhŠnger des Propheten Moses von weltlichen Belangen beherrscht

war, wie dies auch heute bei vielen von uns der Fall ist, hat Allah sogar einem

ausgewŠhlten Propheten wie ihm klar gesagt, da§ Er die Gnade, um die er bittet, nur

denjenigen zuteil werden lŠ§t, die den Armen von ihrem Reichtum abgeben.

Denjenigen, die dies nicht tun, entzieht Er seine Gnade und bestraft sie.

Ebenso wurden die Israeliten nach dem Tod des Propheten Moses mehrfach wegen

ihres geizigen Verhaltens ermahnt. Wieder wurde mit ihnen ein Bund geschlossen, nach

dem sie niemanden au§er Allah anbeten und standhaft im Gebet und bei der

Verrichtung der Zakat sein sollten (Sure 2:83), bis Allah ihnen schlie§lich eine klare

Warnung zuteil werden lie§:

Und Allah sprach: Seht. Ich bin mit euch. wenn ihr das Gebet verrichtet und

die Zakat entrichtet und an Meine Gesandten glaubt und sie unterstützt und

Allah ein gutes Darlehen gebt, dann werde Ich eure Missetaten tilgen. (Sure

5:12)

104

Der letzte Prophet vor dem abschlie§enden Propheten Muhammad (s) war Jesus. Auch

er wurde von Allah angehalten, das Gebet zu verrichten und die Armenabgabe zu

bezahlen:

Und Er gab mir Seinen Segen, wo immer ich auch sein mšge. und Er befahl

mir Gebet und Zakat. solange ich lebe. (Sure 19:31)

Aus all diesen Aussagen wird ersichtlich, da§ der Islam von Anfang an auf den beiden

Formen des Gottesdienstes gegründet ist, nŠmlich dem Gebet und der Armenabgabe.

Allen glŠubigen Všlkern wurden diese beiden Pflichten auferlegt.

Eine klare Anweisung

Welche wichtige Rolle spielen diese beiden Formen des Gottesdienstes in der Schari'a

des Propheten Muhammad (s)? Schlagt den Koran auf und lest die ersten Verse der

zweiten Sure:

Dies ist ganz gewi§ das Buch Allahs, das keinen Anla§ zum Zweifel gibt, es

ist eine Rechtleitung für die Gottesfürchtigen, die an das Verborgene glauben

und das Gebet verrichten und von dem ausgeben, was Wir ihnen beschert

haben ... Diese folgen der Leitung ihres Herrn und diese sind die

Erfolgreichen. (Sure 2:2-5)

Mit anderen Worten ausgedrückt, bedeutet dies. da§ diejenigen, die nicht glŠubig sind,

sich nicht an das Gebet und an die Armenabgabe halten, weder von Allah Rechtleitung

erhalten noch Erfolg in ihrem Leben haben. Einige Verse weiter hei§t es:

Und verrichtet das Gebet und entrichtet die Zakat und verneigt euch mit den

Sich Verneigenden. (Sure 2:43)

Es gibt noch viel mehr Verse im Koran, in denen die gro§e Bedeutung des Gebets und

der Armenabgabe zum Ausdruck kommt:

Es ist keine Fršmmigkeit, wenn ihr eure Angesichter in Richtung Osten oder

Westen wendet; Fršmmigkeit ist vielmehr, da§ man an Allah glaubt, den

Jüngsten Tag, die Engel, das Buch und die Propheten und vom Besitz -

obwohl man ihn liebt - den Verwandten gibt, den Waisen, den Armen, dem

Sohn des Weges, den Bettlern und für den Freikauf von Sklaven, da§ man

das Gebet verrichtet und die Zakat entrichtet. Es sind diejenigen, die das

Versprechen einhalten, wenn sie es gegeben haben, und diejenigen, die in

Elend, Not und in Kriegszeiten geduldig sind; sie sind es, die wahrhaftig und

gottesfürchtig sind. (Sure 2:177)

Eure Beschützer sind wahrlich Allah und Sein Gesandter und die GlŠubigen,

die das Gebet verrichten, die Zakat entrichten und sich vor Allah verneigen.

Und wer Allah und Seinen Gesandten und die GlŠubigen zu Beschützern

nimmt, der wisse, da§ Allahs Schar es ist, die siegreich sein wird. (Sure 5:55-

56)

105

Das Zeichen wahren Glaubens

Die hier dargelegten Aussagen sind von zentraler Bedeutung im Islam.

Erstens: Nur diejenigen, die das Gebet verrichten und die Armenabgabe entrichten,

werden als wahrhaftige GlŠubige bezeichnet. Diejenigen, welche diese beiden

grundlegenden Dinge mi§achten, sind in der Ausübung ihres Glaubens nicht wahrhaftig

genug.

Zweitens: Allah, der Gesandte (s) und die GlŠubigen bilden eine Einheit, sie gleichen

einer Partei, und es ist die Pflicht jedes wahrhaft GlŠubigen, sich dieser Partei

anzuschlie§en, wodurch alle anderen Banden der Bindung zerrissen werden. Wenn ein

Muslim zu einer Person oder einem Verbündeten hŠlt, der sich au§erhalb dieser Partei

befindet, sei es der Vater, Bruder, Sohn, Nachbar, Landsmann oder irgend jemand

anderes, und zu dieser Person eine Beziehung aufrecht erhŠlt, die sich durch Liebe und

gegenseitige Unterstützung auszeichnet, so darf er nicht erwarten, da§ Allah ihn liebt

und ihm hilft.

Drittens: Die GlŠubigen kšnnen in dieser Welt nur dann eine echte Kraft bilden, wenn

sie mit Allah, Seinem Gesandten und den anderen GlŠubigen eine Einheit in Liebe,

Treue, Freundschaft und Kameradschaft bilden.

Aufbau der Umma

Weiter im Koran lesen wir, da§ Allah den Muslimen befiehlt, gegen diejenigen zu

kŠmpfen, die sich gegen Gott auflehnen und ihm Gštter zur Seite stellen:

Bereuen sie aber und verrichten das Gebet und entrichten sie die Zakat so

sind sie eure Brüder im Glauben. (9:11)

Warum sollten die Muslime Menschen als ihre Brüder, als Mitglieder der Gemeinschaft

aufnehmen, die sich gegen Gott auflehnen? Allein die Tatsache, da§ sie sich von

Auflehnung und Vielgštterei abwenden, reicht nicht aus. Sie müssen auch das Gebet

verrichten und die Armenabgabe als Zeichen wahrhaftiger Reue und Umkehr bezahlen.

Nur dann mu§ der Kampf gegen sie aufhšren, und sie werden zu Glaubensbrüdern.

Weiter lesen wir an einer anderen Stelle:

Und die glŠubigen MŠnner und die glŠubigen Frauen sind einer des anderen

Freund: Sie gebieten das Gute und verbieten das Bšse und verrichten das

Gebet und entrichten die Zakat und gehorchen Allah und Seinem Gesandten.

Sie sind es, derer Allah sich erbarmen wird. (9:71)

Schauen wir einmal genauer hin: Nur die Menschen kšnnen Muslime werden, also im

Glauben miteinander verbundene Brüder und Schwestern, die zu ihrem Glauben stehen