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"African Village" im Augsburger Zoo
9.06.05 bis 12.06.05

"Ein Zoobesuch mit Überraschungen: Für vier Tage entsteht im Augsburger Tierpark ein afrikanisches Dorf...." (Aus: Werbetext des Augsburger Zoos)


Presseschau:
Henryk M. Broder
Zu Besuch im Ethno-Zoo, oder:
Wie nah "Political Correctness" und Hysterie beieinander liegen


Frankfurter R'schau, 27.5.05
Tagesspiegel, 28.05.2005
taz, 1.6.05
SPIEGEL ONLINE, 9.6.05
...und ein Text von Vera Yu auf Henryk M. Broders Website...



Protestschreiben von Deutschen afrikanischer Herkunft
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Sehr geehrte Damen und Herren,

mit ausgesprochenem Befremden hat die Schwarze deutsche community zur
Kenntnis genommen, dass vom 9.-12. Juni im Augsburger Zoo eine Art
afrikanisches Dorf entstehen soll. "Um eine einmalige afrikanische
Steppenlandschaft gruppieren sich Kunsthandwerker, Silberschmiede,
Korbflechter, Zöpfchenflechter" - so ein Auszug aus dem Werbetext der
VeranstalterInnen. Dass es sich dabei um eine in konzeptioneller wie
praktischer Hinsicht direkt in der Tradition der Völkerschauen stehende
Veranstaltung handelt, wird aus dem Antwortbrief von Frau Dr. Barbara
Jantschke (Zoo Augsburg) ersichtlich, der als Reaktion auf die durchaus
berechtigte und besorgte Nachfrage eines schwarzen Schweizer Bürgers
verschickt wurde. Demnach handelt es sich beim Augsburger Zoo um den
"genau richtige(n) Ort, um auch die Atmosphäre von Exotik zu vermitteln."

Ganz offensichtlich scheinen sich den VeranstalterInnen die historischen
Dimensionen ihres Projektes nicht zu erschließen, was vor dem Hintergrund
der mittlerweile auch in Deutschland stattfindenden öffentlichen
Diskussionen zu Implikationen und Folgen der deutschen Kolonialherrschaft
auf eine erstaunliche Resistenz verweist. Die Reproduktion kolonialer
Blick-Verhältnisse, in denen Schwarze Menschen als exotische Objekte, als
Un- oder Untermenschen in trauter Einheit mit der Tierwelt in einer offenbar
zeitlosen Dörflichkeit betrachtet werden können und den Mehrheitsdeutschen
als Inspiration für künftige touristische Reiseziele dienen, ist
wohl kaum als gleichberechtigte kulturelle Begegnung zu verstehen.

Abgesehen davon, dass der afrikanische Kontinent nicht nur aus "Savannen"
und "Dörfern" besteht und sich nicht unter einem singulären Kulturbegriff
("African Village") subsumieren lässt, spricht die gesamte Herangehensweise
von einer erschreckend ungebrochenen Verdrängung historischer Kontinuitäten,
mit der die Einverleibung vermeintlich exotischer Orte und Menschen immer
wieder neu begründet werden kann.

Wir möchten die VeranstalterInnen daran erinnern, dass in der Geschichte der
Völkerschauen nicht nur rassenanthropologische Untersuchungen an den
DarstellerInnen vorgenommen worden sind und dass viele von ihnen in Folge
der schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen starben. Wir weisen darüber
hinaus mit Nachdruck darauf hin, dass Schwarze deutsche Überlebende des
Nationalsozialismus von der Zwischenkriegszeit bis in die vierziger Jahre
dazu gezwungen wurden, in Völkerschauen aufzutreten, weil ihnen andere
professionelle Sphären verschlossen blieben. Im ahistorisch situierten,
geschmacklosen Kontext des Augsburger Zoos werden also nicht nur die
Überlebensgeschichten schwarzer NS-Opfer verhöhnt, sondern es ist darüber
hinaus zu fragen, an wen sich der von den VeranstalterInnen explizit
artikulierte unbekümmerte Anspruch, "die Toleranz und Völkerverständigung
(zu) fördern", dann eigentlich richten kann.

Die AdressatInnen sind ganz sicher nicht Schwarze deutsche Menschen oder
solche mit Migrationshintergrund, denn sonst gäbe es vor der - unserer
Ansicht nach typisch deutschen - Kulisse des Rotwild- oder
Wildschweingeheges vielleicht einige bayerische BergdörflerInnen zu
bestaunen, die uns mit ihrer Handwerkskunst und ihren kulinarischen
Spezialitäten die touristischen Weiten der deutschen Lande authentisch vor
Augen führen könnten.

