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Barbara Jentzsch, Radiokorrespondentin in Washington D.C., für life-info.de

Neue Strategien - Amerikas Friedensbewegung
 
 
(DC, 20.1.2005) Amerikas Friedensbewegung hat den 20. Januar, die zweite Amtseinführung des Kriegspräsidenten George Bush, zum Trauertag erklärt - "a day of mourning". Doch das bedeutet nicht, dass unter den rund 4o Millionen US Kriegsgegnern Begräbnisstimmung herrscht. Die knapp verlorene Wahl schmerzt zwar noch, auf der anderen Seite herrscht jedoch Erleichterung, dass auf den Kompromisskandidaten Kerry und die konservative Parteizentrale keine Rücksicht mehr genommen werden muss. Jetzt kann man für die Kongresswahlen in zwei Jahren bereits in die Offensive gehen, und so hat der designierte Trauertag für friedensbewegte Organisationen wie u.a. "Move On", "Win without war" oder "Code Pink" durchaus positive Aspekte:
 
Er bringt die landesweiten Proteste gegen den Krieg und die Irak-Besatzung in die Medien, gibt den Sprechern der Bewegung ein nationales Forum und hilft bei der Organisation des mittlerweile in ganz Amerika und sogar in Pentagonkreisen wachsenden Widerstands gegen die verlogene, fehlgeschlagene Kriegspolitik der Regierung. Selbst die Angehörigen von Soldaten demonstrieren ihren Widerstand zunehmend öffentlich. Das sei ungewöhnlich in der amerikanischen Geschichte, kommentiert der Historiker Michael Beschloss : "Soldatenfamilien haben sich in der Vergangenheit von solchen Sachen ferngehalten. Dass sie jetzt öffentlich protestieren, zeigt, wie viele von ihnen von Anfang an ernsthaft gezweifelt haben, dass dieser Krieg richtig war."
 
58% aller Amerikaner halten den Irak Krieg heute für einen Fehler. Sie stehen der Forderung der anti war &endash;Bewegung, die Besatzung zu beenden und die Soldaten nach Hause zu schicken nicht mehr halb so ablehnend gegenüber wie noch kurz vor der Präsidentenwahl.
 
Die Friedensbewegung hat den Stimmungsumschwung genutzt. Nach dem Wahldebakel wurde Manöverkritik geübt und eine Neuorien- tierung beschlossen. Massendemonstrationen sollen nicht passé sein, aber wichtiger sei im Moment eine handfeste Strategie, heisst es. Es reiche nicht, Michael Moores Filme zu sehen und einfach nur gegen Bush und gegen den Krieg zu sein. „ Wir brauchen mehr Mitglieder, müssen auch die Leute gewinnen, die nicht mit uns übereinstimmen' sagt Phyllis Bennis, Sprecherin der Dachorganisation "United for Peace and Justice" die landesweit 850 Friedensorganisationen koordiniert : "Wir müssen in der Bevölkerung die Erkenntnis vertiefen, dass dieser Krieg illegal, unmoralisch und falsch war. Das wird unsere Bewegung stärken. Aufklärung muss Priorität haben. Wir müssen klarmachen, dass die US-Besatzungstruppen das Problem und nicht die Lösung sind im Irak. Die einzige Lösung ist, die Besatzung zu beenden und die Truppen zurückzubringen."
 
Das Strategiepapier von "United for Peace and Justice" unterscheidet sich nur wenig von einem Appell, den andere linke Gruppen veröffentlicht haben, die sich zu Amerikas "Progressive Movement" zusammengeschlossen haben. Ihr Aufruf wird von progressiven Kirchen, Gewerkschaften, alternativen Medien und Amerikas Grünen unterstützt. Ziel ist, die Demokraten in die Rolle einer echten, effektiven Oppositionspartei zu drängen, dem Kongress die Finanzierung des Krieges zu erschweren, Kriegsveteranen, deren Familien, Wehrdienstverweigerer und Deserteure zu unterstützen sowie Bushs kleine Kriegsallianz mit einer großen Friedensallianz zu konfrontieren, die ihre Verbündeten in Europa und Lateinamerika findet.
 
Um diese Initiativen zu verwirklichen, braucht die Friedensbewegung
nicht nur Rückhalt in der demokratischen Partei und das Interesse der Medien, sondern money, money, money. Doch Geld soll diesmal keine Rolle spielen. Dank einer Gruppe liberaler fat cats, Milliardäre um den Banker und Bushgegner George Soros, werden der Bewegung in den nächsten vier Jahren -zig Millionen zur Verfügung stehen.

©Barbara Jentzsch/lifeinfo.de
 
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