Früherer UN-Waffeninspektor William Scott Ritter:
"Irakischer Überläufer läßt sich vom Mossad für erfundene Anschuldigungen gegen den Irak bezahlen"

Hamburg, 1.2.03 (©lifeinfo.de) - Der frühere oberste UN-Waffeninspektor im Irak, der US-Amerikaner William Scott Ritter, hat in einem Telefongespräch mit lifeinfo.de die Glaubwürdigkeit von Informationen angezweifelt, die von einem sog. "Bodyguard" Saddam Husseins stammen und mehrere genau beschriebene, angeblich geheime Waffenverstecke des Irak betreffen sollen.

Die spektakulären Angaben des sich angeblich in Israel aufhaltenden Irakers Abu Hamdi Mahmoud wurden vor einigen Tagen von dem in Irland lebenden international bekannten Geheimdienstexperten und Buchautor Gordon Thomas ("Die Mossad-Akte") auf dessen Website
"GlobeIntel" verbreitet.

Mahmoud zufolge soll der Irak u.a. in Bagdad noch eine unterirdische chemische Waffenfabrik, in Ramadi eine Scud-Raketenfabrik und im Westen der irakischen Wüste eine Chemiewaffenanlage betreiben.

Ritter nennt Mahmoud einen "Überläufer mit durchsichtigen finanziellen Absichten".

Mahmoud war, so Ritter, bis zu seiner Flucht nach Israel Mitglied der "Republikanischen Garden" des Irak gewesen, einer Elite-Einheit des Diktators. Er befindet sich seit kurzem in der Obhut des israelischen Geheimdienstes Mossad. Alle Angaben Mahmouds seien erfunden ("fabricated"), glaubt Ritter: "Sie taugen nicht einmal dazu, von Colin Powell vor der UNO kommende Woche als Beweis für die Gefährlichkeit des Irak angeführt zu werden".

Der im Artikel von Gordon Thomas als Gewährsmann für Mahmoud zitierte angebliche "UN-Waffeninspektor" William Tierney wird von Ritter als " nicht glaubwürdig" bezeichnet. Es handele sich um einen früheren US-Geheimdienstoffizier, der als Arabisch-Übersetzer gearbeitet habe und der den Irak nicht kenne.

Gemäß einem
Bericht der BBC verlor Tierney im März 2002 seinen Job, nachdem er sich mit seinen Arbeitgebern über Fragen der angemessenen Verhörmethoden gegenüber Al-Quida-Gefangenen auf dem kubanischen US-Stützpunkt "Guantanamo-Bay"überworfen hatte.

Tierney sei, so Ritter, kein Waffeninspektor im Irak gewesen, sondern "junior member" der UNSCOM und Übersetzer. Er besitze "keinerlei technische und Vor-Ort-Kenntnisse" und könne Mahmoud daher "unmöglich bestätigen". Er trete dennoch gerne in "rechten Medien" als "Experte" auf, besonders bei
FOX TV, um "Kriegsstimmung" zu machen.

Die Thomas-Veröffentlichung bezeichnete Ritter als "substanzlos".

Ritter war 1998 von seinem Posten als Chef der UN-Waffeninspekteure im Irak zurückgetreten, nachdem er zuvor die Clinton-Regierung schwerer Versäumnisse beim "zu lockeren Umgang mit dem Diktator" bezichtigt hatte.

In jüngster Zeit hat Ritter sich, obwohl selbst Mitglied von Präsident Bushs Republikanischer Partei, immer wieder sowohl bei Besuchen im Irak als auch in den USA gegen Annahmen geäußert, das arabische Land befinde sich noch im Besitz von Massenvernichtungswaffen.
P.N.





 



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