Die Schwarze deutsche community ruft dazu auf, gegen die Veranstaltung
"African Village" im Augsburger Zoo zu protestieren, um jetzt und in Zukunft
mit kolonialrassistischen Traditionen zu brechen!

Ihren Protest richten Sie bitte direkt an:
Frau Dr. Barbara Jantschke (Direktorin Zoo Augsburg)
barbara.jantschke@zoo-augsburg.de
Tel.: 0821 / 567 149-0
Fax: 0821 7 567 149-13

Mit freundlichen Grüßen,

Peggy Piesche (Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Black European
Studies, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz)
Nicola Lauré al-Samarai (Geschichts- und Kulturwissenschaftlerin, TU Berlin)
Tahir Della (Vorstand ISD-Bund e.V./ München)
Jasmin Eding (Vorstand ADEFRA e.V./ München)


Völkerschau XIX. Jhdt
Tiere - Menschen - Sensationen:
Rassistische
"Völkerschau" Ende des 19 Jhdts.

 

"Atmosphäre von Exotik vermitteln": Die Reaktion des Augsburger Zoos
_____________________________________________________________

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Sie verzeihen mir, dass ich mit der Antwort einige Tage gebraucht habe, aber
mich hat Ihr Mail (das mich über die Stadt Augsburg erreicht hat) erst
einmal sprachlos gemacht. Ihr Schreiben spricht nur dafür, dass Sie sich
überhaupt nicht dafür interessiert haben, was während dieser Veranstaltung
geboten wird - allein durch den Titel "afrikanisches Dorf" (ist übrigens auch falsch, die
Veranstaltung heißt "African Village") haben Sie den Eindruck gewonnen, dass
ein Afrikanisches Dorf dem staunenden Publikum vorgeführt werden soll. Wenn
Sie sich nur ein bisschen mit der Veranstaltung vertraut gemacht hätten,
wahre Ihnen sofort klar geworden, dass Ihre Vorwürfe absolut gegenstandslos
sind. Der Mitorganisator (übrigens nur am Rande erwähnt eine gebürtiger
Afrikaner mit schwarzer Hautfarbe) war bei der ersten Besichtigung
begeistert vom Veranstaltungsort, von der Steppenlandschaft unserer
Afrika-Anlage und der Atmosphäre im Zoo.

Er führt übrigens bereits seit mehreren Jahren Ähnliche
Veranstaltungen durch. Am Rande sei außerdem noch erwähnt, dass der
Togoverein e.V. aus Augsburg sich wegen eines Standplatzes während der
Veranstaltung erkundigt hat, den wir ihm selbstverständlich kostenlos zur
Verfügung stellen.

Diese Tage sollen die afrikanische Kultur, afrikanische Produkte den
Menschen näher bringen. Natürlich wird dies von farbigen Afrikanern
gemanagt, und zwar sehr gerne - wir haben mehr Anfragen für Standplätze als
wir befriedigen können. Wenn Sie das mit "Zur-Schau-Stellen" meinen, dann
dürften auch keine internationalen Sportveranstaltungen mehr stattfinden, bei denen farbige Menschen zu sehen sind. Diese Veranstaltung soll im Gegenteil die Toleranz und
Völkerverständigung fördern und den Augsburgern die afrikanische Kultur
näher bringen.

Sie können sicher sein, dass es sich nicht um einen Planungsfehler handelt
und Sie können sich ebenfalls sicher sein, dass wir keinen anderen
Veranstaltungsort suchen werden. Denn ich denke, dass der Augsburger Zoo
genau der richtige Ort ist, um auch die Atmosphäre von Exotik zu vermitteln.
Ich hoffe außerdem, dass Sie beim nächsten Mal, bevor Sie einen derartigen
Brief schreiben, sich vorher genauer erkundigen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Barbara Jantschke
Direktorin, Zoo Augsburg
email: barbara.jantschke@zoo-augsburg.de
Tel.: 0821 567149-0
Fax: 0821 567149-13
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Info übermittelt durch
Initiative Pro Afrika e.V.
Gruppe Hamburg
c/o Werkstatt 3
Nernstweg 32
22765 Hamburg
e-Mail: IPAHH@web.de
Kontakt:
Joe McIntyre, Tel.: 040 / 420 67 96
Gaby Runge, Tel.: 040 / 61 94 99
Ute Gebhard, Tel.: 040 / 35 32 88


Anmerkung: Grammatik und Orthographie der Texte wie im Original. Hervorhebungen: lifeinfo.de
 

Zum Weiterlesen:

Auf Henryk M. Broders Website finden Sie einen Artikel von Vera Yu, die es als Deutsche gerade noch einmal geschafft hat, nicht für eine Frühlingsrolle gehalten zu werden:

"Chinese or not Chinese?!

Auf der Suche nach den Ginsengwurzeln"

 




 



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